Saisonauftakt

Nur die Füße im Wasser. Aber immerhin.

Füße im Wasser

Fundsachen: Blau

Blau

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12/12 im März 2017

Pepita, die den Unterschied zwischen Sonntag und Werktag nicht so ganz verinnerlicht hat, weckt mich um kurz vor sechs. „He!“, maunzt sie, „wo bleibst du denn? Futter! Streicheln!“

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Dann komme ich vor lauter Katzen-Futterquengelei und anschließendem Streichelbedürfnis kaum dazu, meinen Kaffee zu machen, geschweige denn die Zubereitung zu fotografieren,

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insofern hier ein Foto der vergangenen Woche. Das hätte ich Ihnen zwar auch so unterjubeln können, nicht aber Eva, die mir so liebe Eichhörnchen-Kaffee-Post gemacht hat. Vielen Dank, das gehört zu den „Was schön war-Erlebnissen“!

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Die Katze will gestreichelt werden. JETZT! SOFORT! STREICHLE MICH!

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Nur mit Mühe kann ich sie davon abhalten, dass sie sich heute nicht ständig auf die Tastatur legt.  Wir lesen gemeinsam ein bisschen im Internet herum. Bei der Kaltmamsell finde ich einen Text über das Sterben, und es tröstet mich, dort zu lesen, dass so viele Todkranke letzten Endes ersticken, weil man ihnen nicht mehr den ganzen Rotz absaugen kann. Ich habe mich jahrelang schuldig gefühlt, weil Patrick nämlich genau so neben mir erstickt ist und ich nichts dagegen machen konnte, und obwohl ich wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis er stirbt, habe ich trotzdem immer gedacht, ich habe ihn neben mir sterben lassen und im Krankenhaus hätte man noch etwas für ihn tun können.

Beim erneuten Lesen nachgetragen: Also natürlich ist es nicht tröstlich, dass Menschen an ihrem Lebensende ersticken, aber die Tatsache, dass es quasi „normal“ ist, hat mich getröstet, und dass ein hektischer Aufbruch ins Krankenhaus, der in unserem Fall gar nicht möglich gewesen wäre, nichts an der Tatsache ändert.

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Monsieur drängt mich zum sonntagmorgendlichen Radfahren, kleine Seniorenrunde. Hier das Foto des Rad-Klassikers, mit dem er mich trotzdem locker abhängt. Das Foto wurde auch schon an anderer Stelle zu einem ähnlichen Thema gepostet.

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Nein, Monsieur ist nicht der Herr in der gelben Weste und auch nicht der im windschnittigen Design, Monsieur ist schon nicht mehr sichtbar und bleibt es für den Rest der Tour, nur weil ich zwei Sekunden lang anhalte, um dieses Foto zu machen.

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Wir finden uns später wieder (weil er an einer Wegbiegung tatsächlich auf mich wartet!) und auf der Rückfahrt gibt es einen Grand Crème und ein Croissant an einem gerade so geöffneten Kiosk, noch nicht mal alle Stühle waren aufgestellt.

IMG_2017-03-12_11_30_28Danach ausgiebige Körperpflege, ein bisschen Entspannen. Dann pragmatisches Essenzubereiten. Es gibt Radieschen und ein paar der Apéro-Thymiankekse vom letzten Sonntag als Entrée. Bavette (dazu auch hier etwas), gedünsteten Chicorée (hier sagt man endives dazu) und Bandnudeln als Hauptgang. Den Rest vom gestrigen Milchreis als Nachtisch. Vergesse ich zu fotografieren. Hier nur das Danach-Foto.

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Zur Sieste komme ich nicht, weil ich schon wieder einen Anfall eines allergischen Schnupfens bekomme. Seit acht Tagen plagen mich verklebte Augen (keine Konatktlinsen möglich, sehr nervig), Schnupfen bis hin zu belegten Bronchien. Das ist neu und ich komme dem auch mit Antihistamintabletten nicht bei. Ist das Heuschnupfen? Ich mache eine erste Nasenspülung mit Salzwasser. Davon kein Foto. Sieht eklig aus.

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Damit und mit der Schnieferei bin ich beschäftigt, und um auf andere Gedanken zu kommen, gehe ich spontan ins Kino. Bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen Sonntagsnachmittags ins Kino gehen. Das wäre für mich früher nie drin gewesen, zwei Stunden des hellichten Tags im dunklen Kino zu verplempern. Kino ist wie Fernsehen, das macht man abends. Ich bekomme den vorletzten Platz in Lion, ein Adoptivdrama, das mich nicht nur berührt, sondern bei mir auch allerhand anderes auslöst. Da es ein australischer Film ist, zeigt der Film immerhin ansatzweise auch schwierige Momente des Themas Adoption, aber natürlich braucht es dafür einen zweiten Adoptivsohn, der sich trotz aller Liebe der Adoptiveltern nicht so wunderbar entwickelt („Ihr adoptiert auch immer unsere Vergangenheit“ versucht der „gut geratene“ Sohn seiner Adoptivmutter zu erklären, der sich bemüht seiner Mutter umsomehr Freude zu machen, weil der andere Sohn der Adoptivmutter „Leid zufügt“. Ach je.) Ich sehe den Film in französisch synchronisierter Fassung, es stört mich an der einen oder anderen Stelle. Deutsch synchronisierte Filme kann ich gar nicht mehr ertragen. Und deutsche Filme, die französisch synchronisiert sind (passiert manchmal auf arte) bleiben mir total fremd. Da kann ich der Handlung oft nicht folgen, weil mich diese „falschen“ Stimmen und Satzmelodien so irritieren.

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Zuhause gibts Reste von gestern und heute zum Abendessen. Dann telefoniere ich mit einer Freundin, deren Mann noch immer im Krankenhaus liegt. Auch nach acht Tagen, weiß man nicht richtig, was er eigentlich hat. In der Nacht aber hatte er Todesangst und rief zweimal die Nachtschwester, die ihn zweimal zurechtwies und sagte „Sie haben nichts“ und „Das kann bis morgen warten“. Daraufhin rief er über sein Handy den Notarzt an, der wiederum glaubte, der Patient wolle sich über ihn lustig machen „Sie sind schon im Krankenhaus, was wollen Sie denn noch“.

Heute Abend im Fernsehen die Qual der Wahl. Wir sehen Liberace. Hm. Mir fehlt da ein bisschen Spannung, aber wahrscheinlich ist es schon großartig, dass es einen US-amerikanischen Schwulenfilm gibt, in dem Michael Douglas die Hauptrolle spielt.

IMG_2017-03-12_21_07_45Dann stelle ich noch schnell die Fotos für 12 von 12 im März rein und das war mein Tag. Schon wieder mehr als 200 andere 12/12er bei Frau Kännchen.

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Frühjahrsschnitt

Es geht losHeute bekam unsere Palme ihren Frühjahrsschnitt verpasst. Die Nachbarn hatten sich schon mehrfach beschwert, dass die Palmwedel gegen ihre Fenster schlugen und nachdem wir die Palmzweige in den letzten Jahren immer, mühsam auf der Leiter balancierend, selbst abgesägt haben, haben wir dieses Mal einen Gärtner beauftragt. Was für ein Unterschied! C’est un métier! sagt man hier, wenn man ausdrücken will, dass man manches eben besser in die Hände von Professionnellen gibt. Der Gärtner war eine gute Wahl. Innerhalb kürzester Zeit hatte er nicht nur die Palme beschnitten, sondern auch den fetten Stamm in Form gefräst.

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K800_DSC01997Das üppige Kleinbiotop mit Farn, das in den abgesägten Palmschuppen wuchs, und uns eigentlich ganz gut gefiel, wird auch wieder ausschlagen, da der Gärtner die Palme nicht bis auf den Stamm gereinigt hat.

K800_DSC02014Der Gärtner hat auch ein leeres Nest des Charencon rouge, des Käfers, der hier die Palmen kahlfrisst, gefunden. Aber keine anderen Spuren und bislang hält sich die Palme, die sich vor etwa 50 Jahren hier selbst angesiedelt hat, tapfer gegen die Attacken der gefräßigen Eindringlinge.

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K800_DSC02005Nebenbei bekam auch die lang nach oben schießende Mimose einen Schnitt ab und zwei von unseren drei Orangenbäumen, die diesen Winter endgültig abgestorben sind, wurden auch entfernt. Zack. Fertig. Und alles sauber. Genial.

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Himmel 1-3

Himmel abstrakt 1

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Himmel abstrakt 3

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Zwischenröcheln

Ich werd‘ noch heiser vom Zwischenrufen, wenn das so weiter geht. Seit über dreißig Tagen reden wir nur über Fillon und das „Penelopegate“ und wir werden auch noch weitere 50 Tage nur darüber reden, so wie es aussieht. Im Gorafi, einem satirischen Onlinemagazin, wird schon gewitzelt, dass Benoît Hamon selbst kompromittierende Unterlagen über sich an den Canard Enchainé gesendet hätte, damit endlich auch mal von ihm geredet würde. So siehts aus.

Dass Fillon am Sonntag auf einem Platz, der 50.000 Personen aufnehmen kann, angeblich 200.000 Anhänger versammelt hat, haben Sie mitbekommen, n’est-ce pas? Ob es nun 50 oder 80 Tausend waren, es hat ihm gereicht, um selbstgefällig „seht ihr wohl!“ zu sagen, und natürlich bleibt er Kandidat. Auch wenn die Rechte um ihn herum abbröckelte und Juppé drang, sich für einen „Plan B“ aufstellen zu lassen. Doch Juppé hat gestern „ein für allemal“ erklärt, er stehe nicht für einen „Plan B“ zur Verfügung. Dieser sogenannte Plan B hätte sowieso nur zustande kommen können, wenn Fillon einverstanden gewesen wäre, zugunsten Juppés zurückzutreten. Es gibt nämlich kein Gesetz, einen in der „Primaire“ gewählten Kandidaten abzusetzen, selbst wenn der krank oder verrückt werden würde, wie neulich ein Politiker durchaus mit Bedauern sagte. Also, kein Plan B, auch kein Plan C, Fillon bleibt uns erhalten. Quelle honte!

Wir haben einen Kandidaten, der ein Strafverfahren gegen sich laufen hat. Und eine Kandidatin mit einem ähnlich gelagerten Problem; auch sie wettert, dass man sie mit dieser Anklage, die „ausgerechnet jetzt“ käme, politisch schwächen wolle. Sie will nicht mal zur Vorladung gehen, behauptet sie. Eine angeklagte Kandidatin, die die Justiz missachtet. Auch schön.

Wen haben wir noch? Ach, ja Macron. Der habe jetzt einen „Boulevard“ vor sich, heißt es, eine breite Straße, auf der er bis zur Wahl schlendern könnte, wenn er nicht nochmal einen Fauxpas begehe wie diesen Satz über die Kolonisation Algeriens, die ein Verbrechen gegen die Menschheit/(lichkeit) gewesen sei. So etwas sagt doch kein Staatsmann, wird gemurrt. Und das haben ihm viele nicht verziehen. Er sei zu jung, zu unreif sagen die Kritiker, man wisse nicht, wen man wirklich vor sich habe, und sie fragen auch, wer eigentlich seinen Wahlkampf finanziere.

Mélenchon, die Écolos und Benoit Hamon haben keinen Kompromiss finden können, und treten jeder einzeln an, nur die Écolos, die Grünen, haben sich hinter Benoît Hamon gestellt.

Bisschen Tratsch gefällig? Kurz vor dem Beginn des Wahlkampfes haben sich alle Kandidaten von einer beliebten Moderatorin interviewen lassen: Karine Le Marchand moderiert seit Jahren erfolgreich die Serie „L’amour est dans le pré“ und bringt dort auch den stoffeligsten Landwirt dazu, über seine Sehnsüchte und Träume zu reden. Sie empfing in der Sendung „Ambition intime nacheinander einzeln jeden Kandidaten auf ihrem Sofa und scherzte, plauderte, fragte und hörte zu, was die Politiker ihr anvertrauen wollten. Und alle haben der Einladung Karine Le Marchands Folge geleistet, selbst Marine Le Pen und Fillon plauderten aus dem Privatleben. Die Sendung, Trash hin oder her, hat den Politikern sehr viel Sympathien eingebracht. Allen? Nein. Nicht allen. Benoît Hamon hatte kurzfristig abgesagt. Er wollte nicht über seine Lebensgefährtin Gabrielle Guallar sprechen, die in verantwortlicher Stellung für den Luxuskonzern LVMH arbeitet. Schlecht für das Bild eines radikalen Linken. Aber, immerhin, und anders als manch andere Politikergattin, arbeitet sie wirklich.

Ach, allerletzte Neuigkeit: Rama Yade, ehemalige Staatssekretärin unter Sarkozy und Fillon, hat sich gerade entschieden, auch als Kandidatin anzutreten. La France qui ose, (in etwa „Frankreich wagt es“), heißt ihre Bewegung, die sich irgendwo in der Mitte, aber rechts von Macron bewegt. Sie hat aber erst 113 Bürgermeister, die sie unterstützen wollen, hinter sich. 500 braucht sie, um sich präsentieren zu können.

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WMDEDGT März 2017

Heute ist, wie immer am 5., Tagebuchbloggen bei Frau Brüllen.

Schon wieder ein Sonntag.

6 Uhr: wach geworden, um Viertel nach Sechs aufgestanden, mache mir einen Kaffee (überwiegend entcoffeiniert), esse ein paar Kekse, streichle die ungestüme und liebebedürftige Pepita und lese im Internet herum. Und sagte ich es nicht, wenn die etwas jüngere Bloggerinnengeneration in die Jahre kommt, kann man auch darüber schreiben (Achtung der Text hinter dem Klick könnte sensible LeserInnen verstören).

7 Uhr: es ist hell!

7.02 Uhr Ich suche noch einmal das Rezept für die Pintade / das Perlhuhn und ein anderes für Orangensauce. Heute haben wir Gäste, Freunde von Monsieur kommen und ich habe zusätzlich eine Freundin aus den Bergen eingeladen, deren Mann vorgestern in Cannes ins Krankenhaus eingeliefert worden ist.

8 Uhr Monsieur ist wieder wach (er ist zu einem Etappenschläfer geworden und hat schon mitten in der Nacht Geschirr gespült) – jetzt kann ich auch lauter herumwurschteln und den Tisch decken. Da liegt aber noch Pepita, die alles vom Tisch auf den Boden geworfen hat, weil ich mich nicht genug um sie kümmere. Daher gehe ich zuerst ins Bad.

ab 9 Uhr etwa stehe ich in der Küche. Kümmere mich zunächst um die Pintade, die trotz einer Nacht im Vorratsschrank noch etwas gefroren ist. Die Pintade stammt von einem kleinen Producteur aus den Bergen und ich mache sie sie à l’orange. Da improvisiere ich ein bisschen mit verschiedenen Rezepten, ich reibe gern auch ein bisschen weiche Butter, die ich mit den Zesten der Orangen vermengt habe, unter die Haut der Pintade und mache eine Orangensauce (und werfe etwas von meiner verunglückten Orangenmarmelade dazu)

Ich habe gestern auf dem Markt Bintje-Kartoffeln gefunden, die gibt es hier nicht so oft. Früher habe ich mir wenige Gedanken um Kartoffelsorten gemacht. Es gibt da aber durchaus Unterschiede. Ich werde also ein schönes Kartoffelpüree machen. Hätte gerne ein Gratin gemacht, aber der Ofen wird ja schon von der Pintade besetzt. Das hin und herjonglieren mit zwei Gerichten im Ofen ist mir zu nervig. Als Vorspeise gibt es frischen (dampfgegarten) Lauch, den ich gestern bei einem rundlichen und vergnügten Producteur auf dem Markt gekauft habe, genau der, der auch die schönen Kartoffeln hatte.  Zum Lauch gibts nur eine Vinaigrette. Das ist lecker und geht hier auch als Vorspeise durch. Nachtisch muss ich nicht machen, der wird mitgebracht. Das ist in Frankreich häufig der Fall. Das alles habe ich vorbereitet, den Tisch habe ich auch gedeckt und um Viertel vor Zwölf schiebe ich die Pintade in den Ofen. Dann renne ich nochmal ins Bad, föhne die Haare und werfe etwas Make-up ins Gesicht. Zum Umziehen komme ich nicht mehr, denn, erstaunlich pünktlich für Franzosen, klingelt es schon.

12 Uhr: die Gäste sind da. Wir plaudern und es gibt Apéro. Dafür habe ich gestern Abend schon Thymian Shortbread gemacht. Es gibt auch noch Oliven und frische Radieschen. Und Orangengenwein, alkoholfreien Bitter und Pastis für die Herren. Ich renne immer mal wieder in die Küche um die Pintade zu begießen und jage nebenbei Pepita vom gedeckten Tisch.

12.45 Wir essen. Vorspeise: dampfgegarten Lauch mit Vinaigrette. Hauptspeise: Pintade à l’orange, Orangensauce und Kartoffelpürree. Käse: Tome de Brébis (Schafskäse) aus Sardinien und frischen (weichen und halbfesten) Schafskäse. Dazu ein paar Blättchen Feldsalat. Die mitgebrachte Apfeltarte. Kaffee. Dazu noch ein paar Datteln und kandierter Ingwer.

Stop Corruption15 Uhr: Ich unterbreche und schlage, zum Amüsement der Gäste, auf dem Balkon etwas auf einen Topf und lasse mich für die Aktion #StopCorruption #CasserolesPartout fotografieren. Ich bin aber vermutlich die einzige, die in Cannes auf einen Topf geschlagen hat. Wir fangen an, über Politik zu reden und schalten den Fernseher ein: es sind doch erstaunlich viele Menschen zur Unterstützung Fillons gekommen. Sehr viele. Und das trotz Regen. Zweihunderttausend wie die Veranstalter sagen, sind es vielleicht nicht, aber doch mehrere Zehntausend und genau so viele Blau-weiß-rote Fähnchen wedeln im Wind. Später auch Regenschirme. Fillon spricht: Ils pensent que je suis seul. Ils veulent que je sois seul. Est-ce que je suis seul? (Sie denken, dass ich alleine bin. Sie wollen, dass ich alleine bin. Bin ich alleine?) Nooooon! ruft die Menge. Voilà, er wird weitermachen. Ich suche vergeblich etwas zur Gegendemonstration auf der Place de la République. Später sehe ich, dass dort nur ein paar Hundert Menschen zusammengekommen sind.

16.25 Uhr gehen die Gäste. Monsieur macht eine Sieste. Ich bleibe müde vor dem Fernseher hängen und schreibe hier.

18.45 Uhr Jetzt entschlossen den Fernseher ausgemacht. Kuschele mich mit einer Wärmflasche aufs Sofa und lese etwas. Viel mehr passiert heute nicht mehr.

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Zwischenruf: casseroles partout

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Für morgen 15 Uhr sind zahlreiche Gegendemonstrationen zur „Versammlung“ Fillons geplant. In Paris auf der Place de la République, aber auch überall im Land, soll ein lautes Konzert mit Kochtöpfen (casseroles) angestimmt werden. Für drei Minuten soll man, egal wo man sich befindet, am Fenster, auf dem Balkon, im Garten, mit Löffeln auf Kochtöpfe schlagen. Mit dieser Art Konzert wurde Fillon in den letzten Tagen auf dem Weg zu seinen Wahlkampfreden schon an der einen oder anderen Stelle begrüßt.

Nun, gedacht ist, dass man davon zusätzlich ein Foto macht und es dann auf allen Social Media Platformen hochlädt: #StopCorruption, #CasserolesPartout

Morgen mittag haben wir Gäste, gegen 15 Uhr sind wir vielleicht gerade beim Nachtisch angelangt, da könnte man durchaus ein Päuschen einlegen und ein bisschen Krach machen. We keep you informed!

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Zwei Tage im Schnee

Unser Wochenende im Schnee. Schon zwei Wochen her. Wenn ich die Bilder nicht gleich veröffentliche, ist es zu spät. Wer will dann noch Schnee sehen?! Eben. Diesmal ohne Text. Habe ich aber ansatzweise schon erzählt.

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Zwischenruf: Fillon und kein Ende

Ein Zwischenruf, um Sie nicht ohne up-date ins Wochenende zu schicken, obwohl man hier alle paar Stunden ein up-date machen müsste, so schnell ändern sich die Dinge.

Nun, es wird langsam leer um Fillon. Bruno Le Maire, ein ausgeschiedener Präsidentschaftskandidat, hat ihm gestern seine Unterstützung aufgekündigt. Ebenso die sogenannten „Juppéisten“, was für eine Möglichkeit stehen könnte, dass man Juppé kurz vor knapp ins Rennen schicken möchte. Anstelle von Fillon. Aber der will ja bis zum „Sieg“ weitermachen und besteht darauf, dass er der gewählte Kandidat sei und seine Wähler ein Recht auf ihn hätten. Wenn auch 70% der Franzosen denken, er solle seine Kandidatur zurückziehen, so stehen immer noch 18% der Wähler hinter ihm, weil sie ihn trotz alledem für den fähigsten Mann halten. Und es ist gar nicht sicher, dass wenn man Fillon durch Juppé ersetzte, diese treuen Fillon-Wähler automatisch Juppé wählten. Die wählten, so steht zu befürchten, dann lieber nichts oder Le Pen. Damit wäre die Wahl für die klassische Rechte verloren. Insofern, denkt man, kann man es auch weiterhin mit Fillon versuchen. Der hat gestern noch kämpferisch gerufen, er ergebe sich nicht! Aber immerhin hat er drei Ermittlungsrichter an den Fersen, darunter einen, der für seine Hartnäckigkeit gefürchtet wird. Für den 15. März ist er zur Anhörung vorgeladen und heute morgen gab es eine Hausdurchsuchung bei Fillons. Sie sehen, es geht hier Schlag auf Schlag. Für den kommenden Sonntag hat Fillon in Paris auf dem Trocadero zu einer „Versammlung“ zu seiner Unterstützung aufgerufen. Fillon will damit beweisen, dass er eben nicht „alleine“ ist. Zunächst war diese Versammlung kämpferischer angelegt, er wollte auch, dass man gegen das Eingreifen der Justiz in die Wahlkampagne demonstrierte. Eine Demonstration gegen die Justiz wurde aber vom gerade noch amtierenden Präsidenten François Hollande untersagt. So richtig froh ist man auch im rechten Lager nicht mit der angekündigten Versammlung. Man fürchtet, dass Fillon doch sichtbar „alleine“ sein könnte und vor allem, dass kritische Stimmen zu hören und vor allem kritische Plakate zu sehen seien. Das wäre nicht schön und natürlich schlecht für die Bilder in der Presse.

Die „Sarkozysten“ haben sich übrigens für nächsten Dienstag zu einem Arbeitsessen verabredet. Das wird hier beinahe belächelt: nächsten Dienstag! Wer weiß schon, was in vier Tagen ist, bei der geradezu galoppierenden Entwicklung dieses Wahlkampfes!

Macron hat übrigens doch ein Programm.

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Pepita proudly presents

Pepita und Duval 4Mehr gibts bei Christine!

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Was schön war : Rausgehen

Dann sieht man unter anderem die letzten Mimosen in der Nachbarschaft.

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Unter den „Was schön war-Bloggern“ sind ja eher poetische Alltagsgeschichten üblich, will mir scheinen – eine Begegnung an der Supermarktkasse oder in der Stadtbibliothek, oder ein Lächeln in der Kirche. Ich bin eher so eine pragmatische „was-schön-war“-Aufschreiberin. Erwarten Sie also nicht zu viel.

Aber noch viel mehr war (immerhin) schön: Dass ich mich gestern aufraffen konnte zum Schwimmen (im Hallenbad, fürs Meer bin ich noch nicht soweit) – das hat gut getan, wenn auch die Müdigkeit, die mich nachmittags überfallen hat und der heutige Muskelkater eher erschütternd sind.

K800_IMG_20170226_104834[1]Dann war zweimal wundervoll-liebe Briefpost schön: gute und wohltuende Nachrichten zwischen Werbung und Rechnungen, tatsächlich! Von Herzen Dank!

Es gab auch schöne Mailpost und ein schönes, langes Telefongespräch: Schön, schön!

Und dann hat mich Monsieur heute in aller Frühe zum Radfahren gedrängt und als wir auf die Promenade kommen, ist sie, wie jeden letzten Sonntag im Monat, man muss es nur wissen, für Radfahrer und Läufer und Fußgänger gesperrt: wie toll! Keine Autoschlange, die einen permanent lärmend überholt und bedrängt. Man kann endlich mal gemütlich nebeneinander herfahren und hört sogar das Meer rauschen. Gut, nur ein paar wenige Kilometer, aber wir haben die Strecke mehrfach zurückgelegt, so wie man im Schwimmbad Bahnen schwimmt, nicht sehr aufregend, aber angenehm. Da wir noch früh sind, ist die Strecke auch wirklich noch leer, später kommen alle auf Rollern und Rädchen, auf Skatern und zu Fuß, mit Kinderwagen und Stöcken und was weiß ich. Das ist aber grundsätzlich auch schön, zu sehen, dass diese Autofreie-Aktion der Stadt so angenommen wird. Dann ein Kaffeepäuschen am ersten geöffneten Kiosk. Hey! Rausgehen ist so schön!

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Schönen Sonntag allerseits!

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Zwischenruf: Fillon

Ich weiß, Sie sind im Karneval- oder Fastnachtsfieber, Sie wollen das alles gar nicht wissen, und Sie wollen vermutlich überhaupt gar nicht so viel von französischer Politik wissen, aber wenn man einmal angefangen hat, sich zu interessieren und darüber zu schreiben, dann kann man wichtige Dinge nicht einfach auslassen, nicht wahr. Ich werde das „Politische“ auch zukünftig „Zwischenruf“ betiteln, dann wissen Sie gleich, um was es geht. Heute wirklich nur ganz kurz, nur schnell dazwischengerufen, zwischen Rucki-Zucki und In unserm Veedel …

Le Parquet financier, eine Art Finanz-Staatsanwaltschaft hat (endlich) entschieden, dass es ausreichend Elemente gibt, den „Fall Fillon“ weiterzuverfolgen und man wird den Fall an einen oder mehrere Untersuchungsrichter weitergeben (ich dachte, so weit wären wir schon gewesen, aber nein, tatsächlich erst jetzt). Fillon, das wissen Sie schon, steht unter Verdacht, seine Frau Penelope jahrelang scheinbeschäftigt zu haben. Während ich das hier schreibe, hält Fillon gerade eine engagierte Wahlkampfrede, sehr patriotisch, und die Claque in der ersten Reihe applaudiert nach jedem Satz und brüllt „Fillon Président! Fillon Président!“. Monsieur Fillon wird nämlich, entgegen ursprünglich anderslautenden Äußerungen, die man doch glaubt, gehört zu haben („Wenn ich belangt werde, werde ich mich von der Kandidatur zurückziehen“), weitermachen, bis zum „Sieg“. Jawohl. Um Frankreich zu retten natürlich. Er ist nämlich, so sagt er, der einzige Kandidat mit einem profunden Programm und staatsmännischen Fähigkeiten (Das sagen auch seine Anhänger, die es schändlich finden, dass man Fillon 55 Tage vor der Wahl dermaßen schwächt! Besser einen Kandidaten, der eines „kleinen“ Vergehens beschuldigt wird, der aber ein fähiger Staatsmann ist, und später keine außenpolitischen Katastrophen verursacht.). Voilà die Rede ist zu Ende. Kein Kommentar zur „Affaire“, er lässt die Anwälte kommunizieren. Vive la France!

Es gibt dazu schon eine AFP-Meldung.

PS: Unter uns, so lange er weitermacht, hofft er, dass man ihn doch nicht belangen wird, und sollte er tatsächlich gewählt werden, dann hat er für fünf Jahre eine Immunität. Und nach fünf Jahren, ach … wer weiß, was dann ist, nicht wahr.

Schon gibts einen weiteren Nachtrag:  Die Finanzstaatsanwaltschaft hat sich deshalb heute noch (Freitag Abend!) zu diesem Schritt entschieden, weil bereits letzte Woche im Parlament ein Gesetz „verabschiedet“, sprich gewählt wurde, das eine (kurze) Verjährungsfrist für genau diese Art Delikte vorsieht. Ooooh! Das hätte Fillon ja retten können (und alle anderen in der gleichen Situation). Das Gesetz tritt bereits nächste Woche in Kraft.

Um es deutlich auszusprechen: Politiker von Rechts und Links haben schnell, still und leise ein Gesetz gewählt, das in gewisser Weise Straffreiheit für Fillon (und andere Politiker in der gleichen Situation) vorsieht (so ähnlich wie es in Rumänien geplant war) Es gibt eine starke Solidarität unter Politikern: Wir machen’s uns schön, so lange wir dran sind. Die Konsequenzen sind uns wurscht, aber wehe, das Volk wählt unzufrieden Marine, die als einzige Kandidatin (noch) nicht im hassenswerten System ist (was nicht stimmt, aber es wird ihr von ihren Anhängern geglaubt).

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die Frau Rauscher

Ok, Sie wollen keine Politik, ich seh’s schon, Sie suchen Karneval. Es ist Weiberfastnacht im Rest der Welt. Meinetwegen. Ich bin in der kürzlich schon verlinkten Bamberger-Lied-Anthologie auf einen Schlager meiner Kindheit gestolpert: Die Fraa Rauscher aus de‘ Klappergass‘. Das muss mehr als 40 Jahre her sein, als ich das zum letzten Mal gehört habe. Weia! Wer hätte geglaubt, dass mir hessische Töne mal so zu Herzen gehen würden?! Kindheit und Heimat kommen da zusammen. Schee!

Und ein Klassiker aus de‘ Määnzer Eck':

Und noch zwei Klassiker aus Määnz. Ei wie schee!

Helau! Und Alaaf nach Kölle!

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Zwischenruf: Bayrou – Macron zusammen en marche

Herrjeh, wenn man einmal nicht hinschaut, passierts! Denn eigentlich müsste ich was ganz anderes schreiben, und ich habe mich gestern schon mit schlechtem Gewissen mit dem letzten Blogtext vertändelt, so dass ich die geradezu sensationelle politische Veränderung gestern fast verpasst habe:

François Bayrou hat Emmanuel Macron ein Bündnis vorgeschlagen, und dieser hat es angenommen! Wow! Das muss man in einer fetten Typographie schreiben. Als historisches Ereignis in der Geschichte Frankreichs wurde diese Veränderung gestern von manch einem Journalisten bezeichnet. Alles könnte sich ändern!

Die Presse hat heute nur dieses eine Titelbild: Bayrou und Macron gemeinsam „en marche“, wie das Motto von Macron lautet. Die Zeitschrift Marianne hatte dieses Bild sogar schon gestern und der junge Redakteur war nicht wenig stolz darauf.

Alle sind erleichtert. Wir auch. Nicht alle, das wäre gelogen. Politiker von Rechts finden es natürlich lächerlich, „Verrat“ wird hier geschrien, und die von ganz Links sind auch nicht zufrieden. Aber langsam, eins nach dem anderen.

François Bayrou kennen Sie nicht? Ganz kurz: 1951 geboren, Sohn eines Landwirts, heute Bürgermeister von Pau, war bereits dreimal Präsidentschaftskandidat, einmal sogar mit recht ordentlichen Zahlen, aber immer nur im ersten Wahldurchgang. Er ist ein sozial-liberaler Zentrumspolitiker, heißt, ein Politiker, der gegen das stete Rechts-Links-Gezerre der französischen Politik ist, und der einzige, der offen sagte, dass Schluss sein müsste, als Staat immer weitere Schulden zu machen. Hier der etwas ausführlichere Wikipedia-Artikel, sogar schon versehen mit den allerneuesten Entwicklungen.

Er war bei der letzten Präsidentschaftswahl die Alternative für manchen Mitte-Rechts Wähler, der nicht Sarkozy wollte, und was diese Wähler ihm in der Folge (und Sarkozy im besonderen) übel genommen haben, und was ihn politisch aufs Abstellgleis gebracht hat, war seine dezidierte Wahlempfehlung im zweiten Wahldurchgang „gegen“ Sarkozy und für Hollande, was Hollande (da ist man sich einig) zum Sieg verholfen hat. Er hätte besser gar nichts gesagt, ist die allgemeine Meinung der verletzten Mitte-Rechts-Wähler.

Bayrou hatte sich für die anstehende Wahl ursprünglich an Alain Juppé angeschlossen, aber nachdem dieser von Fillon überflügelt wurde, lange überlegt, tatsächlich noch einmal selbst anzutreten. Seine Chancen standen aber nicht besonders gut, Wählerstimmen in einen zweistelligen Bereich einzufahren, und er hat insofern tatsächlich im letzten Moment (selbst sein privates Umfeld war wohl überrascht) entschieden, seine eigenen Ambitionen hintenanzustellen und Macron, den er bislang häufig kritisiert hatte, eine Alliance anzubieten. „L’heure est grave“ sagte er. Die Lage ist ernst. Und es gehe um die Zukunft Frankreichs, das sei wichtiger als seine persönliche Eitelkeit, er sagt es sichtlich bewegt, es ist wirklich eine Vernunftsentscheidung, sich hinter einen neuen und so jungen Präsidentschaftskandidaten einzureihen. Aber er will Marine Le Pen verhindern, auch wenn er es so deutlich nicht ausspricht, da er sie als „große Gefahr“ einschätzt, und deren Chancen die Wahl im zweiten Wahldurchgang (egal gegen welchen Kandidaten) zu gewinnen, in den Umfragen immer mehr steigen. Und er will wirklich eine Änderung des Systems, einige Bedingungen sind an die Alliance mit Macron geknüpft: er möchte unbedingt ein Verhältniswahlrecht einführen und ebenso das politische Leben „moralischer“ gestalten.

Bayrou hat genau das: ein aufrichtiges, moralisches Standing, bislang wirklich keine Skandale (so hoffe ich), das könnte Macron, dem ein bisschen „Unterbau“ und Erfahrung fehlen, die älteren, eher konservativen Wähler bringen. Befürchtet wird hingegen, dass sich die jungen Wähler, die wirklich frischen Wind wollten, von der Behäbigkeit des Altpolitikers erschrecken lassen.

Natürlich unterstellt man Bayrou nun trotzdem Karrieredenken, er sei nur scharf auf einen hohen Ministerposten, heißt es. „Verräter“ und „Opportunist“ geifern die rechten Politiker. Das unterstellt man auch dem grünen Politiker François de Rugy, der sich gestern auch noch schnell für Macron und gegen Hamon entschieden hat, dem er eigentlich verpflichtet war. Mit zufriedenem Lächeln (noch schnell aufs richtige Pferd gesetzt zu haben) sagte er gerade, er fühle sich Macron wirtschaftspolitisch näher als Hamon und „Kohärenz sei wichtiger als Gehorsam“, auch ihm ist die „Zukunft Frankreichs wichtiger“.

Nun, Karriere hin oder her, die bislang geradezu katastrophale Situation der Präsidentschaftswahl Frankreichs hat sich gewendet. Uff!

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Wo man singt …

Einmal im Jahr, im Winter, gibt es oben in den Bergen, wo wir unser Sommerhaus haben, in der kleinen Kirche eine Messe. Um dorthin zu kommen, muss man sich in dieser Jahreszeit in der Regel mit Schneeschuhen ausstatten, raquettes heißen die auf Französisch und das Evenement heißt daher gerne „la Messe à raquettes“, eine Schneeschuh-Messe, eigentlich natürlich eine Schneeschuhwanderung mit anschließender Messe. Danach gibt es dort oben ein gemeinschaftliches Picknick und die einzige ganzjährig ansässige Bewohnerin kocht 100 Liter Suppe für alle. Dann geht es wieder runter. Wir haben daran bislang noch nie teilgenommen, aus allerhand Gründen, einer ist die Gesundheit Monsieurs, die so eine Unternehmung an einem Tag (Aufstieg, Messe, Abstieg) nicht zulässt. Dieses Jahr aber haben wir, spontan wie man hier so ist, daran teilgenommen, mit kurzfristig geplanten Zwischenstopps allerdings. Wir waren mit unserer Spontaneität natürlich viel zu spät, um in der Auberge oder in der Gîte weiter oben noch einen Schlafplatz zu ergattern, denn auch viele andere machen diese Wanderung nun in zwei oder gar drei Tagen und reisen vorher schon an, die Plätze sind aber begrenzt. Wir haben, dank der Spontaneität und und Unkompliziertheit aller, trotzdem Schlafplätze gefunden, sehr einfache in Châteauneuf und ebenso einfache oben in unserem Sommerhaus bei 6°C Innentemperatur. Muss man wollen.

Am ersten Abend hat man uns ebenso spontan in der Auberge in Châteauneuf noch zwei Stühle an den langen Tisch gestellt, es war schrecklich eng, das war schon immer so, auch zu Zeiten als ich dort Gäste empfangen habe. So schlecht machen sie das gar nicht in der Auberge, ich hatte da ja so meine Zweifel, ich nehme das zurück.

Es gab zwei Gruppen, acht „Fremde“ und 15 „Einheimische“. Und an unserem Tisch fingen wir an, alte französische Küchen- und Bänkellieder zu singen. „Wir“ ist missverständlich, denn alle außer mir sangen, um korrekt zu sein, ich konnte nicht, weil ich weder Melodie noch Text dieser Lieder kenne und bewegte daher nur rhythmisch den Kopf und summte mit. Mir ist von all diesen Liedern nur „la rirette“ im Kopf geblieben, es ist, wie so oft in Frankreich „coquin“ und aus heutiger Sicht keinesfalls politisch korrekt, ich gebe es mit Rücksicht auf meine weiblichen Leserinnen auch nicht wieder. In Frankreich stört sich aber selten jemand an solchen Anzüglichkeiten, auch keine Frau, und so wurde fröhlich gesungen und am Nachbartisch, mit den eigentlich fremden Gästen, sang man gerne mit. Das war richtig schön. Am Nachbartisch saßen auch zwei Russen, die man irgendwann nötigte, russische Volksweisen zu singen, was sie (nach dem Genuss viel ermutigenden Wodkas) bereitwillig taten, es waren schwermütige Lieder, die sie mit Inbrunst sangen. Und dann war die Reihe an mir: Was singt man denn so in Deutschland, Christjann?“ Und „Du hast doch so eine schöne Stimme, sing uns mal was!“

Eh beh. Was singen Sie denn so abends im Freundeskreis? Sehen Sie. Kein Mensch singt heute noch, oder? Wir haben früher sogar im Auto gesungen, damals gab es nämlich noch nicht mal Autoradio, das kann man sich ja kaum noch vorstellen. Aber WAS haben wir da nur gesungen? Mein Kopf blieb leer. Mir wollte wirklich nichts einfallen. Nichts. Also nichts Deutsches. „Bella Ciao“ hätte ich singen können, oder „The House of the Rising Sun“, aber ich fand, dass ein italienisches Partisanenlied oder ein Lied über das Schicksal von armen Typen in New Orleans wenig mit dem deutschen Liedgut zu tun haben. Herrjeh, dabei singe ich wirklich gerne. Immer schon. Keine Jugendfreizeit, kein Lagerfeuer, an dem ich nicht alle Lieder der Mundorgel rauf und runter geschmettert habe. Aber mir fiel nichts ein. Mein stets singender Pfadfindervater drehte sich verzweifelt im Grab herum. Als ich an meinen Vater denke und an all die Pfadfindertreffen, taucht aus irgendwelchen Hirnwindungen immerhin „Mariechen saß weinend im Garten“ auf. Aber leider wollten mir weder Melodie noch Text verlässlich dazu einfallen. Hatte sie nicht ein Kind mit dem Schuster aus Treuenbrietzen?  In Unkenntnis des Ortes Treuenbrietzen habe ich das Lied früher nie verstanden, ich dachte der Schuster käme mit ‚treuen Absichten‘ und war dann sehr schockiert von seinem Verhalten.  Aber nein, ich verwechselte Mariechen mit Sabinchen, alle Frauen im Diminutiv, Ännchen, Käthchen, Röschen. Erst hier, vor dem PC finde ich wieder die richtigen Zusammenhänge. Sabinchen wars, das Frauenzimmer, deren Blut am Ende spritzt und der Schuster, der rabenschwarze Hund, steht um sie herum. Uh, wie grausig.

Dort oben fallen mir dann nur Lieder wie „Wildgänse rauschen durch die Nacht“ ein, aber ich bin plötzlich unsicher, war das nicht eigentlich ein Kriegslied? So etwas möchte ich hier gerade nicht zum besten geben. Oder „Wir lagen vor Madagaskar“. Das wäre vielleicht sogar gegangen, trotz Pest und Leichen, die über Bord gehen, da gehts ja auch um Sehnsucht und Heimat. Aber ich bin total verunsichert, was haben „wir“ eigentlich vor Madagaskar gemacht?, frage ich mich. War das vielleicht ein Sklavenschiff? Keine Ahnung. Besser singe ich es nicht, denn ich müsste ja auch erklären, was ich singe. „Sing ‚Lilly Marleen'“, drängt mich Monsieur, weil ich das schonmal irgendwo gesungen habe, aber mein Kopf ist leer, der Text ist weg. Wie schade.

Hier zu Hause, weiß ich natürlich wieder alles: „Jetzt fahrn wir übern See, übern See …“ trällere ich, und, ach, die Geschichte von der Flunder, zwo, drei, vier, die unglücklich in den Harung verliebt ist, tirallala.  Oder „Zogen einst fünf wilde Schwäne …“. Jetzt könnte ich auch schwermütig „Sing, Nachtigall sing“ geben oder fröhlich „Veronika, der Lenz ist da“, oder „Nur nicht aus Liebe weinen“ und natürlich „Lilly Marleen“ oder meinen absoluten Lieblingsschlager: „Heißer Sand“ von Mina.

Auf der Suche nach manch einem Text bin ich übrigens auf diesen (der volkskundlichen Liedforschung zugehörigen) Blog gestoßen und habe mich an der einen oder anderen Stelle sehr amüsiert. Und erstmals hat man mir den Sinn des rätselhaften Liedes „Heißer Sand“ erklärt. Ganz groß!

Ich bin übrigens festen Willens, mir ein kleines deutsches Gesangs-Repertoire anzueignen. Die nächste Gelegenheit zu singen, kommt in Frankreich bestimmt.

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Zwischenruf: über Fillon, Macron und die anderen

Während in Cannes am Wochenende der Frühling ausgebrochen ist und die Mandelbäume sich in weiße und rosafarbene Blütenwolken verwandelt haben, sind wir spontan in die Berge und in den Schnee gefahren. Bis gestern Abend einschließlich. Es war wundervoll und liefert zukünftig mindesten zwei Beiträge für „Was schön war“. Dort oben, ohne Handyempfang, ohne Internet, ohne Fernsehen und Radio und auch ohne Zeitung, waren wir wirklich wie aus der Zeit gefallen. Ich dachte mir, wenn es einen Krieg geben sollte, dann werde ich mich nach da oben zurückziehen und krieg dann einfach gar nichts mit vom Krieg. Im letzten Krieg kamen die Deutschen nicht bis hier hinauf. Nur die Italiener. Die waren der eigentlich Feind da oben und auf so manchem Gipfel lagern noch Stacheldrahtrollen. Ich würde natürlich wünschen, dass dann da oben zukünftig gar niemand Feind ist. Und würde dann einfach vor mich hinleben, und das ist insbesondere im Winter anstrengend genug, mit der Kälte und dem Schnee und dem Holz holen und Feuer machen und dem sich ernähren, und darüber würde die Zeit vergehen und irgendwann käme ich wieder runter und dann wäre alles anders. So ging es mir gestern nach nur drei Tagen. Alle reden von Schweden und ich verstehe nicht, warum. Was war in Schweden? Gar nichts sagen manche, nur ein Songcontest und etwas Schnee auf den Straßen. Aber der amerikanische Präsident war dank einer schlechten Fernsehsendung schlecht informiert und glaubte, es wäre etwas anderes los gewesen. „Alle reden von Schweden“ stimmt natürlich gar nicht. Die Deutschen reden von Schweden. Und von Trump. Die Franzosen reden nachwievor über Fillon, Macron und die anderen. Und daran hat sich in den vergangenen drei Tagen auch nichts geändert. Ich hätte Ihnen in den letzten Tagen ja ständig erzählen können, was Fillon gesagt hat und was Macron gesagt hat und was Le Pen gesagt hat, aber es war so ein bisschen wie im Kindergarten mit ätschibätsch und so (Macron wurde ein homosexuelles Doppelleben unterstellt, und diese Info kam wohl aus „gut unterrichteten“ russischen Kreisen), aber all das war so unsäglich und ich wartete ehrlich gesagt auf etwas Entscheidendes, um Ihnen zu sagen: So. Ist. Es. Jetzt.

Ist. Es. Nicht. Fillon ist immer noch da. Es ist nicht zum Aushalten. Er hat, wie zwischenzeitlich herauskam, auch seine Kinder für ein bisschen Computerarbeit oder was weiß ich, sehr gut entlohnt. Aber das ist ja alles legal und alle machen das, nicht wahr. Er hat sich zwar entschuldigt beim französischen Volk, damit es schön stille hält, und damit muss es jetzt aber auch mal gut sein. Die Richter halten tatsächlich schön still und man weiß nicht, ob sie irgendwann kurz vor der Wahl oder danach oder auch gar nicht zuschlagen wollen. Sehr unsicher das alles für Fillon, aber er macht verbissen Wahlkampf, letzte Woche in Übersee, Outre-mer heißen all die kleinen Inselchen aus Kolonialzeiten, wo der Empfang trotz der warmen Temperaturen ein wenig frostig war, weil sich die Leute dort eine Summe von 800.000 Euro (Sie erinnern sich: Penelopes „Einkommen“) gar nicht vorstellen können. Fillons Umfrageergebnisse (wer würde ihn als Präsidenten wählen, wenn heute Wahl wäre) sind insgesamt deutlich hinter Marine Le Pen (1.!) und Macron (2.!) zurückgefallen. Vorfeiern bringt Unglück, sag ich’s doch!

Macron hingegen hat noch nicht mal sein Programm vorgestellt, vielleicht hat er noch keins, was ihm seine Gegner spöttisch unterstellen, vielleicht will er es auch nur noch nicht vorstellen, weil es den Rechten dann nicht rechts genug ist und den Linken nicht links genug, und dann fängt das Geschacher an. Es ist unglaublich, dass er dennoch Säle füllt und den Menschen dort voller Zärtlichkeit zuruft „Je vous aime farouchement, mes amis!“ Und die so sehr geliebten „Freunde“ und nicht etwa Wähler oder schnöde das Volk, die sind hin und futsch, von diesem Zuversicht ausstrahlenden Charmeur. Er lächelt. Er ist positiv. Alles wird gut. Dummerweise hat er bei einem Algerienbesuch gesagt, dass die Kolonisation, die Outre-mer doch so schön geklappt hat, in Algerien hingegen „ein Verbrechen gegen die Menschheit“ gewesen sei und man müsse sich dafür entschuldigen. Das hat vielleicht den Algeriern gefallen und vielleicht wollte Macron in den Banlieus ein Zeichen setzen, denn da geht es gerade wieder hoch her, aber den Franzosen hier im Süden, wo viele Pieds Noirs und Harkis und ihre Nachkommen leben, gefiel es absolut nicht. Schwieriges Thema. Ich finde ja auch, dass mal einer anfangen müsste, sich zu entschuldigen, zumindest für das, was im Algerienkrieg passiert ist, aber soweit ist noch keiner, außer vielleicht Macron, aber es ging nicht um den Krieg, sondern um die Kolonisation, und diese etwa mit der systematischen Vernichtung der Juden gleichzusetzen („Verbrechen gegen die Menschheit“), ist vielleicht doch fragwürdig.

Mélenchon hält dank moderner Hologrammtechnik an zwei Orten gleichzeitig Versammlungen ab und ist von sich und seinem Double selbst am allermeisten begeistert. Dass sich die Linke von Mélenchon, die Grünen und die PS mit Hamon zusammenschließen müssten, um überhaupt etwas auszurichten, ist zwar allen Beteiligten klar, aber keiner will zurückstecken. Mélenchon findet, er habe die älteren Rechte, alle sollten sich also hinter ihn als Kandidaten stellen. Das sieht Hamon genau andersherum: Mélenchon hat es noch nie geschafft, ich bin der Kandidat der Hoffnung!

Ach so, und François Bayrou, der Zentrumspolitiker, der, weil er zu ehrlich ist, nie einen Blumentopf gewinnen konnte, sagt hin und wieder, „Coucou! Vielleicht bin ich auch noch Kandidat, ich weiß es noch nicht, ich überlege noch.“

Und da wundert man sich, dass Marine Le Pen supergute Umfrageergebnisse hat?! Sie sagt spöttisch, „ich muss nicht mal gut sein, die anderen sind so schlecht“. Leider hat sie Recht.

Voilà, ich wollte doch mal einen Zwischenbericht geben, auch wenn er so unbefriedigend ausfällt und Sie es in diversen deutschen Zeitungen auch nachlesen können oder vielleicht sogar getan haben. Aber Martin Oetting, auf dessen Blog Kaffee und Kapital ich neulich hingewiesen habe, hat wiederum mich verlinkt (merci!) und will, das sagt er zumindest, immer mal hier reinschauen, um zu wissen, was sie gerade so denken, die Frenchies. Da will ich ihn nicht enttäuschen und nur über schlecht gelierte Orangenmarmelade schreiben, nicht wahr. Obwohl dies kein dezidierter Politikblog ist und auch nicht werden wird. Es ist weiterhin ein „Anything goes“-Blog über mein Leben in Frankreich. Ich sage das auch deshalb, weil meine Besucherzahlen sich in den letzten Monaten, dank des mehrfachen Verlinkens durch Herrn Buddenbohm aber auch von anderen, buchstäblich verdoppelt haben, was ich natürlich unfassbar klasse finde, aber während ich früher wusste, für wen ich in etwa schreibe, für Eva und Marion und Jasmin nämlich und für noch ein paar andere Stammleserinnen, die ich jetzt nicht alle auflisten will, also, wir waren so ein kleiner Haufen netter Frauen, und ab und zu schaute auch mal ein Herr rein, nicht wahr, aber jetzt, jetzt weiß ich gar nicht, wer all die vielen tausend neuen LeserInnen so sind, und das ist ein bisschen fremd für mich. Ich kenne Sie nicht, Sie kennen mich nicht. Sie müssen mir jetzt nicht alle schreiben, um sich vorzustellen, nein, um Gottes Willen nur das nicht, ich habe eh schon viel zu viele Menschen, die mir jenseits der Kommentare schreiben, darüber freue ich mich auch immer sehr, aber vielleicht kann ich das zukünftig nicht mehr alles beantworten. Es wird doch ein bisschen viel. Muss ich sehen. Lesen tue ich natürlich alles, immer! Und ich freue mich aufrichtig, wenn Sie hier lesen, und wenn es Ihnen irgendwie zusagt, das eine oder das andere oder alles, dann bleiben Sie gern da, kommen Sie wieder, machen Sie das, wie Sie wollen, alles ganz ungezwungen hier.

Und wie Sie sehen, schreibe ich nachts, tags kommt man ja zu nichts.

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Und schon (22.02.2017 abends) kommt ein Nachtrag, alles dreht sich so schnell: 

Francois Bayrou sagte gerade, dass er nicht als Kandidat antreten werde, hingegen wird er sich, tatataaa mit Macron zusammentun! Ganz neue Variante.

 

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Nachmittags-Februar-Blau

blau und weiß

Terrasse am Meer

Strand

Schaum

Möwen

Möwen fliegen

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Nur der Pudding hört mein Seufzen

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Gut, die Überschrift trügt. In unserem Fall geht es noch immer um die bittere Orangenmarmelade. Geseufzt wird hier allerdings. Gibt es irgendeinen Blog, in dem so gnadenlos ehrlich alle missratenen Food-Ergebnisse preisgegeben werden? Denn vermutlich bin ich der einzige Mensch, dem die Konfitüre auch mit Gelierzucker nicht fest wird.

Ich komme mir ja zunehmend vor wie Julian Barnes in „Der Pedant in der Küche“, der sich verzweifelt fragt, wie groß ist bitteschön eine mittlere Zwiebel ?! All meine naive „Ich mach‘ einfach mal“-Kocherei wird nämlich immer verkrampfter. Ich habe zwar den erforderlichen Sucre de canne, blond (klingt zwar wie „blonder Zucker aus Cannes“ meint aber „heller Rohrzucker“ ) der besagten Marke (Beghin-Say) erstanden, damit begannen aber neue Schwierigkeiten: Nur 5 Minuten kochen lassen! steht auf der Packung. Keinesfalls länger. 7 Minuten für Früchte, die mit Wasser vollgesogen sind („gorgé d’eau“). An welche Früchte denken die Menschen aus der Gelierzuckerbranche da so? Mir will nichts einfallen. Meine Orangen liegen seit 24 Stunden in Wasser, ich denke, dass ist ziemlich „gorgé“ und entscheide mich für die 7 Minuten-Kochzeit. Achtung, nicht länger kochen, steht da und ganz klein: keine Zitronen verwenden. Wie jetzt? Zwischen meinen gewässerten und kleingeschnippelten Orangen schwimmen auch zwei ebenso kleingeschnittene Zitronen. Ich vermute, dass sich die den Zitronen eigene Säure mit der dem Gelierzucker hinzugefügten nicht verträgt. Vielleicht hebt sich zweimal Zitronensäure auch gegeneinander auf. Minus und Minus gibt Plus. Warum das so ist, habe ich zwar nie verstanden, nehme es aber hin. So wie ich die gesamte Mathematik unverstanden hingenommen habe. Ich kann nicht rechnen. Dyscalculie heißt diese Unfähigkeit auf Französisch. Egal, ich schweife ab. Das liegt nur daran, dass ich heute morgen schon um Vier Uhr aufgestanden bin, selbst für die Katze war es zu früh, sie blieb gähnend auf dem Sofa liegen, und ich mich schon den ganzen Tag wie ein Zombie fühle. Wo war ich? Die Zitronensäure. Genau. Erstes Problem: die Zitronen. Zweites Problem: die Kochzeit. Nur sieben Minuten statt der sonst üblichen 40, da sind meine Orangenschalen noch gar nicht richtig weichgekocht. Ich lese bei Micha nach. Die (hat natürlich ein anderes Rezept und) kocht im ersten Durchgang alles eine Stunde (in meinem Rezept 30 Minuten) „auf etwa die Hälfte ein“ und beim zweiten Kochen mit dem Zucker gibt sie „zehn bis 15 Minuten sprudelnd kochen“ an. Und: „Gelierprobe! Eventuell länger kochen“ schreibt sie. Wie denn jetzt? Der Gelierzuckerhersteller sagt ausdrücklich „nicht länger als sieben Minuten kochen“. Aber warum, erklären sie nicht. Weil sich das Pektin herauskocht? Weil die Marmelade dann in einen weiteren Aggregatszustand wechselt? Flüssig, fest, gasförmig? Oder weil sie vielleicht explodieren wird? Herrgottnochmal. Ich mache es also so wie Micha. Erster Tag: eine Stunde leise köcheln. Am nächsten Tag gebe ich den Zucker hinzu. Sucre de canne, blond. Blonder Zucker aus Cannes. Ich wiege sogar erstmals die „etwa auf die Hälfte“ eingekochte Masse ab, weil sie bei mir nur auf etwa Zwei Drittel eingekocht ist und ich ja die richtige Zuckermenge nehmen will (1:1). Ich nehme für 2,8 Kilo Früchte 2,5 Kilo blonden Zucker. Ist in etwas 1:1. Und koche wieder. Ab wann kocht es? Ab der ersten Bewegung im Topf? Ab dem ersten Blubberbläschen? Oder wenn’s richtig sprudelt? Es sprudelt und erstmals habe ich sogar Schaum, nein, nicht vor dem Mund, auf der Marmelade, den ich abschöpfe. Nach 7 Minuten sprudelndem Kochen mache ich die erste Gelierprobe. Nix is. Ich gebe noch drei Minuen hinzu. Gelierprobe negativ. Ich koche noch etwas weiter und tropfe ununterbrochen Marmelade auf Teller. Nur nicht den Moment verpassen. Wird sie fest? Ja? Nein. Am Topfrand geliert es immerhin. Am Kochlöffel auch. Reicht das schon? Vielleicht wird alles beim Abkühlen fest? Was passiert, wenn ich zu lange koche? Gelierprobe hin, Gelierprobe her, ich denke, es reicht und fülle die Marmelade in die sterilisierten Gläser und stelle diese auf den Kopf. Der Marmeladenschaum und ein Rest bleiben offen in zwei Gläsern stehen. So kann ich gleich die Konsistenz testen.

Heute morgen um Vier stecke ich erwartungsvoll den Löffel hinein. Und? Flüssig.

Ok, nicht ganz flüssig, aber auch nicht richtig geliert. Und: mild, aber zu süß. Viel zu süß. Liegt das am Zucker? Ich erinnere mich plötzlich an eine Szene aus dem Film Bella Martha, wo der Psychologe (August Zirner) versucht, eine bestimmte französische Tarte nachzukochen und Martha (Martina Gedeck), die mit dem gekosteten Ergebnis nicht zufrieden ist, fragt, „haben Sie auch bestimmt diesen Zucker genommen, den ich Ihnen genannt habe?“ Und er fragt, „wollen Sie sagen, Sie könnten schmecken, welchen Zucker ich genommen habe?“ Und sie antwortet, „nein, natürlich nicht. aber ich kann schmecken, welchen Zucker Sie NICHT genommen haben“. Das habe ich früher, als ich ausschließlich weißen Zuckerrübenzucker kannte, nicht verstanden. Aber jetzt verstehe ich das. Ich muss mal eine Zuckerverkostung machen. Es gibt (in Frankreich) so viele Varianten von Zucker!

Als erstes aber habe ich eine Bitterorangenmarmelade-Verkostung gemacht. Und eine Blindverkostung mit Monsieur. Dazu habe ich zusätzlich noch drei Gläser Marmelade der letzten Jahre geöffnet. Die mit Agar-Agar gelierte vom letzten Jahr war leider vergoren und flog weg. Die vom vorletzten Jahr ist superdunkel, weil ich sie zum Festwerden zweimal lange gekocht habe. Ein Glas von ichweißnichtwann aber ist perfekt. Hellorange, fest, geschmacklich gut. Nicht zu süß, nicht zu bitter. Das kommt auch bei der Blindverkostung mit Monsieur heraus. Ich konnte es also schonmal. Ganz ohne Gelierzucker und ohne Stress.

Die neueste Marmelade finden wir beide zu süß. Die vorletzte hat einen leicht angebrannten Geschmack, denn leider sind mir die Orangen beim ersten Kochen angehängt und dieser leicht verbrannte Geschmack bleibt. Essbar sind sie natürlich alle. Aber perfekt sind sie nicht. Zu flüssig die letzten. Das mag man ja ungern verschenken, denn eigentlich dient mir Marmelade, und vor allem die Orangenmarmelade, immer als kleines Mitbringsel. So macht man das hier. Aber vielleicht verschenke ich meine unperfekten Marmeladen an die Restos du Coeur. Oder ist das politisch unkorrekt? Sie sehen, ich bin total verunsichert. Und jetzt ist Schluss mit den Orangen.

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12 /12 im Februar 2017

Das frühe Aufstehen unter der Woche führt dazu, dass ich selbst am Wochenende früh wach werde. Von ganz alleine. In der Küche wartet noch das Geschirr auf Monsieurs Einsatz. Der schläft noch. Wir hatten Gäste gestern Abend. Es wurde spät.

sechs Uhr IMG_2017-02-12_20_39_36

Ich mache mir Kaffee und setze mich vor den PC und schreibe (am 5. Duval! Noch ist der 4. nicht erschienen, schon gehts weiter). Pepita, wie immer frühmorgens sehr verliebt, unterstützt mich.

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Gegen 10 gehe ich auf den Markt. Ich will Orangen und Zitronen kaufen: Orangenmarmelade 2. Versuch. Ich gehe auch in einen Bioladen, finde aber den von Micha angepriesenen Gelierzucker nicht und auch keinen anderen (Ascorbinsäure (Pektinfördernd) gibt es anscheinend in Frankreich nur als Lutsch-, Kau- oder wasserlösliche Tabletten. Daher will ich es diesmal mit Gelierzucker wagen). Ich kaufe im Bioladen immerhin ein paar Buchweizenwaffeln (kein Foto, dafür zwei vom Markt, es ist dort so schön!)

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Zurück, spült Monsieur die Berge von Geschirr qualitätsvoll von Hand und ich helfe ihm beim Abtrocknen. Danach gibts die Reste von gestern zum Mittagessen (Thunfischsteaks, Reis, Zitronentarte). Danach Sieste. Ich bin noch müde vom Vortag bzw. von der Vornacht. Eigentlich müsste man immer den Vortag auch erzählen: Nachts um halb Vier wache ich von beißendem Rauchgeruch auf und denke natürlich, das Haus brenne. Die Wohnung war voller Rauch. Panik. Es war aber nur der Nachbar von unten, der nachts, fragen Sie mich nicht warum, ein großes Stück Fleisch in einem Bräter schmurgeln ließ und dabei eingeschlafen ist. Das Haus hat auch heute noch immer diesen Brandgeruch im Treppenhaus. Die Sieste wird wegen der verkürzten Nacht daher heute etwas länger.

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Danach bin ich unternehmungslustig, es ist aber zu viel Wind, um Spazierenzugehen. Ich fahre in einen Nachbarort, um einen Film zu sehen, der hier noch nicht oder schon wieder nicht mehr läuft. Es ist ein Elend mit den Kinos in der Filmstadt. Lange Schlange vor der Kasse, aber „Jackie“ in der Originalfassung will so gut wie keiner sehen. Alle stehen für La La Land oder die 50 noch dunkleren Grauschleier an. Ich bekomme einen Platz, habe aber die ersten 5 Minuten verpasst. Dennoch: Natalie Portman spielt herzzerreißend. Habe ein neues (deutsches?) Wort gelernt: Biopic heißen die biographischen Filme neuerdings. Jackie, der Film, sei mehr als das, heißt es in den Kritiken, ich stimme zu.

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Als ich aus dem Kino komme, dieser Himmel! Großartig. Sehr viel Wind allerdings.

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Abends werden hier nochmal Orangen und Zitronen geschnippelt für die nächste Fuhre Marmelade.

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Nach dem Essen (Reste) freue ich mich auf „Comedian Harmonists“ im TV, aber ich habe mich im Sonntag geirrt, das gibt es erst nächste Woche. Wir sehen alternativ einen alten Jean Gabin Film (mit dem noch ganz jungen Lino Ventura!): „Le Rouge est mis“. („Die Nacht bricht an“, ist der deutsche Titel.) Endet blutig. Ich kannte ihn aber schon. Dann veröffentliche ich die Fotos hier, zunächst ohne Text. War schon zu müde.

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Voilà, so war mein Sonntag.

Und das ist 12 von 12 im Februar. Schon mehr als Zweihundert (!) andere, wie immer bei Frau Kännchen!

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Was schön war

Trotz trübem Wetter rausgehen und die Mandelblüte fotografieren.

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