Morgen ist ein guter Tag

Eigentlich sagte sie „tomorrow is a good day!“ und bat darum, den Mietvertrag am Donnerstag schon zu unterzeichnen und nicht erst am Wochenende. Nicht weil es der 11. war, sondern weil es ein Donnerstag war, so viel habe ich verstanden. Es kann auch sein, dass dieser Donnerstag noch andere bedeutsame Tugenden hatte, die ihn zu einem glücksverheißenden Tag in Sachen Mietvertrag oder Wohnungsübernahme machten. Sie strahlte und bedankte sich mehrfach, dass wir ihrem Wunsch nachgekommen sind. Jetzt müsse sie nur noch die Milch überkochen lassen, sagte sie zum Abschied, auch das bringe Glück in der neuen Wohnung. Ich war ehrlich gesagt nicht begeistert davon, dass nun gleich das nagelneue Induktionskochfeld mit übergekochter Milch verklebt sein würde, aber ich wollte dem Glück in der neuen Wohnung auch nicht im Wege stehen. Nicht alle Kulturen haben es mit Brot und Salz. Es war mir nicht ganz klar, warum überkochende Milch Glück bringt, ich versuche das in der Regel zu vermeiden, denn es ist ja kein unwahrscheinliches Unterfangen, dass Milch überkochen wird, wenn sie nur lang genug kocht. Ich meine, wäre es unsicher und gelänge es nur hin und wieder, würde ich verstehen, dass man der Milch gebannt zusieht und sich fragt: Wird sie es schaffen? Aber wenn sie auf jeden Fall überkocht, wo ist das Wunder? Das Glück?

Ich habe das mit der kochenden Milch im Internet gesucht, um es besser zu verstehen. Hier noch ein Link auf Facebook (Sie müssen dort ein bisschen nach unten scrollen, die Hauseinweihung fand am 3. September 2018 statt). Jetzt habe ich weniger Angst um das Induktionskochfeld, es wird nämlich ein kleines Feuer auf dem neuen Fußboden gemacht (hmhm, soso) und mit diesem Holzfeuerchen ist es vielleicht auch schwieriger die Milch zum Überkochen zu bringen. Überfluss, Fülle soll es bedeuten und im übertragenen Sinn Glück. Auf jeden Fall muss die übergekochte Milch dann noch in und um die Wohnung verstrichen werden. Das hatte sie uns nicht gesagt. Ich rieche schon die ranzige Milch, wenn ich daran denke. Mal sehen, was die Nachbarn dazu sagen. So schlimm wird es aber vermutlich nicht werden, vielleicht genügt ja auch ein symbolisches Tröpfchen am Türrahmen.

Der Plastikgarten konnte bei dieser Gelegenheit inspiziert werden, und die echte Natur schlägt sich tapfer, ich sehe es mit Zufriedenheit, aber ich habe meine Hand nicht im Spiel, ich schwöre!

Heute morgen war ich zum ersten Mal seit drei Monaten wieder in dem großen Supermarkt einkaufen. Ich ließ mich von einem Einkaufsgutschein ködern und hoffte außerdem, eine bestimmte Schokolade zu finden, die in den kleinen Supermärkten seit Wochen nicht vorrätig ist. Ich fuhr ganz früh, gleich zur Öffnung um halb Neun wollte ich da sein. Ich war dann doch nicht ganz pünktlich und es war um Neun Uhr schon ziemlich voll. Das bin ich so nicht mehr gewöhnt und ich war echt ein bisschen aufgeregt und gestresst. Für Sie ist es vielleicht nichts Besonderes mehr, aber vielleicht ist es noch interessant für die Urlauber, die ab Montag wohl wieder kommen dürfen. Es hat sich, zumindest in diesem Supermarkt (ein kleiner Hypermarché) nämlich viel geändert. Es gibt nun einen Aufzug, der nur nach oben fährt (von der tieferliegenden Garage) und einen anderen am anderen Ende des Ladens, mit dem man wieder nach unten kommt. Es dürfen immer nur zwei Einkaufswagen und möglichst auch nur ein Mensch pro Einkaufswagen, also insgesamt zwei Personen, in den Aufzug.

Man möge ohne Kinder kommen steht noch am Aufzug. Ich weiß noch nicht, ob ich das eher unfreundlich oder „vernünftig“ finde. Der geforderte Abstand ergibt sich fast zwangsläufig mit den überdimensionierten französischen Einkaufswägen, chariots heißen die übrigens.

Es gibt jetzt auch zwei Orte mit Einkaufswagen: dort, wo man die frischen, desinfizierten abstöpselt und dort, wo man die gebrauchten wieder parkt. Im Geschäft tragen alle Masken, nur nicht die Kassiererinnen, die aber jetzt hinter langen und hohen Plexiglaswänden sitzen. Im Laden haben sie die Zeit, in der ich nicht dort war, genutzt, um so gut wie alles anders anzuordnen. Der Käse und die Butter und die Milch und der Schinken sind woanders und ich finde nichts mehr, brauche länger, irre herum und auch das stresst mich. Alle sind gestresst scheint mir und alle wollen nur so schnell wie möglich wieder weg. Ich rege mich zum x-ten Mal darüber auf, dass die Nachfüllpackungen mit Waschmittel oder Flüssigseife und Duschgel teurer sind als das Original. Das immerhin ist wie immer. Die Schokolade, eigentlich eine Dessertschokolade, also eher nichts Feines, ist auch hier nicht vorrätig. Gähnende Leere bei der Dessertschokolade in allen Geschmacksrichtungen. Hamstern jetzt alle Dessertschokolade um Schokokuchen zu backen? Gibt es einen Einbruch bei der Kakaoversorgung?

Ich wollte auch gerne besonderen Saft kaufen, den ich nicht überall bekomme, aber auch da war die Auswahl heute begrenzt. Ich kaufte daher einen Smoothie. Ich mag die Marke trotz der Plastikflaschen gerne, nicht nur weil die Säfte lecker sind, sondern auch weil sie so drollige Texte auf die Flaschen schreiben. Kürzlich erzählte Herr Buddenbohm von seiner Lesesucht, ich kenne das so ähnlich von mir auch. Ich lese alles. Immer. Überall. Ich hatte mal einen schweizerischen Übersetzer-Freund, der bei COOP dafür verantwortlich war, die Aufschriften auf Lebensmitteln in drei Sprachen (italienisch, französisch und schweizerdeutsch) zu verfassen, und auch dafür, zu sorgen, dass sich alles inhaltlich glich und dass vor allem keine der Sprachen mehr Platz einnahm (schon schwierig genug). Wir waren einmal zusammen in Italien in Urlaub und er las begierig auf der Suche nach Inspiration die italienischen Aufschriften auf Butter und Joghurt und was weiß ich; ich erinnere mich noch an ein Sonderangebot mit Aufkleber: „prezzo con amore“, also wörtlich „Preis mit Liebe“ und er war total begeistert und gleichzeitig frustriert, weil diese italienische Art Sonderangebote anzubieten so schön sei, aber leider könne er das nicht nehmen, weil man das den Deutschschweizern nicht anbieten könne, die hätten keinen Sinn für „prezzo con amore“. An ihn muss ich immer denken, wenn ich die Texte auf den Saftflaschen lese: Bei den Inhaltstoffen steht, dass keine Gartenzwerge drin seien oder man bekommt ein Kompliment, dass man „genauso cool sei wie ein Katzenbaby, das sich als Einhorn verkleidet hat“ und am Ende findet man immer den dezenten Rat: mangez des brocolis.

Was ich übrigens nicht mehr kaufe ist Wasser, weder das gute stille Wasser aus den Vogesen noch das leicht prickelnde Mineralwasser für Monsieur, wir haben uns tatsächlich an das stille Leitungswasser gewöhnt. Reicht.

Auch wenn das System mit den getrennten Aufzügen, zumindest morgens zwischen Neun und Zehn, eher gut funktionierte, hat mich das Ambiente im Laden ziemlich gestresst und ich weiß nicht, ob ich da sobald wieder hin muss.

Gestern und heute hatten wir den „Enkel“ zum Essen, alles wird wieder normaler, wochenlang haben wir uns gemieden, nicht aus Antipathie, sicher nicht; er hat sich für das Essen revanchiert, indem er mir den Drucker wiederbelebt hat. Zumindest mit USB-Kabel kann ich jetzt wieder drucken. Ohne Kabel ist der Drucker verloren im Internet-Universum. Ich habe Tage damit verbracht und es nicht hingekriegt, und den Drucker dann vor ein paar Monaten resigniert ausgeschaltet; den Enkel hat es aber immerhin auch zwei Stunden und viel schnelles Getippe gekostet, es war also nicht nur ein doofer Klick, an den ich nicht gedacht hatte. Das tröstet mich etwas.

Heute hat es geregnet. Die ganzen letzten Tage regnet und stürmt es schon. Dazwischen scheint mal kurz die Sonne, aber kaum haben wir das Sonnensegel aufgespannt, schon hänge ich es ab, weil es sich mit Regen vollgesoffen hat und schwer wie ein Elefant über dem Tisch hängt. Ich sage es immer wieder, die Götter sind mit uns und passen auf, dass sich draußen nicht zu viele Leute tummeln. Der Gatte war heute in einer Regenpause trotzdem bei einem Flohmarkt (vergaß seine Maske, konnte aber vor Ort eine erstehen), fand aber zum ersten Mal in der Geschichte der Flohmarktbesuche nichts. Gar nichts. Ich mache ein Kreuz in den Kalender. „Morgen ist ein guter Tag“ passt auch zur Corona-Lage: Morgen Abend wird unser Präsident öffentlich das verkünden, was alle Spatzen schon von den Dächern pfeifen: Die Grenzen nach Frankreich werden ab Montag, den 15. Juni wieder offen sein. Für die Details verweise ich gerne wie gehabt auf Hilke Maunder und ihren Blog. Falls Sie Hilke für ihren Blog und ihre Arbeit dankeschön sagen wollen, käme es zur rechten Zeit, Hilke braucht nämlich unsere Unterstützung. Sie ist freie Journalistin und sämtliche Aufträge für dieses Jahr sind ihr weggebrochen.

In diesem Zusammenhang danke ich von Herzen Christin J., die mir als Dank für meinen Blog diesen feinen selbst produzierten Little Crab-Wermut zukommen ließ. Bitterer und trockener und interessanter im Geschmack als die italienischen Vermouts, die man im Allgemeinen so kennt. Ich werde ihn den Gästen mal mit Tonic und Rosmarin anbieten oder mit Champagner, Himbeeren und Rosenblättern …

Ich bin in dieser Woche meinem ersten Verschwörungstheoretiker begegnet. Ich will das, was er glaubt, gar nicht erzählen, aber ich war so ernüchtert, denn ich mag den Mann, der auch noch mein Osteopath mit den heilenden Händen ist, so gern. Vielleicht hat es deswegen diesmal nicht geklappt, denn ich habe immer noch Rückenschmerzen.

Nächsten Mittwoch gibt es ein ZDF-Auslandsjournal zur Lage in Südfrankreich und Italien – die Autorin wurde zur Lage in Cannes interviewt, ich weiß nicht, wieviele Sekunden es letztlich werden, aber falls Sie reinschauen wollen, nur zu – ich kann es live leider nicht sehen und kann hier auch erst den Link nach der Veröffentlichung reinsetzen. Die Journalisten erzählten übrigens, dass das Flugzeug bis auf den letzten Platz besetzt war. Nix Distanz. Und man braucht wohl eine chirurgische Maske, wenn man in den Urlaub fliegen will, die hübschen Stoffmasken werden nicht akzeptiert.

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Essen gehen

Ziemlich exakt vor drei Monaten waren wir das letzte Mal auswärts essen. Seit heute sind die Restaurants in Frankreich, zumindest in der überwiegenden „grünen“ Zone, wieder geöffnet. Dort, wo es noch „orange“ ist, in Paris etwa, darf man bislang auf den Terrassen konsumieren. Wir hatten einen Tisch im kleinen Lieblingsrestaurant reserviert, wir wollten das Restaurant unterstützen und uns etwas Gutes tun. Unterwegs nach Théoule sahen wir hier und da Menschen auf Terrassen an Tischchen sitzen, nicht so wahnsinnig viele, es wunderte mich, aber klar, es ist Dienstag. Die meisten Menschen arbeiten wieder, zumindest die, die Arbeit haben. Ich bin sicher, dass die Öffnung der Restaurants erst nach Pfingsten erfolgte, damit die Restaurants nicht sofort von den Pfingsturlaubern überrannt würden. Das kleine Restaurant in Théoule, in einer Seitenstraße und ohne Meerblick, hat auf der Terrasse an der Straße die Tische weit auseinandergezogen, durfte einen Lieferparkplatz vor dem Restaurant zusätzlich begrünen und dort Tische aufstellen, dadurch ist es richtig nett geworden. Wir waren drei Paare, zwei Paare draußen, ein Paar drinnen, nicht viel, aber ein Anfang. Sehr nette Atmosphäre, feines Essen, wie immer. Wir nahmen einen Apéro, dazu gab es geröstete Brotscheiben mit hausgemachter Tapenade. Als Hauptgang wählten wir Fisch (Barracuda und einen anderen, an dessen Namen ich mich schon nicht mehr erinnere), cremige Polenta und knackiges Gemüse. Als Dessert hatte ich karamellisierte Champagnerzabaione auf frischen Früchten, der Gatte aß Brioche perdu mit Aprikosensorbet. Es war leicht und köstlich!

ps: Und ich war gestern beim Friseur! Muss mich aber erst noch an das kurze, erblondete Haar gewöhnen ;-)

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Pfingsten in Zeiten von Corona

Die ersten richtigen Pfingstrosen auf dem Markt erstanden, es seien die letzten der Saison, sagte mir der Blumenzüchter. Ich habe heute den Markt in die andere Richtung begonnen (Parcour est und nicht ouest), weil ich die letzten Male kein Geld mehr übrig hatte, um Blumen zu kaufen. Wenn man in einer vorgeschriebenen Richtung an allen Händlern vorbeigeschleust wird, die einen in einer nie gekannten Freundlichkeit ansprechen, ich kann da schlecht „nein“ sagen. Also zumindest nicht bei meinem Käsehändler. Dort ließ ich die letzten Male einen Teil des Markt-Budgets und so reichte es nicht mehr für die Blumen. Heute gabs also keinen neuen Käse, wir müssen sowieso erstmal den anderen aufessen.

Sehr hübsche Auberginen habe ich auch erstanden. Ich hätte ein Foto vom Stand machen sollen, es gab auch ganz kleine und sogar weiße Auberginen, fast so niedlich wie kleine Katzen ;) Mal sehen, was wir damit machen, vielleicht werden sie auch nur schnöde auf den Grill geworfen. Wir werden grillen heute. Gestern früh waren wir schwimmen, haben dann das neue Segel über den Hof gespannt und dann sofort wieder abgehängt, weil es prompt zu regnen begann. Abends war es so frisch, dass wir beinahe die Heizung angeschaltet hätten. Im Moment sieht es aber wieder gut aus.

Ich bin ganz begeistert von dem We Are One Global Filmfestival. Schauen Sie rein, wenn Sie Zeit haben! Ich zeige Ihnen drei Filme, die ich gestern angesehen habe. Der indische Film ist nur bis heute Abend anzusehen, die anderen beiden vielleicht etwas längere Zeit. In dem spanischen Film geht es um die Zusammenarbeit eines Kochs im Baskenland mit einem Musiker. Der junge Koch macht außergewöhnliches Essen und der ebenso junge Musiker komponiert dazu Musik. Sehr abgefahren. Mir esstechnisch zu anstrengend, aber superschön anzusehen und anzuhören. Spanisch (Baskisch) mit englischem Untertitel allerdings.

Den Alltag in einer französischen Sterneküche zeigt etwas realistischer dieser Kurzfilm (Monsieurs Sohn weiß noch ähnliche Geschichten aus seiner Zeit in einer 5-Sterne-Hotelküche zu berichten) Zehn Minuten, ohne Untertitel, aber sicher auch so verständlich. Sie müssen bestätigen, dass Sie verstanden haben, dass dieser Film eventuell schockierend sein kann, weshalb ich Ihnen nur den Link dorthin gegeb kann. Cru oder Blut, Schweiß und Tränen.  (<– Anklicken, dann etwas nach unten scrollen, den Youtube Button drücken (rechts), dann auf der schwarzen Seite bestätigen, dass man bereit ist, einen „unangemessenen“ Film zu sehen und dann sollte es losgehen)

Der dritte Film spielt in New Dehli, wo die Affen in der Stadt überhand nehmen und deswegen mit professionellen Affenvertreibern verjagt werden sollen. Pech nur, wenn man Angst vor den Affen hat … ah ok, geht schon nicht mehr, Sie können den Film noch bis heute Abend sehen (er ist nur 24 Stunden nach der gestrigem Premiere freigeschaltet), ich versuche es mit diesem Link, Ansonsten ist es der erste Film des gestrigen Tages (30. Mai) auf der Liste. Weiß nicht, ob Sie das überhaupt interessiert. Ist nur ein Angebot, wie alles hier :-)

Sehr schön heute die Linksammlung bei Herrn Buddenbohm!  Dort ein Interview mit Reinhard Mey. Jemand berichtet von seinem Einrichtungsfimmel nach Farben (und dem Bedürfnis nach blauem Toilettenpapier) und in diesem Bericht dann ein fantastischer Link zu einer kleinen Filmserie einer Toilettenpapiersammlerin! Ich liebe so etwas!


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Neun Minuten Paris

Fernweh? Lust auf Paris? Ich nehm‘ Sie mit zu einem Konzert mit Blick über die Dächer von Paris. Ein Beitrag des We Are One Global Film Festivals auf Youtube! Enjoy!

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We are one – Filmfestival

Fast hätte ich es vergessen, ich verdanke die Erinnerung der Riviera Zeitung: Heute beginnt das erste Online Filmfestival. A Historic Film Festival Event heißt es. Unter dem Titel We are one findet man unzählige Filme bereitgestellt von den unterschiedlichsten internationalen Filmfestivals, es gibt ja nicht nur Cannes, auch wenn man das hier gerne mal glaubt, es gibt Filme aus Tokyo, Jerusalem, Prag, Locarno, Berlin, Mumbai, Macao, San Sebastian, Sarajewo  … über einen Zeitplan sieht man, ab wann die Filme jeweils zu sehen sind, allein heute gibt es etwa vierzig Filme, wenn ich richtig gezählt habe, man soll sie aber auch später noch anschauen können, und das alles gibts die nächsten zehn Tage (29. Mai bis 7. Juni) kostenfrei auf Youtube, sofern das System nicht zusammenbricht, sagen wir so. Es hat durchaus eine Weile gedauert bis ich diese drei absolut wundervollen kleinen Kurzfilme des Annecy-Kurzfilmfestivals geladen hatte. Kostenfrei sage ich, gedacht ist aber, dass dieses Filmfestival Spenden für die COVID-19 Hilfe einspielen möge, so gibt es unter jedem Film über einen Spenden-Button eine Möglichkeit Geld zu spenden.

Ich bin so entzückt! Aber Monsieur, alter Kinogänger, den ich dazu gerufen habe, brummelt unwirsch „das verdient eine große Leinwand“. Filme im Internet anzusehen kommt für ihn nicht infrage. Tant pis pour lui, sage ich. Pech für ihn. Er verpasst etwas. Aber es ist sicher eine Generationenfrage. Und sicher ist das alles auf einer großen Leinwand noch schöner, ich bin aber auch so begeistert. Toll! Falls Sie also die nächsten zehn Tage nichts vor haben … schauen Sie rein! Bon Festival! Bonne séance!

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La Liberté …

na gut, fast, aber für uns war es heute unverhofft ein Feiertag mit all den Freiheiten, die man uns ab Dienstag wieder zugesteht. Der Premierminister, dessen Bart stellenweise weiß geworden ist durch den Stress der letzten Wochen,  war selbst beinahe überrascht von allem, was er uns ankündigen durfte. Wir sind ab kommenden Dienstag in der zweiten, drei Wochen dauernden, Lockerungsphase, nur in Paris und auf der Insel Mayotte, die noch in der „orange-Phase“ sind, wird es noch nicht ganz so locker zugehen dürfen. Aber im Rest von Frankreich dürfen ab 2. Juni Restaurants, Bars und Cafés wieder öffnen! Mit Hygieneregeln und einer Höchstzahl an Gästen pro Tisch, und man darf nicht stehend an der Bar konsumieren. Discos, Clubs, Konzerthallen und Stadien bleiben voraussichtlich noch drei Wochen gesperrt, aber Theater, Museen können wieder öffnen (Masken sind obligatorisch), Parks und öffentliche Gärten, Seen und Strände dürfen wieder genutzt werden … wir dürfen ab Dienstag auch wieder weiter als 100 km fahren, und Sie dürfen voraussichtlich ab 15. Juni wieder einreisen. Campingplätze werden wieder geöffnet, Hotels können mit gewissen Auflagen auch wieder Gäste empfangen und der Weg zu ihrem Ferienhaus steht Ihnen auf jeden Fall wieder offen. Genauer und immer tagesaktuell können Sie die neuen Regeln wie gehabt bei Hilke Maunder lesen.

Schule beginnt auch wieder ganz vorsichtig, aber Examen fallen weg und der große Enkel jubelte, weil das Abi-Examen für Französisch ausfällt und er mit den sehr guten Noten der vergangenen Monate sein Französisch-Abi schon locker in der Tasche hat. Er macht das Abi erst nächstes Jahr, aber das Französisch-Examen wäre noch in diesem Schuljahr gewesen. Fragen Sie mich nicht, wie französische Schule funktioniert, ich habe es nie verstanden, die Stundenpläne wechselten ständig und waren in der geraden Woche so und in der ungeraden anders.

Wir hatten diese Woche überraschend unseren ersten Besuch seit … knapp drei Monaten! Ein Cousin von Monsieur und seine Frau haben den ersten erlaubten aber in Seemeilen sehr eingeschränkten Ausflug genutzt, um von Toulon bis nach Cannes zu segeln. Wir nahmen unseren Apéro auf dem Boot ein und aßen später bei uns im Innenhof. Kein Händeschütteln, keine Küsschen. Als ich vom Steg aufs Boot hüpfte und dazu eine Hand brauchte, konnte mir nur Monsieur seine Hand anbieten. Man sagt jetzt „pas de bises“ und macht ein bedauerndes Gesicht. Und zum Abschied, nach einem wirklich sehr netten Abend, da sagt man es nochmal bedauernder „pas de bises“. Eine ältere Dame, eine Freundin der Schwiegermutter, die wir diese Woche spontan ebenso besucht haben, führte uns sofort in den Garten und wir saßen dort weit auseinander zusammen. Sie machte zum Abschied einen Luftkuss, diese Geste, mit der man manchmal große Gruppen begrüßt: man führt seine Hand an die Lippen, küsst sie und schickt den Kuss davon. Das immerhin ist möglich.

Anfang der Woche waren wir an einem anderen Strand zum Schwimmen, der Strand lag in der Nähe der Autowerkstatt und wir warteten darauf, dass das Auto in der Werkstatt fertig würde. Der Strand hatte mich schon immer mal gereizt, mehrere kleine Buchten hintereinander, von der Straße aus sieht es dort immer sehr nett aus. Der Strand ist aus natürlichem Sand und er ist ganz weich unter den Füßen. Die Buchten sind kleine Badewannen, es geht lange ganz flach ins Wasser, es gibt kaum Wellen und die Buchten sind zusätzlich mit Steindämmen gegen das Meer „draußen“ geschützt. Außerdem riecht es dort etwas nach verwesenden Algen. Alles eher langweilig, aber sehr sicher für Kinder und Senioren, sagen wir so. Der Strand wurde brav überwiegend dynamisch genutzt: Senioren liefen mit einem Aqua-Sport-Coach durchs Wasser.

Monsieur und ich schwammen, später machte ich Fotos. Der Strand war noch sehr schmutzig, ich fand allerhand komische Dinge und unter anderem einen Backenzahn! Ich habe alles nur fotografiert, Monsieur hat aber unverzagt Müll gesammelt. Bravo!

Obwohl ich dort nicht mehr hin muss, fand ich es gut, einen anderen Strand zu entdecken mit anderen Menschen und anderen (noch geschlossenen) Strandrestaurants. Der Strand liegt auch gegenüber des Golfplatzes. Und dort habe ich auch diese üppig blühenden Kakteen entdeckt. Es hat etwas von „Stadt entdecken“, von „Reisen in der eigenen Stadt“. Ich will irgendwann nochmal einen Text zum „anders Reisen“ schreiben. Weiß nur leider nicht, ob ich dazukomme.

Am nächsten Tag (das Auto war nicht fertig geworden) erneut am Strand, diesmal an unserem, ich hatte nagelneue Schwimmflossen und verlor eine gleichmal bei der ersten eleganten Fußbewegung. Ich sah ihr nach, wie sie im klaren Wasser nach unten sank. Ich kann nicht tauchen und trug außerdem meine Brille. So kommt es also auch zu Plastikmüll im Meer. Manchmal fragt man sich das ja.

Die Kioske sind seit Montag wieder geöffnet und die Möwen und Tauben warten …

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Weil Sonntag ist …

… und weil ich Ihnen eigentlich noch den Artikel zu den bises, den Küsschen, schulde, schreibe ich dann noch einen Text. Auch wenn ich übrigens dieses Heft ganz nett zu lesen finde, muss ich meinem Unmut darüber Ausdruck verleihen, dass ich die elektronische Variante des Heftes nie erhalten habe. Zwei Euro neunundneunzig ins Medien-Nirwana geschickt. Ich hoffe, es ist gut fürs Karma. Das ist vermutlich die Steigerung der schlechten oder auch nur schlechtbezahlten Programmierer, wir programmieren einen elektronischen Abo-Account, der Geld einzieht und nichts liefert. Nein, ich habe keine Lust, mir diese zwei Euro neunundneunzig mittels eines langatmigen Briefwechsels zurückerstatten zu lassen. Sparen wir uns die Energie.

Der Text liefert eine kleine Kulturgeschichte des (Begrüßungs-)Küssens, aber schon gleich nach dem Judaskuss konzentrieren wir uns schnell auf Frankreich. Die Begrüßungs-Küsse waren, wie so viele kulturgeschichtliche Errungenschaften (Essen mit der Gabel z.B. vgl. etwa Norbert Elias Über den Prozess der Zivilisation), einstmals den Adligen vorbehalten und dienten der Abgrenzung zum einfachen Volk; erst im Laufe der Jahrhunderte wanderten die Küsse zu den niederen Schichten, weshalb sie dann im Umkehrschluss von den Adligen und der Bourgeoisie abgelehnt wurden. Sich auf der Straße drei oder viermal abzuschmatzen, wurde vulgär, machten nur noch die niederen Schichten und schlecht erzogenes Personal. Die distinguierten Herren hoben nun den Hut, die Damen neigten huldvoll den Kopf. Pas de bise. Ausgeschlossen. Genau wie das „bon appetit“ wünschen. Machte la Haute Societé irgendwann nicht mehr. Wie vulgär. Meine verstorbene Schwiegermutter zuckte immer zusammen, wenn ich bon appetit sagte. Diese kleine Deutsche ohne Kultur, wie schrecklich. Sie selbst wünschte nie bon appetit. Ein herzhaftes „piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb, guten Appetit“ auch noch mit fröhlichem Händeschütteln – undenkbar in (gewissen Kreisen in) Frankreich. Dass die Küsse wieder den Weg nach oben in die Gesellschaft geschafft haben, hängt wohl mit den 68ern zusammen. Ein revolutionärer Wind wehte durch die erstarrten Gesellschaftschichten und rüttelte die überkommenen Moralvorstellungen auf. Es  begann in den Gymnasien und an den Universitäten. Das lässige Jungsein wurde sympathisch und plötzlich küssten sich alle. Alle? Natürlich nicht. Die Schwiegermutter nahm alle Küsse, selbst die der Urenkel, entsprechend zurückhaltend entgegen. Und überhaupt bleibt es kompliziert mit den Küssen. Wann? Wieviele? Von welcher Seite beginnend? Wem? Kommt drauf an, sage ich nur. Sehr witzig zeigt es der englische Comedien Paul Taylor.

Zeitverschwendung sei es zudem auch, findet die eine oder andere französische Bürgermeisterin oder Chefin, die mitteilen lassen, dass sie fürderhin nicht mehr 422 Angestellten an 250 Tagen in x Jahren zur Begrüßung und zum Abschied je zwei bises geben wollen.

Die Autorin des Artikels fürchtet, dass es für die bises nach Corona nicht gut aussieht, es wird Befürworter geben, vor allem aber Gegner und Menschen, die lieber die asiatische Art sich zu begrüßen (Kopf neigen, Hände zusammenhalten) bevorzugen. Sie hofft allerdings, dass wir in Zukunft unser Gegenüber nicht nur noch als potentielle Gefahr einschätzen und dass die kusslose Distanz nur vorübergehend sei.

Für das deutsche Pendant, den Erhalt des Händedrucks spricht sich auch Jens Jessen aus. Ich konnte den Beitrag bedauerlicherweise nicht lesen, weil er sich hinter einer Paywall verbirgt. Ich wollte es aber dennoch zur Kenntnis gebracht haben.

Vor ein paar Tagen kam Un homme et und femme im Fernsehen. Ich hatte ihn tatsächlich noch nie gesehen. Ein sehr französischer Film.


Den Film kannte ich nicht, die Filmmusik aber wohl … dabadabada … dabadabada … dabadabada hier nochmal das Original.


Anders, vielleicht noch schöner, vor allem mit den Szenen aus dem Film, ist die jazzige Version.

Es gibt einen Nachfolgefilm, un homme et une femme zwanzig Jahre später, den ich auch noch nicht kenne. Das französische Kino hat doch immer noch Überraschungen für mich.  Ich habe aber nur diesen englischen Trailer gefunden

Claude Lelouch, der Filmemacher, war, als er diesen, seinen ersten, Film drehte, erst 26 Jahre alt. Sie hatten kaum Geld und haben bei vielen Szenen (die Bahnhofsszene am Ende) improvisiert. Hier ein Interview mit ihm in Cannes auf der Croisette während des Filmfestival 2016, fünfzig Jahre später. Er wollte immer positive Filme machen, auch wenn die negativen Filme bessere Kritiken bekommen, sagt er. Und, meine Güte, sage ich, was für ein distanzloses Gedrängel …

Da sagte er noch nicht, dass er noch einen dritten Film mit Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée drehen wollte. 2019, zweinundfünfzig Jahre später, lässt er beide sich noch einmal wiedersehen. Les plus belles annés d’une vie. Wie schön! Kenne ich auch noch nicht. Herrjeh! Hier Filmausschnitte und etwas „Making of“.

Schönen Sonntag! Bon dimanche!

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Autokino in Cannes

Wenn ich gedacht hatte, aufgrund des unübersichtlichen Reservierungssystems käme keiner zum Autokino, Ciné-Drive heißt das hier in bestem Französisch, so habe ich mich getäuscht. In nicht mal vier Stunden waren alle fünf Séancen ausverkauft. Und es wird eine weitere Woche Autokino geben, dieses Mal auf dem riesigen Parkplatz des Stadions Coubertin in Cannes La Bocca. Nicht so schön dort, aber mehr Platz. Denn die COVID-Regeln sehen vor, dass auch zwischen den Autos Sicherheitsabstand gehalten werden muss, so dass wir schachbrettartig geparkt werden und nicht sehr viele Autos Platz fanden. Monsieur hingegen, der übrigesn seinen Bart abrasiert hat und mir merkwürdig fremd vorkam, ich ging aber trotzdem mit ihm aus, er fand, es sei lächerlich ganz früh da zu sein, so dass wir, bis wir ankommen schon im hinteren Drittel stehen. Lustigerweise winkte uns vom Rücksitz des Autos neben uns eine Freundin zu. Coucou! Wir sind unter Cannois, die Autos sind auch alle eher unspektakulär und klein.

Der Platz wurd beschallt und da es weder Wind noch Wellen gab, hatten wir auch ohne Radioempfang im Auto gute Hörqualität. Ich hatte extra die Autoscheibe gewischt, so dass wir auch streifenfrei sehen. Ich weiß nicht, wie es für die Anwohner ist, die vermutlich den Film gut hören können, aber nicht sehen. So ist es ja immer, die Freude der einen ist das Ärgernis der anderen. Vermutlich ist bei dem niedrigen Eintrittpreis (6,50€/Person) kein wirkliches Geschäft mit dem Autokino zu machen. Aber es ist wie ein Aufatmen. Ein Zeichen. Es geht wieder was. Unter dem Hashtag #cannesrepart versucht Cannes langsam den Handel und die Außenaktivitäten wieder anzukurbeln: Der Bürgermeister hat eine Plakataktion gestartet, um den lokalen Handel zu unterstützen,

aber wir machen das ja sowieso, zumindest im Rahmen unserer Bedürfnisse und Möglichkeiten. Die Einkaufsstraße Rue d’Antibes ist vorübergehend zur Fußgängerzone erklärt worden, damit die Menschen sich beim Shoppen besser ausweichen können. Parken ist in der Innenstadt derzeit kostenlos. Shoppen ging ich hier aber schon früher nicht gerne und das muss jetzt für mich auch nicht sein. Wozu auch? Die Hochzeitsfeier, zu der wir im Juni eingeladen waren, wurde auf nächstes Jahr verschoben. Ich hoffe, dass die Läden trotzdem überleben.

Cannes versucht ebenso sich vorsichtig für den Tourismus zu öffnen. Die Betonung liegt auf vorsichtig, wir wenden uns an eine andere Zielgruppe und empfehlen andere Aktivitäten: „l’exotisme local“ steht im Mittelpunkt, das „andere“ Cannes, das ich ja schon immer propagiere, das langsame und provinzielle, wird in Zeiten der Not (wieder)entdeckt. Spazierengehen in der Croix des Gardes, Boules spielen auf der Place de l’Étang oder Paddeln mit dem Kanu auf die Inseln. Spricht sicher nicht mehr das Glanz und Glamour suchende Jetsetpublikum an und auch nicht das junge schicke Publikum, das gerne an luxuriösen und angesagten Orten feierte. Die, die sich auf das Cannes im Dornröschenschlaf einlassen wollen, bekommen in den Hotels vier Nächte für den Preis von drei.

Der Strand ist derzeit auch noch kein Ort zum Sehen und Gesehenwerden, noch ist alles „dynamisch“ und es wird von Politessen kontrolliert, dass man sich dort nicht zu statisch verhält. Zu dynamisch allerdings geht auch nicht, all die Strandvolleyballer dürfen den Ball noch nicht übers Netz pritschen oder schmettern. Wir sind üblicherweise nur sehr früh morgens am Strand, da sind insgesamt nur wenige Menschen dort, besser so. Wir sind wie gewünscht dynamisch, laufen im Wasser und … SCHWIMMEN! Hurrah!

Social Distancing Swim

Nur das Herumliegen auf dem Handtuch danach ist untersagt, es gibt auch derzeit noch kein Wasser, um sich abzuduschen oder die sandigen Füße abzuspülen, vermutlich, um den Aufenthalt etwas weniger komfortabel und dadurch kürzer zu gestalten. Die Restaurants und Kioske sind auch alle noch geschlossen. 

Zurück zum Autokino. Wir warten und sehen dem Sonnenuntergang zu. Aussteigen und Fotos machen darf man nicht. Es gibt auch kein Popcorn, kein Eis und auch keine Toiletten. Letzteres hatte mir am meisten Sorgen gemacht, aber alles ging gut!

Wir bekommen zunächst einen kurzen Vorfilm, der glamouröse Schnipsel aus den Filmfestivaljahren zeigt, so wars all die Jahre, seufz, dann begrüßt uns per Video der Filmemacher, der uns eine gute Séance wünscht. Und dann geht los. Der Film ist gut, Isabelle Huppert ist klasse in ihrer Rolle, in der sie sich mal amüsieren darf und es offensichtich auch tut, und nicht nur eine blasierte, kalte und distanzierte Frau geben muss.

Das Buch (ein Krimi, spielt im Pariser Drogenmilieu) ist gleichwohl komplexer, zynischer und gibt der Rolle der Polizei-Dolmetscherin (Isabelle Huppert) mehr Gewicht (und viele sprachliche Finessen) gefiel mir etwas besser. Aber der Film ist dennoch gut. Acht von Zehn gab ich. Sieben von Zehn Monsieur. Danach wurde als Zeichen des Beifalls gehupt und geblinkt und wir fuhren durch das nächtliche, ungewohnt stille, Cannes wieder zurück.

Hier ein Video der Stadt, den schönen Blick aus der Vogelperspektive hat man selbst natürlich nicht.

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Ans Meer

Da ist es schon wieder das Meer. Heute früh kurz nach Acht Uhr. Das Wasser war klar, nicht besonders kalt und plätscherte ganz entspannt und friedlich an den Strand. Wir waren wirklich, wirklich die meiste Zeit zu zweit alleine und liefen dynamisch aber gemütlich (Füße im Wasser) am Strand entlang. Später sah ich einen dynamischen Schwimmer, und als wir gingen (gegen 9 Uhr) tauchte diese sehr dynamische Spaziergängerin mit Hund auf. Als ich die verlassenen Strandrestaurants fotografierte, tauchte aus dem Nichts ein weniger dynamisch wirkender Herr auf, den ich zunächst für einen Strandrestaurantbesitzer hielt, aber er war wohl nur ein vorübergehender Strandrestaurantbesetzer.

Ich hatte den Hauptteil des Tages damit verbracht, etwas zum Reisen nach Südfrankreich zu schreiben (ein unvernünftiges Unterfangen, Prokrastination heißt das hübsche Wort dazu). Darf man? Kann man? Es gab gestern eine Diskussion in einer Facebook-Gruppe dazu. Die Franzosen wirken gerade nicht besonders einladend. „Bleibt zuhause!“ knurrt man den zukünftigen Urlaubern zu. Ok, aus Gründen, die wir nicht verstehen, wurde dieser wundervoll ausgewogene Text nicht abgespeichert und ich kann ihn nicht erneut erstellen. Nun, Sie werden ohne meine große Weisheit dazu weiterleben müssen. Die Quintessenz lautete: Kommen Sie, aber seien Sie respekt- und rücksichtsvoll, denn Frankreich kommt mir gerade vor wie ein kleiner Bruder, der von der Krise sehr zerzaust und gebeutelt wurde, viel mehr als der große Bruder Deutschland, und Ihr Bedürfnis, jetzt sofort und „endlich“ wieder bei ihm Ferien zu machen, kommt ihm vielleicht exotisch und unpassend vor. Aber … wir leben in einer touristischen Gegend, man lebt hier von den Urlaubern, wir werden Lösungen finden, wie wir das alles meistern können. Doch vielleicht brauchen wir noch einen Moment … aber in einem Monat kann noch viel passieren.

Und vielleicht müssen wir über das Reisen generell neu nachdenken? Genau darum ging es auch im letzten Podcast von Agnes trifft: Agnes trifft … auf Reisepläne. Wo können wir noch hingehen, wenn sogar der Tourismusverband Eifel sagt „kommt nicht!“ ?! Welche Alternativen gibt es, wenn wir „nirgends“ hinfahren können, sondern die Ferien in der Stadt verbringen „müssen“?! Sehr interessante Ansätze und sehr viele schöne Links zur Kulturgeschichte des Urlaubs und zum Wandern (nicht nur) rund um Köln. Das folgende Video stammt auch von dort.

Und: letzte Meldung: Michel Piccoli ist gestorben.

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Das Meer, das Kino und keine Küsse

Die allermeisten Strände sind seit gestern wieder zugänglich, hurrah, das wissen viele schon, aber ich will es der Vollständigkeit halber auch noch sagen. Immerhin leben wir in einer Stadt am Strand. Natürlich ist seit gestern schlechtes Wetter und auch die nächste Woche soll es wieder regnen, die Götter sind mit uns, könnte man meinen, sie passen darauf auf, dass wir nicht alle gleichzeitig draußen herumrennen. Die Betonung liegt auf Rennen, ja, denn Herumliegen, sich Sonnen, Picknicken, BBQ und Feten am Strand feiern ist nicht erlaubt. Jede Stadt regelt das déconfinement wie gehabt ein bisschen anders, das gilt auch für die Strände; in Cannes haben wir eine sogenannte plage dynamique, der Zugang ist zwischen 6 und 20 Uhr erlaubt, man darf alleine oder in Familien (nicht mehr als zehn Personen und immer mit Abstand zu anderen, plus Masken) spazierengehen, schwimmen oder (alleine) Wassersport machen (surfen, kiten, Stand-up Paddel etc), ebenso ist Angeln erlaubt. Was man jeweils alles darf oder nicht darf, darüber informieren zusätzlich Schilder an den Zugängen.

In Théoule, weil wir hier neulich über Théoule und die kleinen Buchten an der Pointe de l’Aiguille sprachen, ist der Strand zwar geöffnet, aber sind diese kleinen Buchten noch gesperrt. In der östlichen Ecke sind die Strände von Villefranche und St. Jean Cap Ferrat derzeit noch komplett gesperrt, und um Marseille herum ist auch alles noch im „roten Bereich“, sprich, nicht zugänglich. Ich gebe Ihnen mal diesen Link, in dem Artikel befindet sich eine Karte, die Sie vergrößern können, um zu sehen, ob „Ihr“ Strand schon zugänglich ist. Dann können Sie sich wenigstens schonmal hinträumen. Wir sind aber gar nicht am Strand, weil es nämlich, sagte ich es schon? REGNET!

Ok, ich gebe zu, ich habe das gestern schon geschrieben. Heute morgen war ich auf dem Markt und bin auch kurz am Strand gewesen. Aber wirklich nur kurz.

Ob sich meine Bereitschaft, am Strand Müll zu sammeln verändert, durchaus eine „dynamische“ Tätigkeit, muss ich abwarten. Diesen kleinen Plastikrechen habe ich schonmal nicht angefasst. :(

Und in Cannes haben wir jetzt auch ein vorübergehendes Drive-in Cinéma! Fünf Abende lang werden Filme auf einer Leinwand auf dem Parkplatz vom Palm Beach Casino ausgestrahlt.  Es gibt E.T. , Dr. Doolittle, ein Abenteuerfilm mit Harrison Ford und …. La Daronne! Sie erinnern sich, die Verfilmung des gleichnamigen Krimis (deutsch „Die Alte“)von Hannelore Cayre mit Isabelle Huppert! Und auch wenn die Wetteraussichten nicht genial sind, habe ich natürlich sofort zwei Tickets auf der super unübersichtlichen und bescheuert komplizierten Reservierungsseite gekauft! Vermutlich kommen sowieso nur ganz wenige Leute, weil niemand dieses Reservierungssystem versteht, für das man natürlich wieder ein neues Passwort braucht, das nicht zu lang und nicht zu kurz sein darf und Sonderzeichen beinhalten muss und trotzdem zurückgewiesen wird, weiß der Teufel warum, und dann tut man so, als reserviere man zwei Plätze im Saal 1 der Arcade-Kinos und lässt sich aber nicht irritieren, sondern reserviert sie trotzdem, und nachdem man einen weiteren Parcours durchlaufen hat, darf man die Plätze dann kaufen. Ich habe den „Schnellkauf“-Button geklickt, ich möchte nicht wissen, was ich noch alles hätte machen müssen, wenn ich ein Konto hätte anlegen wollen. Und wie dieses, für mich zumindest bewusst erlebte ERSTE Auto Kino-Happening werden wird, das erzähle ich Ihnen Ende der Woche NATÜRLICH auch.

Ein weitere Bestell-Herausforderung hatte ich gestern mit der numerisierten Ausgabe der vierzehntägig erscheinenden Zeitung Society. Ich wollte gern den Beitrag Requiem pour la bise also „Requiem für die französischen Küsschen“ lesen. Da geht nämlich eine französische Tradition verloren – hier wird nicht mit dem Ellenbogen gestupst und auch nicht mit den Füßen gefüßelt, hier beugt man sich vor und ins Leere. Kein Küsschen für den Opi. Kein Küsschen unter Freunden, kein Küsschen gar nicht. Hier wurde so viel geküsst! Zur Begrüßung und zum Abschied. Ständig. Ich habe Jahre gebraucht, um die Küsschengeberei zu lernen und sie so französisch charmant und lässig anzuwenden, und jetzt gehen die Bises hinter Masken und Berührungsängsten verloren. Und ich wollte den ersten Text dazu gerne lesen und erstand eine Ausgabe in elektronischer Form. Aber Pustekuchen, wenn Sie glauben, dass Sie sofort loslesen können, wenn die Bestell- und Zahlungsbestätigung in den Mailordner geflattert kommen. Da ist zwar ein hübsches Bildchen der Zeitung, tut sich aber nichts. „Unser Abo-Service kümmert sich“ steht lapidar darüber. Na, dann kümmer‘ dich mal. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich auch warten können, bis ich die Zeitung an einem Zeitungskiosk bekomme. Papier wäre mir eh lieber gewesen, aber ich wollte den Text gestern SOFORT lesen! Nix is. Keine Bises, kein Text. Frankreich eben.

So, ich habe das Heft bekommen! Den Text werde ich heute nachmittag lesen. Beim Überfliegen nur schonmal so viel: dass Frankreich, Italien und Spanien so stark von der COVID-Krise betroffen sind (waren), hängt vermutlich auch mit dem steten Küsschengeben zusammen. Die Seite combiendesbises.com, wo Sie nachschauen können, wieviele Bises man sich im Norden, Osten oder im Zentrum von Frankreich gibt, das ist nämlich durchaus unterschiedlich, also diese Seite wird demnächst sicher überflüssig. Combien des bises en France? Aucun! Wieviele Küsschen gibt man sich in Frankreich? Keines! 

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La Mer … et merci

Das kann ich Ihnen nicht vorenthalten. Ein Dankeskonzert des Bürgermeisters (und) der Stadt Cannes und des Orchestres de Cannes Provence Alpes-Côte d’Azur. Den Hinweis verdanke ich wiederum der Riviera-Zeit.

Die noch sehr neuen und vagen Hinweise zum Sommerurlaub in Frankreich, immer unter Vorbehalt, Sie wissen schon … wir danken dafür wie immer der superschnellen Hilke Maunder.

Und gerade bekam ich ein chouchou geschenkt! Von der kreativen Enkelin selbst gemacht! Großartig! Ein großer Dank! Ich werde wohl die Haare wachsen lassen müssen ;-) Bitte übersehen Sie die dunklen Ansätze. Der Friseurbesuch kommt sicher, aber noch warte ich ein bisschen.

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Einer geht noch …

Ich bin ziemlich stolz, dieses Bild gestern gemacht zu haben. Man sieht es (nicht meines, aber das Motiv) seit gestern Abend im Fernsehen und heute überall in der Presse, weil nämlich, ich hatte es leider komplett vergessen, es wurde mir erst bewusst, als ich gestern Abend Pierre Lescure, Präsident des Filmfestivals, mit schwarzem Anzug und Fliege in einer Sendung sah: Gestern wäre der Start des 73. Filmfestivals in Cannes gewesen! Alle Augen richteten sich gestern auf Cannes, normalerweise wäre auf diesen Stufen der rote Teppich gelegen und all das Trallala drumherum und jetzt eben hängt dort dieses Affiche, dass stattdessen in großen Lettern DANKE sagt: den Pflegekräften, allen, die das Alltagsleben aufrechterhalten haben und auch uns allen für unseren civisme, ich übersetze das mal mit „unserer Disziplin, mit der wir den staatsbürgerlichen Pflichten nachgekommen sind“. Ich fühle mich nun doch zuständig, als Cannes-Botschafterin, Sie wenigstens mit zwei Links zu versorgen. Auf der offiziellen Seite des Festivals finden Sie alles Wissenswerte, aber natürlich in Französisch (Sie können aber auch Englisch, Spanisch oder Chinesisch ganz oben rechts bei Sprache einstellen). Hier gäbe es Infos auf Deutsch zur Frage, wie es generell mit der Filmbranche und den Festivals weitergehen wird. Kein Roter Teppich in Cannes dieses Jahr, keine Stars, kein Glamour, aber man hat sich entschieden, wenigstens den Marché du Film, also die Business-Seite des Filmgeschäfts, stattfinden zu lassen – im Internet allerdings. Man hofft ein bisschen, dass wenigstens das 77. Filmfestival in Venedig im September stattfinden wird und Cannes dort in irgendeiner Form mitwirken kann. Zurück zu den Wurzeln, sozusagen. Das Filmfestival in Cannes wurde ja 1939 als Gegenfilmfestival zur Venezianischen Mostra im damals faschistischen Italien gegründet, konnte dann aber wegen des Kriegsbeginns nicht mehr stattfinden. Das erste Filmfestival in Cannes gab es dann erst 1946.

Das erste Filmplakat wurde vom Maler Jean-Gabriel Domergue entworfen. Domergue, ein Cousin von Toulouse-Lautrec, sagt von sich, er sei der Erfinder des französischen Pin-up’s. Sein Lieblingssujet war La Parisienne. Er malte alle Frauen mit einem etwas überlangen Hals, einer Wespentaille und einem sehr niedlichen Gesichtchen. Wirkt heute alles sehr gestrig, es gab Zeiten, da war es sehr schick sich von ihm malen zu lassen und die Damen standen Schlange, um ihm Modell zu stehen.

Kleiner Ausschnitt vom Festival Cannes 1946.

Und die zweite Neuigkeit: Frankreich und Deutschland haben sich wegen der Lockerung an den deutsch-französischen Grenzen angenähert. Ab Samstag soll es zumindest für Berufspendler einfacher werden, nur noch Stichprobenartige Kontrollen werden dann durchgeführt. Abhängig vom Infektionsgeschehen wird „ab Mitte Juni ein freier Reiseverkehr in Europa angestrebt“. Angestrebt, das heißt noch nichts, aber immerhin. Ausführlich nachzulesen bei der Tagesschau oder wie immer auf Hilke Maunders Seite Mein Frankreich.

à bientôt!

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12 von 12 im Mai 2020

Einen Beitrag kriegen Sie auf jeden Fall noch, heute sammeln sich auf dem Blog von der lieben Frau Kännchen die 12 von 12er.  Sie wissen schon, 12 Bilder vom 12. des Monats. Und weil ich lieb bin, kriegen Sie auch noch Text dazu.

So ein Wetter heute! Monsieur springt aus dem Bett, er freut sich, endlich etwas tun zu dürfen und bringt früh das Auto zum Ölwechsel. Er wollte auf das Auto warten und in der Zwischenzeit allerhand erledigen, setzte sich dann aber mit einem Buch auf eine Treppe am Meer und genoss die Wellen, die Sonne und das Draußen-Sein. Leider kein Foto. Zu mir sagte er: „Du solltest auch rausgehen, du sitzt zu viel am PC.“ Recht hat er. Außerdem soll es morgen schon wieder regnen.

Es ist komisch: ich überlege tatsächlich, welche Route ich wähle und was ich in einer Stunde machen könnte, dabei kann ich ja jetzt wieder rumlaufen, wo ich will und so lange ich will! Ich laufe aber da rum, wo ich sowieso immer rumlaufe, allerdings weniger gehetzt. Ich bin schon um kurz nach Acht unterwegs, die Stadt ist lauter geworden, hier und da höre ich noch empörtes Vogelgezwitscher, viele Autos, Busse, Lieferwagen, aber noch nicht so viele, wie es normalerweise um Acht Uhr morgens sind. Es zieht mich ans Meer.

Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer sind hier unterwegs, ein paar Autos. Eine Bar mit Tabac und Zeitungsverkauf hat wieder geöffnet. Sonst ist alles noch geschlossen. Die Kioske dürfen jetzt „to go“ verkaufen, sind so früh aber noch geschlossen. Lohnt sich vielleicht auch noch nicht. Am Hafen sind jetzt Männer auf den Yachten zu sehen und putzen das gestrige Gewitter weg, einer fährt gerade mit einem kleinen Schlauchboot raus. Ich will Pfützenfotos machen, meine neue Leidenschaft, und renne von Pfütze zu Pfütze, um zu sehen, was möglich ist.

Am Palais des Festivals haben sie gerade ein großes Banner aufgehängt. Ganz oben läuft noch ein Mann herum, der die Falten gerade ziehen soll.

Ich laufe über die Rue d’Antibes zurück. Die Läden bereiten sich auf Öffnung vor, überall stehen Kartons auf der Straße und man klebt Abstandssignale und Ein- und Ausgangspfeile.

Manche Schaufenster sind noch leer andere sind schon besser vorbereitet und begrüßen uns, und bieten uns Schnäppchen bis 60% Ermäßigung an. Es ist noch früh, hier macht nichts (außer den Apotheken) vor zehn Uhr auf. Aber es sind schon Passantinnen unterwegs, auch ein paar Autos.

Ich mache einen Schlenker zum Markt und sehe eine Frau mit Pfingstrosen im Arm. Ich MUSS SOFORT Pfingstrosen in Korallenfarbe kaufen! Sie sind nicht gefüllt, aber die Farbe ist so toll. Ich nehme für Monsieurs Tochter auch einen Strauß mit. Ich bin so glücklich! Die ersten Blumen seit zwei Monaten. Ich nehme auch noch Erdbeeren mit (sie sehen gut aus, sind aber voller Wasser, ich hätte es mir denken können) und klitzekleine frische Zucchini. Ich höre ein paar Sätze einer Unterhaltung.

Des miracles!

-…-

Pourquoi pas des miracles?!

Ouais.

Moi, je prie pour des miracles!


Übersetzung: Wunder! / -…-/ Warum denn kein(e) Wunder? / Jo. / Also ich bete für ein Wunder! 

Im Supermarkt an der Ecke kaufe ich Saft und Schokopudding, den ich anderswo nicht bekomme. Ich muss mich erst an die Abstandspunkte überall gewöhnen.

Um halb elf bin ich wieder zuhause. Monsieur ist noch nicht zurück. Die Blumen kommen in die Vase und ich bereite eine Zucchinitarte zu.


Monsieur kommt und ist erfüllt von seinem Ausflug ans Meer. Er hat auch Fleisch „chez l’arabe“ wie man hier sagt, in einer arabischen Metzgerei, gekauft. Ich packe das Fleisch aus, das Einwickelpapier hat eine Aufschrift und ein Design in „bleu-blanc-rouge“. In der Tat, sagt Monsieur, als ich ihn darauf hinweise, es waren nicht mehr diesselben Männer in der Metzgerei. Auch der Mann an der Kasse war ein anderer. Das Fleischangebot und die Preise aber waren dieselben.

Die Tarte ist fertig. Wir essen. Die Tarte ist nur die Vorspeise, das denken Sie sich. Danach gibts ein Entrecôte und nouilles, als Nachtisch die Erdbeeren mit Zucker und Sauerrahm.

Monsieur siestet schon, ich beantworte noch eine lange Mail (ebenso lang), sieste dann auch. Kein Foto davon. Später beantworte ich Ihre Kommentare und wähle die Fotos für „12 von 12“ aus und schreibe hier.

So viel für heute. Vielleicht gibts die anderen Pfützenfotos morgen. Oder an einem anderen Tag. Schönen Abend! Danke fürs Schauen und Lesen! à bientôt!

Und eine Zugabe: Gestern, als ich Peter Fox wieder entdeckte, hörte ich auch wieder „Haus am See“ und ich wollte schon immer gesagt haben, dass der Satz „Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg“ völlig herbeiphantasiert ist. Orangenbäume verlieren nicht ein Blatt im Laufe ihrer Jahre. Alles liegt hier auf dem Weg, vor allem ganzjährig viele Blätter des Pittosporum, eigentlich ein Zierbusch, der bei uns ein ausgewachsener Baum geworden ist, aber nicht ein Orangenbaumblatt, ich muss es wissen, wir hatten mal drei Orangenbäume, jetzt nur noch einen. Kein Blatt fällt. Das nimmt dem Lied natürlich trotzdem nichts. Ich weiß noch genau, wann ich Peter Fox entdeckt habe, im Winter 2009/2010. Eine junge Redakteurin, die mir zu meinem ersten bezahlten Schreibjob verholfen hat, hat mir von ihm erzählt oder ein Video geschickt, so genau weiß ich das nicht mehr. Aber ich war sofort total angefixt. In meinem südfranzösischen Bergdorf mitten im Winter hörte ich wieder Berliner Großstadttöne, nachdem ich monatelang überhaupt gar nichts gehört hatte. Es ging einfach nicht.

Die anderen 12 von 12er gibts wie immer bei Frau Kännchen. Viel Spaß!

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Corona Tagebuch – Jour J

Le Jour J oder D-Day – meint DER Tag oder auch der Tag X. Unser erster „freier“ Tag nach der Ausgangssperre.

Um 5.01 Uhr fuhr das erste Auto vorbei. Gerade so, wie während der nächtlichen Ausgangssperre. Ich war schon wach, das ist ungewöhnlich. Lag im Bett und konnte nicht mehr einschlafen, so als wollte ich den Wiedereinstieg dokumentieren. Lauschte dem Regen, denn es regnet, gestern Abend schüttete es, das Wasser rauschte wie eine Wand runter, laut und dicht. Heute früh regnet es wieder normaler, der Wind weht die Tropfen an die Fensterscheibe. Ich stehe auf, trinke ein Glas Wasser, füttere die Katze, mache mir eine Wärmflasche für den Rücken, setze mich an den Esstisch und zähle die Autos. Es werden mehr. Die Katze auf den Knien schnurrt. Ich danke Ihnen allen für Ihre Glückwünsche zum Buch, und dass Sie das tägliche Lesen im Blog schätzen und dort gerne weiterhin jeden Tag etwas Neues lesen wollen, schmeichelt mir ungemein, aber ich bin nicht sicher, ob ich das in dieser Art und Weise durchhalten kann. Sie möchten ja was Nettes lesen, so wie die ganze Zeit. Wenn ich aber arbeitend schreibe, wird es nüchtern, ich konzentriere mich auf Dinge, die ich Ihnen nicht erzählen kann. Und meine Lust, im Internet herumzulesen und Amüsantes zu suchen, geht in der Regel auch gegen Null.

Es schüttet wieder. Noch ist es total dunkel, nur die kalte weiße Straßenbeleuchtung vor dem Fenster wirft Licht. Die anderen Lampen sind Orange, warum die hier vor dem Fenster ausgrechnet so kalt und weiß sein muss, frage ich mich.

5.38 Uhr Die Autos werden mehr und mehr. Die Müllabfuhr ist schon durch. Monsieur schleicht sich aus dem Schlafzimmer, um mich nicht zu wecken und starrt mich überrascht an, weil ich schon da bin. Die Katze maunzt jetzt ihn an. FUTTER! Monsieur macht sich an den Abwasch. Es schüttet wieder, uiii.

Es donnert. Mamertus, der erste „Eisheilige“, war übrigens Franzose, wenn man nach heutigen Länderzuordnungen gehen würde.
Zeitlich vor den Eisheiligen, den Sainte-Glaces, noch im April, gibt es sogar noch die Cavaliers du Froid, die Ritter der Kälte. Gefunden in Hilke Maunders Artikel zum Wetter in Frankreich.

6.08 Uhr das Straßenlicht ist ausgegangen, hell ist es noch nicht. Dunkelblau. Schwarz zu Blau fällt mir ein. Schon zehn Jahr alt. Der Regen rauscht wieder. Die Autos auch, aber ich sehe sie nicht. Die Fensterscheibe ist nass vom Regen.

In einem Kommentar zu diesem Video heißt es, dass die Texte von Peter Fox im Französischunterricht eingesetzt würden. Ich habe gerade (mit Erstaunen) über P. F. gelesen, dass er eine französische (baskische) Mutter hat und selbst eigentlich Pierre Baigorry heißt (obwohl das auch schon ein Künstlername zu sein scheint); außerdem war er auf einer französischen Schule in Berlin. Ich erinnere mich, dass meine Freundin Tine, als sie Assistant Teacher in London war, damals die Texte von Ideal für den Englischunterricht eingesetzt hat. Kriegen Sie jetzt beides. Zweimal Musik aus Berlin. Dazwischen liegen nur etwa 30 Jahre.


Die Achtziger. Zwischen Muttis Mikrowelle und Punk. Hier was zu Annette (und Inga) Humpe, nur falls Sie gerade so einen Nostalgieflash bekommen.

6.58 Uhr. Plötzlich ist es hell. Zumindest hellgrau. Es regnet. Autos fahren. (Noch) nicht so viele wie früher, aber doch deutlich mehr als die letzten Wochen.

Peter Fox hat übrigens eine halbseitige Gesichtslähmung, die er einer nicht rechtzeitig erkannten Viruserkrankung verdankt. Wir sind immer noch im Thema. Es ist alles noch nicht vorbei, auch wenn ich das so ein bisschen Aufatem-mäßig heute so empfinde. Immer noch diese Masken. Die wird hier im Sommer kein Mensch tragen, es ist viel zu heiß dafür und sie werden in Sekunden durchgeschwitzt sein. Es sei denn irgendjemand erfindet einen kühlenden Stoff.

Wir sind noch im Thema. Und doch müssen wir wieder normaler werden, sagt (übrigens nicht nur) Herr Bonelli. Aber er ist natürlich auch jung und gesund und in Österreich ist die Lage auch schon lange entspannter.

Das hatte ich heute schon sehr früh geschrieben. Dann nochmal einen Kaffee. Mails losgeschickt und beantwortet. Überlegt, nachgedacht, ein Dokument angelegt. Spät geduscht. Monsieur ging um zehn Uhr, während einer kurzen Regenpause, Brot holen. Er habe nicht mehr Menschen gesehen als sonst auch, sagt er. Nur die Autos sind alle wieder da. Es gibt hin und wieder noch Lücken, der Verkehr ist noch nicht ganz so dicht, aber keine Rede mehr davon, sich in die Mitte der Straße zu stellen, um zu fotografieren. Es gibt ebenfalls ein paar Lücken im Regen. Aber insgesamt war/ist es ein sehr nasser Tag.

Zum Mittagessen gibts Spaghetti Bolognese. Die Katze hat den geriebenen Parmesan aufgefressen, kriegt geschimpft und kein Mittags-Fressi und klagt nicht mal das 17 Uhr Fressi ein, so satt ist sie oder vielleicht schämt sie sich auch. Während der Sieste ruhe ich nicht nur, sondern schlafe, 5 Uhr Aufstehen entspricht nicht so meinem Bio-Rhythmus. Nachmittags telefoniert: einen Arzttermin (Monsieur) ausgemacht, morgen früh bekommt das Auto einen Ölwechsel. Eine Besichtigung für Mitte Juni organisiert (vorher ist es nicht erlaubt), Literatur gesucht, rumgelesen. Jetzt koche ich Milchreis fürs Abendessen.

Keine Ahnung wie es heute in der Stadt aussah. Ich war genauso drinnen, wie die letzten acht Wochen auch. Trotz all der neuen Liberté

ps: gerade hat mich Croco verlinkt (dankeschön!) und nennt mich in einem Atemzug mit den wirklich Disziplinierten, den Jeden-Tag-BloggerInnen, das ehrt mich, aber so jeden Tag, das ist glaube ich nicht wirklich meins – also zumindest nicht, wenn ich auch etwas anderes (zum Geldverdienen) schreiben möchte. Obwohl ich, genau wie Croco auch, erstaunt war, wie mir in den vergangenen sechzig Tagen jeden Tag aufs Neue die Themen und die Inspiration zugeflogen sind. Nun, schauen wir mal.

Morgen nochmal. Versprochen. Liebe Gedanken an alle Kranken!


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Corona Tagebuch – J-1

55. Letzter Tag der Ausgangssperre. Es ist windig, kühl und grau. Es gab andernorts schon heftige Gewitter und nach der Sorge um Corona haben wir jetzt schon wieder Sorge wegen Überschwemmungen, und sind wir mit Corona gerade erst in der grünen Zone angekommen, so sind wir gewittermäßig schon wieder in der Gefahrenzone Orange. Ganz offensichtlich bereiten wir uns nicht nur auf die Lockerung sondern auch auf die Eisheiligen vor: Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss oder Die kalte Sophie macht alles hie, heißt es in einer langen Liste der Wetterregeln zu den Eisheiligen. Das wissen Sie alles. 

Gerade bekamen wir einen automatisierten Anruf der Mairie in dem uns lange das Prozedere der Lockerung erklärt wurde. Masken überall übrigens. Zumindest für uns Senioren.

In der Zwischenzeit haben wir nicht nur gegessen, sondern es regnet auch. Ich hatte im Tiefkühlfach noch ein Magret de Canard entdeckt, dazu gibt es Kartoffelbrei und Pois mange-tout, „Alles-Ess-Erbsen“, oder Zuckerschoten. Zum Nachtisch mache ich aus einem Rest Teig, zwei Äpfeln und Zucker meine allererste Tarte Tatin, Frau braucht ja Herausforderungen. Eine Tarte Tatin, wissen Sie vielleicht, wird umgekehrt gebacken und am Ende gestürzt. Eigentlich hat es aber wohl mal mit einem Unfall begonnen, die Apfeltarte soll der Demoiselle Tatin nämlich aus der Hand gefallen sein und sie habe die Äpfel zurück in die Form geworfen und einen neuen Teigboden darübergelegt. Jetzt ist es also an uns, diesen Umstand kompliziert wieder herbeizuführen. Ich mag Tarte Tatin sehr gerne, gemacht habe ich sie aber noch nie. Ich folge dem Rezept von Aurelie. Es wird geschmacklich gar köstlich, optisch eher weniger und der Karamell wird bedauerlicherweise teilweise zu fest und teilweise zu flüssig, so dass ich jetzt hier ein faustgroßes hartes Salzkaramellbonbon übrig habe, der Tarteboden ist vom restlichen zu flüssigen Karamell durchtränkt. Sehr lecker trotzdem, lauwarm am besten. Monsieur nahm nichtmal Schlagsahne, er meinte, es sei eine Sünde, diesen Geschmack mit etwas zu überdecken. Ich nehme das als Kompliment.

Auf Facebook ging neulich ein lustiges Video rund (Danke an Christianne M.) in dem die französische Aussprache auf die Schippe genommen wurde. Leider kann ich es nicht hierherkopieren. Aber ich gebe Ihnen eine Kostprobe: Der englische (zugegeben sinnfreie) Satz : dein Onkel mäht deinen Thunfisch heißt auf Französisch: ton tonton tond ton thon. Klingt etwa so: „tontontontontonton“ :D Ich dachte nur daran, weil ich auf der Suche nach einer besseren Anleitung für die Cremigkeit des Karamells auf einen jungen (deutschen) Mann gestoßen bin, der die Tarte Tatin „tatatäh“ aussprach. Aber die Tarte wird Tarrrte ausgesprochen, mit einem Rachenlaut-R, das so ein bisschen wie „ach“ klingt, so ähnlich wie der Kölner das R spricht übrigens. Kölner können Tarte vermutlich perfekt aussprechen. Tatin muss dann so ein bisschen genäselt werden „tahtäähn“. Ein anderes Rezept, das ich beim nächsten Mal ausprobieren werde (vor allem, weil dort das Problem des suppigen Karamells erklärt wird) habe ich bei graindesel gefunden.

Jetzt aber zu etwas komplett anderem. Ich weiß es schon seit Freitag, aber ich fand, es ist eine Sonntagsmeldung und habe deshalb bis heute gewartet. Trommelwirbel, tatatataaa we proudly present:

Von hier bis ans Meer! Das neue Buch! Auslieferung am 20. August! Ist das nicht toll?! Ich freu‘ mich so! Es ist wirklich schön geworden! UND, da es die Fortsetzung von Zwischen Boule und Bettenmachen ist, wird das Büchlein, das kurze Zeit vergriffen war, in einem neuen Kleid und unter dem Autorinnennamen auch wieder erscheinen. Ist das nicht alles ganz wundervoll?! Hier ein Auszug aus der Verlagsvorschau.

Und wenn Sie in der neuen Taschenbuchvorschau richtig blättern wollen, bitteschön!

Mit dem vermutlich letzten Quarantäne-Chor lasse ich Sie. We have been her for the longest time. Byebye 55 Tage Quarantäne!

Der Sonntag ist schon fortgeschritten, und ich hoffe, Sie konnten ihn genießen. Wir wünschen einen gesunden Start in eine neue, freiere Woche. Möge sie auch schmerzfreier werden für den einen oder die andere. Wir denken an alle, die, die uns verlassen haben, an die, die krank sind und Schmerzen haben, und an die, die diese Woche operiert werden! Und alle alle: Seien Sie drinnen und draußen behütet (und bemaskt ;) ) und Prenez soin de vous!

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Corona Tagebuch – J-2

Die Überschrift wird sich auch verändern. Seit ein paar Tagen wird in der Zeitung schon rückwärts gezählt, heute ist J-2, meint le Jour, DER Tag (der Corona-Befreiung) minus Zwei. Noch zweimal schlafen also. Heute ist der 54. Tag der Ausgangssperre. Ab Montag wird wieder so vieles möglich sein, rausgehen so lange man will und ohne Ausgangsschein!, man darf sich in einem Umkreis von 100 km bewegen, hundert anstatt einem! Mon Dieu, die Welt steht einem offen! Sogar nachts! Die nächtliche Ausgangsperre fällt dann auch weg. Die Parks werden wieder geöffnet, ich werde wieder durch La Croix des Gardes laufen und man wird sogar wieder auf die Iles des Lérins fahren können. In Nizza wird die Promenade des Anglais wieder freigegeben. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Strände und das Meer wieder zugänglich werden. Und: man wird sogar wieder Boule spielen können! Mit Masken und Sicherheitsabstand, aber hallo, welche Freiheit, endlich! Sogar die Einkaufszentren machen wieder auf. Mein Güte. So ganz klar ist nicht, wo überall man Maske tragen soll, der Bürgermeister von Nizza will sie überall verpflichtend machen, ansonsten gelten sie in den öffentlichen Verkehrsmitteln und an öffentlichen Plätzen. Besser man hat eine dabei und trägt sie im Zweifelsfall.

Damit es aber nicht in einer wilden Ausgangsschlacht endet, hat sich der Wettergott schnell etwas einfallen lassen: es ist heute schon ganz trüb (gewesen) und regnet bereits; am Montag wird es gleichmal den ganzen Tag regnen. Der Rest der kommenden Woche ist es je nach konsultiertem Wetterdienst komplett verregnet oder es regnet nur jeden zweiten Tag. Das wird das neue, freie Rausgehen sicher etwas bremsen. Vielleicht ganz gut so.

Die offiziellen Ehrungen für die Toten und das Gedenken an das Kriegsende sind gestern sehr minimalistisch ausgefallen. Nicht mal die Héros de la Résistance bekamen ihr übliches Blumengesteck. Und im privaten Bereich habe ich auch nur ein einziges Fähnchen an einem Fenster gesehen.

Die Zeit, in der diese Katze (im Bild nicht meine) so gemütlich über die Straße laufen konnte, ist dann auch wieder vorbei. Und nochmal, all die Haifische, Delphine und anderen Tiere, die sich „ihren Lebensraum wieder genommen haben“, und die angeblich durch die südfranzösischen Häfen und im seichten Wasser direkt am Strand in Villefranche geschwommen sind, schwammen nicht hier. Die Delphine tummelten sich in der Türkei und der Hai schwamm in Süditalien. Nur die Ameisen erobern sich ihren Lebensraum und ziehen, wie jedes Jahr im Frühjahr, durch unsere Küche. Vermutlich wurde das Haus vor 150 Jahren in einem Ameisenbiotop gebaut. Egal, Ameisen sind im wahrsten Sinn ein vorübergehendes Problem.

Die schlechte Nachricht des Tages: Monsieurs Sohn hat seinen Job verloren. 50% der Angestellten einer Informatik-Zulieferfirma für Airbus wurden entlassen. Er auch. Die halbwegs gute: Monsieurs Ex-Gattin und ihr Lebensgefährte, die sich seit Wochen die Seele aus dem Leib husten, hatten nicht COVID19 sondern la coqueluche. Keuchusten.

Ich habe heute Nachmittag dank Ihrer Hinweise (danke dafür) eine Dokumentation zu den Kindern von Windermere angesehen, der richtige Film ist in Frankreich nicht abrufbar, aber die Doku fand ich auch schon eindrücklich. Ich bin immer nur erstaunt, wie wenige Menschen den letzten Überlebenden überhaupt zuhören wollen. Einmal wohnte ich einer Lesung von Ruth Klüger bei, man musste sich anmelden, weil es in einer jüdischen Gemeinde stattfand mit Sicherheitsschleuse undsoweiter, ich weiß ehrlich gesagt gerade nicht mehr, ob es in Wien oder in München war, aber ich meldete mich sehr kurzfristig an und fragte besorgt „gibt es noch Plätze?“. „Jaja“, beruhigte man mich. Wir waren dann höchstens zwanzig Personen in einem großen leeren Saal. Ich wollte es gar nicht glauben, dass diese Lesung und dieses Thema, das mich so beschäftigt und interessiert, letzten Endes so wenige Menschen einer Großstadt anzieht.

Gestern Abend sahen wir Jenseits von Afrika in der französischen Version. Eigenartig, diesen Film, dessen Dialoge ich, in Deutsch zumindest, teilweise mitsprechen kann, mit fremden Stimmen und fremden Sätzen anzusehen und zu hören. Ich hatte stellenweise das Gefühl, einen anderen Film zu sehen. Rosenlippenmädchen, leichtfüßige Jungs, Sie wissen schon, der Trinkspruch im englischen Club wurde zu à la robe de pourpre, à la folle jeunesse. Weiß jemand, was sie auf Englisch sagt? 


Auf der Suche danach bin ich gerade über das echte spannende Leben von Tania Blixen gestoßen und auf das dänische Museum, es gäbe auch eines in Nairobi. Ihr Buch hingegen habe ich zwar mal besessen, aber nie gelesen. Babettes Fest, auch eine Erzählung von Tania Blixen, kennen Sie sicher? Da gehts ums Essen … aber leider ist im deutschen Trailer davon nichts zu sehen, weshalb ich ihn hier nicht verlinke, aber damit kann ich spielerisch überleiten zum Podcast Agnes trifft … da geht es nämlich auch ums Essen: Peter Otten erinnert sich voller Liebe an den Gemüsegarten seiner Kindheit, das Ritual der Stangenbohnen und an Fritten … Ich habe das gestern gegen Mitternacht gehört und hatte danach wieder Hunger ;-) Und jetzt mache ich endlich Abendessen! Bonne soirée und bis morgen!

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Corona Tagebuch – Tag 53

Der 8. Mai also. Ein Feiertag. Oder ein Gedenktag? Gestern hatte ich noch einen kurzen Austausch auf Facebook zur Frage des „Feierns“ dieses Feiertags. Ich bin ja doch weit weg von so vielem und kriege vieles auch nicht mit. Ich habe mich schon gefragt, ob man den 8. Mai wirklich „feiern“ darf, also mit Tanz und Musik und Freude, angesichts all der Gräuel, angesichts all dessen, was in den KZ’s geschehen ist, angesichts all der Toten, all der Gewalt. Sollte man diesen Tag nicht eher still und ernst gedenken, gerade wir Deutschen?! Und wenn jemand sagt, dass sich das Ende des Krieges zum 75. Mal jähre, sei „kein Grund zu feiern“, dann bin ich geneigt zuzustimmen. Aber natürlich, weil ich denke, ich tanze jetzt nicht auf dem Tisch vor lauter Freude. Aber dennoch „gedenke“ ich diesem Tag und bin voller Erleichterung, dass dieser Krieg „so“ und überhaupt zu Ende gegangen ist. Ich verstehe das durchaus als eine Befreiung von der Politik, Diktatur und der Ideologie des Nationalsozialismus. Wer in Deutschland welches Wort und welche Begrifflichkeit wie benutzt, scheint mir aus der Ferne gerade etwas undurchsichtig. Ich glaube verstanden zu haben, dass die, die sagen „es sei kein Grund zu feiern“, das sind auch die, die meinen, dieser Krieg und seine Grausamkeiten seien ein „Fliegenschiss“ in der großartigen Geschichte Deutschlands gewesen. In dieser Ecke sehe ich mich nicht. Das nur zur Klarstellung.

Ich danke Ihnen für die gestrigen Kommentare zum Thema 8. Mai und Feiertag; sehr herzlichen Dank N. Aunyn für den Hinweis auf diese virtuelle Ausstellung 75 Jahre Kriegsende Berlin. 

Ich danke meiner Freundin Wiebke, die übrigens in der sehr engagierten Büchergilde in Wiesbaden arbeitet, für den Hinweis auf das heutige Interview mit Esther Bejarano in der Tagesschau. Esther Bejarano ist eine der Überlebenden von Auschwitz und sie vor allem auch überlebt, weil sie im „Mädchenorchester von Auschwitz“ Akkordeon gespielt hat. Musik hat ihr Leben gerettet, sagt sie. In diesem (etwas älteren) Video wie auch im Interview erzählt Esther Bejarano, dass sie vom Todesmarsch fliehen konnte und russischen Soldaten in die Arme lief, die ein Bild von Hitler verbrannten und darum herum tanzten. Ihr selbst habe man schon wieder ein Akkordeon in die Hand gedrückt, und die Soldaten haben sie aufgefordert, dazu zu spielen.

Dies sei ihr Moment der Befreiung gewesen, sagt sie. Tanz und Musik. Esther Bejarano macht heute immer noch Musik, mit einem katholischen Italiener und einem muslimischen Türken singt sie in der Gruppe Microphone Mafia. Die Musik dieser Gruppe ist vielleicht nicht das, was man bei einer über 90 Jahre alten Dame erwartet, sie singen Hip-hop oder Rap, so genau kenne ich mich in den Unterschieden dieser Musikgenres nicht aus. 

Wir dürfen also feiern und tanzen und singen an diesem Tag. Also dann Musik: Viva La Liberta!

Hier noch der französische Beitrag, mit dem sich Maurice Chevalier 1944 vom Verdacht reinwaschen konnte, den Deutschen zu nah gestanden zu haben. Die wunderbare Blume, le Fleur de Paris, die besungen wird, ist bleu, blanc, rouge, die französische Flagge, jeder hatte sie irgendwo aufbewahrt und zeigte sie jetzt, nach der Befreiung von Paris wieder.

So viel für heute. Ich wollte noch viele mehr und vor allem Lesetipps einbauen, ein paar standen schon in den Kommentaren gestern, Danke dafür an Claudia P.  Aber das muss ein anderes Mal passieren. Bis morgen, weiterhin so gesund, wie es geht.

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Corona Tagebuch – Tag 52

Die Musik habe ich heute morgen schon bei offenem Fenster ausgesucht und probegehört, aber ich hörte schon wieder kaum was, weil so viele Autos und vor allem diese näselnden Scooter hier vorbeirauschen. Diese Stille, die hier ja nie durchgehend war, also diese bedingte Stille, die werde ich sehr vermissen. Von allem, was ich angehört habe, hatte mich heute morgen dieses Intermezzo aus Cavalleria Rusticana gespielt vom Symphonie Orchester aus Quebec am meisten berührt.

Ich bin, was Opern und klassische Musik angeht, kein sehr gebildeter Mensch, Stücke, die für Sie vielleicht abgelutscht klingen, höre ich immer noch mit Freude. Nachdem ich mich hier für Quebec entschieden hatte, ploppte ein weiteres Musikstück aus Kanada auf, diesmal aus Montréal.

Und dann, man weiß nicht, wie es eigentlich funktioniert dieses Auswahlverfahren bei Youtube, bekam ich Musik aus dem nah- und fernöstlichen Ausland angeboten, Japaner, die Les Misérables auf Japanisch singen, Israelische Schüler die Mendelssohn auf Deutsch singen … ich hörte mich so durch, und dann klickte ich das Stück vom Jerusalem Orchestra East-West an und es hat mich umgehauen: Vom Schwung, von der Ost-Westlichen Musik, und vom Ost-Westlichen Ansatz des Orchesters! Hier spielen Juden, Arbaber und Christen zusammen. Ich verlinke es Ihnen ans Ende, der Kontrast zu der lieblichen Musik aus Kanada ist sonst zu stark.


Noch mehr Fremdes aus dem fernen „Osten“.

Monsieur ist heute „nervös“. Schon um 10 Uhr ist ihm nach Abwechslung, Aufbruch. Ich geh Brot kaufen, sagt er entschlossen. Als ich nicht sofort reagiere, setzt er schon fast ungeduldig nach: sonst nix? Brauchen wir sonst nix? Doch, seufze ich, wir brauchen jede Menge, aber die Tochter wird heute „das Große“ für uns einkaufen und ich mache schnell eine „kleine“ Liste für den petit épicier du coin, den Eck-Lebensmittelhändler. Denn ja, ich unterstütze ihn weiterhin, auch wenn seine Preise nochmal in die Höhe geschnellt sind, aber ich bin froh, dass das junge Paar da ist, sie sind freundlich, es ist sicher eine kommerzielle Freundlichkeit, ich vergesse aber nicht, dass sie mir den Schoko-Osterhasen geschenkt haben, als der der Enkelin aus dem Garten geklaut worden ist. Gemüse und Obst finde ich dort eher eine traurige und zu teure Angelegenheit, aber das traue ich mich jetzt sonntags sehr früh auf dem Markt zu erstehen. Aber Reis, Nudeln, Milch, Rosé, Butter, die Caffé-Desserts für Monsieur und noch das eine oder andere, was vielleicht heute dort frisch angeliefert wurde, kann man dort immer kaufen. Mit Ausgangsschein, Maske, Sonnenbrille, Hut und der Liste bewaffnet, geht er los. Nach gefühlt zwei Minuten, ich habe noch nichtmal einen neuen Absatz in einem anderen Text geschrieben, ist er schon zurück. Er ist stolz, den Moment ausgesucht zu haben, wo er nirgends warten musste.

Ich arbeite halbherzig an einem Text und schon ist es Mittag; es gibt Würstchen (Chipolata) nochmal Ofengemüse und den Rest der Kartoffeln von der gestrigen Brandade als Bratkartoffeln. Ich mache noch ein farbiges Foto von mir, danke für Ihre Komplimente :D

Dann lese ich die Zeitung. Es geht überall nur um das déconfinement, das Ende der Ausgangssperre und die ersten Lockerungen. Es ist so unglaublich, es wird überall Fahrradwege geben, sogar auf der Croisette, vorübergehend heißt es, der Boulevard du Midi bleibt an sämtlichen Sonntagen im Mai und Juni autofrei. In Nizza bekommen die Fahrradfahrer „priorité“, Vorfahrt, ein komplizierter Plan sieht vor, in welchen Straßen man, fast wie in Amsterdam unbehindert Radfahren kann. Ich kann es nicht glauben. Fahrradfahren ist hier sonst eher lebensgefährlich, Radwege brechen unvermittelt ab oder weisen plötzlich ein ungesichertes Loch auf. Innerstädtisch darf man nur 10 Stundenkilometer fahren und muss sich mit den trödeligen Touristen arrangieren, weshalb man auf die Straße ausweicht und dort von Autos bedrängt, wild überholt und angehupt wird. Und jetzt: priorité! Kann das nicht so bleiben?, frage ich mich.

Monsieurs Tochter hat für uns eingekauft und sogar an den Pastis gedacht, der nicht auf der Einkaufsliste stand. Großartig! Sieste. Danach ein paar Mails beantwortet und andere geschrieben. Ich lese Monsieur meinen geschriebenen Text vor. Er findet ihn pas mal. Nicht schlecht.

Heute Nachmittag folge ich mit einem Ohr den Ausführungen der verschiedenen Minister zu den Lockerungen ab Montag. Gute Nachricht, es wird Lockerungen geben, weniger gute Nachricht, nicht überall. Wir haben Glück, wir sind in der „grünen“ Zone (rot ist es weiterhin im Nordosten, in Paris und auf Mayotte, einer der kleinen Überseeinseln) und es wird den Bürgermeistern in den grünen Zonen viel Entscheidungsspielraum eingeräumt, was Schule, Strand, Wassersport angeht. Heute morgen habe ich schon eine ellenlange Nachricht des Bürgermeisters bekommen, der die Regelungen und Empfehlungen für Cannes durchgab und der sich dafür einsetzt, dass man bald wieder an und aufs Wasser darf. Da sich für uns (Monsieur und mich) nicht so viel ändert, wir bleiben aus gesundheitlichen Gründen eigenverantwortlich weiterhin drin, rutschen alle die neuen Regelungen an mir vorbei. Geschäfte dürfen wieder öffnen (nicht die Restaurants, Cafés und Hotels! aber viele Restaurants werden dann Essen zum Mitnehmen anbieten können!) Es gilt Maskenpflicht, zumindest in den öffentlichen Verkehrsmitteln und dort, wo andere Menschen sind. Eine große Erleichterung immerhin: Wir dürfen uns ab Montag (ohne Ausgangsdokument) im Radius von 100km bewegen. Fahrradfahren wird empfohlen! (Unglaublich) und Arbeitgeber werden gebeten weiterhin télétravail zuzulassen und ansonsten bei den Arbeitszeiten (Anfang und Ende) flexibel zu sein, damit Staus und Getümmel in den öffentlichen Verkehrsmitteln vermieden werden. Was jetzt alles geht! Ich finde es so erstaunlich. Ich hoffe, dass wir vieles davon behalten. Die erste Regelung gilt bis Ende Mai, danach wird „nachverhandelt“. Die Grenzen bleiben vorerst zu. Zum Tourismus noch keine Angaben. Das ist vielleicht das, was Sie am meisten interessiert. Alles andere können Sie wie gehabt bei Hilke Maunder nachlesen, übersichtlich, verlässlich und aktuell (Danke dafür!) oder auf der Seite des Gouvernements oder auf der Seite der Stadt Cannes.

Morgen ist hier ein Feiertag. Ach ja? fragen Sie vielleicht. Was ist denn am 8. Mai? Da ging vor 75 Jahren der letzte Weltkrieg zu Ende. In Deutschland wird das vermutlich weniger erinnert. Aber hier werden seit Tagen abends Dokus und entsprechende Filme ausgestrahlt. Dazu aber morgen mehr.

Und jetzt zur Musik: Halten Sie sich fest :D

Jepp. Verstehen Sie, was das Kind seinem Papa am Ende sagt? Ich vermute es muss mal … ;) Einen schwungvollen Abend und bis morgen!

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Corona Tagebuch – Tag 51

Masken! Masken! Heute kamen hier noch zwei Sendungen Masken aus Stoff- und Papier an. SEHR VIELEN DANK, dass Sie so liebevoll an uns denken und sich um uns sorgen! Wir haben jetzt erstmal genug und werden auch an die Familie oben welche abgeben und hier nicht alle für uns hamstern. Ab nächster Woche soll es auch welche in den Supermärkten geben und diese Woche auch schon in den Apotheken, ich bin aber seit Sonntag noch nicht wieder draußen gewesen. Monsieur sowieso auch nicht.

Mir wurde übrigens mitgeteilt, dass ich sehr wohl schon in einem Autokino gewesen sei, aber es ist sehr lange her und habe mir nicht gefallen, weshalb ich mich vermutlich auch nicht erinnern kann. Problem war damals auch, dass sich große Autos schamlos vor kleine Autos stellten und man dann nicht mehr so viel sah. Wie ist das heute geregelt? Stellen sich da auch riesige SUV’s vor niedliche Smarts? Oder gibts da heute Platzanweiser?

Monsieur kennt das gar nicht, also das Prinzip des Cinéma Drive in kennt er schon, sagt aber, dass es das zumindest hier in der Ecke nicht gegeben habe. Ich habe recherchiert, es hat wohl eines in den Sechziger Jahren in Marseille gegeben, heute ist das ein Mc Donalds Drive in. Haha.

In Nizza gibt es jetzt nach dem Vorbild von Madrid und Rom das sogenannte #cinébalcon. Jeden Tag in der Woche wird in einem anderen Viertel auf einer riesigen Leinwand ein Film gezeigt, den man von seinem Fenster oder seinem Balkon aus sehen kann. Ausgestrahlt wurde das in Vierteln mit vielen Menschen, vielen Fenster, vielen Balkons, versteht sich. Die Filme werden nach dem Applaudieren um 20 Uhr gezeigt und nur unter der Bedingung, dass die Ausgangssperre eingehalten wird (bei Nichteinhaltung wird die Ausstrahlung abgebrochen). Um spontane Versammlungen zu vermeiden, erfahren die Einwohner erst kurz vorher, welches Viertel jeweils ausgewählt wurde. Zu kurzfristig finden manche.

Bei uns gab es heute Brandade de Morue, ich habe kein Foto davon, es sieht eher unansehnlich aus, zerdrückter Stockfisch in zerdrückten Kartoffeln, denkbar einfach, ich liebe dieses Essen, habe es aber kürzlich tatsächlich zum ersten Mal selbst gemacht und man kann dennoch viele Fehler machen. Damals habe ich die Morue zu sehr entsalzen, dann schmeckt sie nach nichts mehr, und zu viel Öl genommen, weil im Rezept stand, je mehr Öl, desto leckerer. Ich sage, je mehr Öl, desto fettiger, und auch heute habe ich später noch ein paar Kartoffeln zusätzlich reingedrückt, weil es trotz weniger Öl meines Erachtens noch zu viel war. Dann stimmt natürlich das Kartoffel-Fisch-Verhältnis nicht mehr. Ich habe den Stockfisch auch in Würfel geschnitten und nicht „auseinandergerissen“, wie es sich wohl gehört. Monsieur aber sagte ungefragt, dass es ihm super gut schmecke, das ist schon nicht schlecht. Und heute Abend gibts den Rest, ultra praktisch.

Das habe ich zufällig gefunden. Ich war gerade dabei Ihnen etwas anderes zu verlinken, aber das hier finde ich viel schöner. Die französische Version von Let the sunshine in. Laissons entrer le soleil.

In diesem Sinne: Viel Sonne! Innen und außen. Bis morgen. Prenez soin de vous! wie man hier sagt.

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50 – WMDEDGT

Um halb Acht kratzt die Katze an der Tür und wimmert. Geschlossene Türen sind einfach mit der Natur der freiheitliebenden Katze nicht vereinbar. Ich öffne schlaftrunken. ENDLICH! maunzt sie empört und hoppst ins Bett. Das darf sie nicht, aber ich bin noch zu müde für Konsequenz. Wir dösen noch zwanzig Minuten. Dann stehe ich auf, die Katze begleitet mich in die Küche. FRESSEN? Es riecht nach frischem Kaffee, ich gebe dem Gatten einen Kuss und ich mache mir ein Brötchen mit HImbeerkonfitüre. Die Katze maunzt. FRESSEN? Ich erkundige mich, sie hat gerade erst etwas bekommen, also gibts nur Streicheln auf den Knien, während ich frühstücke und ein bisschen das Internet durchlese. Auf arte Karambolage gab es eine sehr nostalgische Erinnerung an Algerien und Aprikosenkerne, die ich außerhalb von Facebook nur im Gesamtpaket finde, Sie können auf Minute 3.36 vorspielen, wenn Sie den Unterschied zwischen Polizei und Gendarmerie uninteressant finden sollten, mit dem die Sendung beginnt. Ich schaue auch ein wenig Kölsche Mitternachtsspitzen, coronabedingt live und draußen in Köln Nippes (gefunden via Luda L.), aber so viel Zeit habe ich nicht, mir die komplette Sendung anzusehen, ich schubse die Katze von den Knien, wechsele das Zimmer und setze mich an den Tisch. Monsieur rudert. Ich erinnere mich, dass heute der 5. ist und am 5. gibts bei Frau Brüllen #WMDEDGT : „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“. Ich habe schon lange nicht mehr mitgemacht, aber heute passt es. Was ich so mache in diesen Tagen, wissen Sie eigentlich schon. Im Moment, 9.08 Uhr schreibe ich schon im Nachthemd an diesem Text. Beinahe eine Live-Schaltung.

Heute haben wir Jubiläum: 50 Tage Ausgangssperre! Darauf ein Corona-Bier! Ok, verzeihen Sie den Kalauer und ich habe ihn auch noch geklaut. Ich sah ein Foto auf Facebook bei Pia Parolin. Auf deren Homepage können Sie übrigens tolle Fotos (nicht nur) von Nizza und der Promenade des Anglais sehen. Nun, schauen wir mal, wie wir das heute feiern. Gestern hatte ich noch diesen kleinen Scherz gefunden, aber dann vergessen zu posten. Ein Beitrag zur deutsch-französischen Verständigung. So isser der Franzose. Gefunden via Susanne E. Die böse Zeichnung wurde in einer deutsch-französischen Gruppe veröffentlicht, von einem Franzosen immerhin, der Scherz stammt auch von einem Franzosen wohlgemerkt, lustig finden die Franzosen (zumindest in dieser Gruppe) das aber nicht. Nur die Deutschen, die in Frankreich leben, amüsieren sich darüber.


Ich verschwinde im Bad, die Haare bleiben ungeföhnt und werden luftgetrocknet, es ist jetzt warm genug dafür, mal sehen, was das ergibt, sie sind hinten zumindest schon halslang und insgesamt formlos. Ich ziehe mich zum Jubiläumstag der Ausgangssperre schön an und winde dann doch ein rotes Haarband in die formlose Haarpracht. „Was sollen wir essen?“, frage ich vorausschauend den Gatten. „Fleisch oder Brandade de Morue?“, schlage ich aber einschränkend vor. „Fleisch“, sagt Monsieur, wundert mich nicht, wir haben drei Tage in Folge Fisch gegessen. „Et nouilles“, fügt er hinzu. Die Lieblingsnudeln gabs schon lang nicht mehr. Bestimmt 50 Tage lang. Sie erinnern sich, es gab lang keine nouilles zu kaufen. Und die Packung, die ich irgendwann ergatterte, ist tatsächlich noch nicht geöffnet. Ich wundere mich, wie haben wir das gemacht 50 Tage, gerade überprüft 60 Tage !!! ohne nouilles?

Monsieur spielt Bridge gegen den PC und erinnert mich daran, dass wir das Deckbett gegen ein Leintuch wechseln müssen, es ist ihm zu warm nachts, für mich ist es aber noch nicht warm genug für ein Leintuch mit Wolldecke, ich fordere bis Ende Mai, zumindest bis über die Eisheiligen, ein anderes, etwas dünneres Deckbett. Jedes Jahr dasselbe. Ich leere und reinige aber erst das Katzenklo. Die Katze mag das Corona-bedingte (grobere und dunklere) Katzenstreu nicht und kackt immer mal wieder neben das Katzenklo. Ich hoffe, durch viel Geschimpfe und ein penibel sauberes Katzenklo, wird sie es dennoch irgendwann akzeptieren, bis ich wieder die richtigen Körnchen finde. Wollen wir eine Petition unterzeichnen, die abwechslungsreicheres Fernsehen fordert? Draußen ist es so laut, als sei das déconfinement schon in Kraft getreten. Der Schwiegersohn ging auch irgendwohin arbeiten heute.

Ok, ganz viele Mails und Kommentare kommen. Sie sind großartig! Fassen wir das so zusammen: Es gibt fast überall neue oder neu-alte Autokinos. Autokino weckt Erinnerungen, war toll und hat auch mit Knutschen zu tun ;-) Eltern mögen es (vermutlich wegen dieser Erinnerungen) dann aber nicht, und als Kind kommt man nur hin, wenn man in den Ferien Verwöhn-Verwandtschaft besucht. Und danke für den Hinweis auf Bülent Ceylan, der erstmals eine Comédie-Show in einem Autokino machte. Ich hätte gern einen Artikel dazu verlinkt (aus der BZ = Badische Zeitung), weil ich nämlich irgendwie, vermutlich ein Versehen, ein kostenloses Abo für ausgewählte Artikel der BZ geschenkt bekam. Von der BZ. Dankeschön dafür! Aber ich kriege ihn gerade nicht verlinkt. Ich versuche es später noch einmal. Klappt nicht. Sie finden es auch so, wenn Sie es lesen wollen: ‚Bülent Ceylan Autokino‘ reicht als Suchanfrage.

12.20 Uhr. Die Zeit ist verflogen mit nichts. Ich wollte Ratatouille machen, fand aber das Rezept nicht mehr und suchte ebenso vergeblich das entsprechende Video, ich hätte auch einfach in meinem vorletzten Krimi nachlesen können, aber als ich endlich anfange das Gemüse zu schnippeln, merke ich, dass es eh zu spät ist. Ich werfe der Einfachheit halber alles Gemüse geschnitten auf ein Blech, gebe grobes Salz, Knoblauch, etwas Pfeffer und un génereux filet de l’huile d’olives darüber und ab in den Ofen. Das geht hier als légumes à la catalane durch. Ob die Katalanen das wirklich so machen, sei dahingestellt. ps: die Auberginen mag ich ganz gerne so (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) pps: irgendjemand (Frau Ackerbau?) wünschte sich längst ein Kochbuch mit sehr einfachen und leckeren Rezepten. Ich habe mich jahrelang bei Elisabeth Raether inspiriert. Aus den Rezepte-Kolumnen entstand jetzt wohl auch ein Buch.

12.30 Uhr. Die Katze maunzt. FRESSEN! Kriegt sie. Sie hatte sich übrigens SOFORT auf die Sommerzeit umgestellt. Eine Stunde früher? Passt!

Für uns gibt es zu Ehren des Tages einen Apéro. Wir trinken beide rotes Zeug. Pastis ist alle. Rotes Zeug, einmal mit, einmal ohne Alkohol. Prost! Außerdem stippen wir Radieschen in Salz und knabbern sie. Der Gatte hört Brassens, während er auf das Mittagessen wartet. Wir können aber trotz schönstem Wetter nicht draußen essen. Die Sonne reflektiert auf dem neuen hellen Boden im Hof zu stark, unsere von Wind und Wetter zerrissenen Sonnensegel haben wir im letzten Herbst entsorgt, Ersatz haben wir keinen, Monsieur aber hat schon entzündete Augen.

13.30 Uhr haben wir gegessen. Also es gab: eine Artischocke als Entrée für Monsieur; ein Stück Bavette (langfaseriges Rindfleisch, Flanksteak), das wir geteilt haben, dazu nouilles und légumes à la catalane. Als Dessert gekauften Schokopudding für mich, Caffécreme für Monsieur. Der Gatte siestet heute mit der Katze zu Brassensklängen auf dem Sofa.

14 Uhr: Post! Post!!! Heute kamen Masken von Sunni! Papiermasken in Rosa und in Weiß! So hübsch! Von Herzen Dank! Ich hoffe, Sie haben auch noch genug Masken für sich. Es wird ja alles noch eine Weile dauern. Und ich werde die Anweisungen Ihrer Enkelin beherzigen und nicht in die Maske rülpsen! :D

Und noch ein paar Mails, darunter zwei, die mir meinen neuen (deutschen) Reisepass mit der Post ankündigen. Ich muss bei Erhalt dann ein Foto schicken, das beweist, dass ich den alten Pass nicht unter der Hand weiterverkauft habe, sondern vernichtet. Ich muss mich außerdem um ein französisches Ausweisdokument kümmern. Ich dachte ja immer, da käme noch was Schriftliches von der Präfektur, aber nö, da kommt nix mehr, sagt man mir. Nur der feierliche Festakt mit Präfekt findet jetzt bedauerlicherweise auch nicht statt.

14.30 Uhr Der Gatte wechselt zum zweiten Teil der Sieste den Ort. Ich sieste jetzt auch kurz. Immer noch mit der zu warmen Decke.

15.30 Uhr trinke ich einen kleinen Kaffee und setze mich endlich zum Arbeiten an den PC. Alles andere heute war Herumgespiele, um einen würdigen Beitrag für den 50. Tag zu schreiben. Monsieur liest und sieht später fern. Um kurz vor 18 Uhr ruft mich meine Friseurin an, um mich über die sicheren Arbeitsbedingungen zu informieren. Sie frisiert bei sich zu Hause und bislang war es bei ihr immer ein „Salon“ im französischen Sinn: „une pièce de reception dans une maison privée“ : ein Empfang im privaten Rahmen, sprich: viele Menschen und fröhliches Geplauder. Jetzt nimmt sie nur noch eine Person vormittags und eine nachmittags und sie sichert mir zu, dass sie, schon auch um sich selbst zu schützen, Maske und Schutzbrille trägt, alles desinfiziert, Umhänge nicht für mehrere Kundinnen verwendet undsoweiter. Ich werde also in absehbarer Zeit doch zum Friseur gehen, aber wir lassen erst mal ein, zwei Wochen Lockerung vergehen, um zu sehen, was passiert.

So, der Schreibschwung ist raus. Im Fernsehen geht es um die Schulöffnung. Ich wollte heute Abend eigentlich ein Spargelrisotto machen, aber ich denke, wir essen die Reste des Gemüses und zwei Scheiben Schinken. Jetzt beziehe ich die dünnere Decke und dann ist Feierabend.

Und hier ein kleiner Festbeitrag, kann sein, dass ich den schonmal verlinkt habe, es kommt mir nicht unbekannt vor. Surtout! Noubliez pas de voyager, gibt der junge Mann uns als Tipp mit. Vergessen Sie vor allem das Reisen nicht! Da heulen wir jetzt alle im Chor auf. Tatsächlich finde ich Cannes in dem Film besonders schön, sogar die Feten, die mir im Sommer mir ihrem Elektro-Gewummer so auf die Nerven gehen, haben was. Hängt vermutlich damit zusammen, dass ich auch nicht mehr einfach alles sehen kann in dieser Zeit (La Croix des Gardes, die Inseln), und Feten am Strand wird es vielleicht so nicht mehr geben. Auch das Strandleben wird anders aussehen.

Keine Ahnung, wo es herstammt, ich habs irgendwo auf FB geklaut. Jetzt aber der Film. Haben Sie eigentlich „Ein leichtes Mädchen“ gesehen? Wie hat er Ihnen gefallen?

Bis morgen! Wir lesen uns wieder. Bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich auf! Wenn Sie noch in den Alltag anderer Menschen schnuppern wollen, die anderen #WMDEDGT-Tagebuchblogger gibts hier.


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