Das Meer und die Mörder

„Guck mal Papa!“ habe ich vorhin gerührt gesagt. Mein Vater hat bis zu seinem Tod für die FR gearbeitet. Das war/ist „unsere“ Zeitung. Wie stolz wäre er darauf! Ich freue mich daher besonders über diesen schönen Artikel in der Frankfurter Rundschau. Danke nach Paris an Birgit Holzer!

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Europa und die Welt

Am 26. Mai ist Europawahl. Ich weiß nicht, wie Sie zu Europa stehen. Solange ich in Deutschland gelebt habe, fühlte ich mich von der Europa-Frage nicht wirklich betroffen oder sagen wir, es war mir so selbstverständlich, dass wir in Europa näher zusammenleben, arbeiten und wirken sollten, na klar war ich dafür. Ich war sehr überrascht, dass in Frankreich, als ich damals 2005 ankam, überall Plakate hingen, die ein Referendum gegen Europa forderten. Auf dem Hof wurde ich auch sofort zu Europa befragt und meine kleine Meinung, die ich schüchtern in meinem rudimentären Französisch stammelte, wurde dort belächelt. Sie redeten auf mich ein, sprachen mir von den Schwierigkeiten, die die Landwirtschaft zu erwarten habe, sprachen von Normen und Dingen, die ich nicht verstand. Noch 2009, als ich schon in Frankreich lebte und als Deutsche zum ersten Mal an einer Europawahl hätte teilnehmen können, habe ich nicht gewählt. Um in Frankreich wählen zu dürfen, hätte ich mich im Vorjahr noch in der Stadt- bzw. Dorfverwaltung auf die Wählerliste einschreiben müssen. Das habe ich versäumt. Ich ging also Anfang Juni 2009 nicht zur Wahl. Ob ich denn in Deutschland mittels Briefwahl gewählt hätte, wurde ich damals vom Bürgermeister der kleinen Dorfgemeinde, in der ich lebte, gefragt, der seine Wähler und Wählerinnen an zwei Händen abzählen konnte. Nö, sagte ich, ich wähle nirgends. Der Bürgermeister konnte es nicht fassen, dass ich, eine intelligente Frau, die Europa „lebte“, war ich doch von Deutschland problemlos nach Frankreich geswitcht, nicht dafür wählen ging. Ich spürte, dass ich an diesem Tag etwas von seiner Achtung verlor. Aber Europa existierte für mich, was gab es da schon zu wählen. Fünf Jahre später, bereits in Cannes, schleppte ich mich, trotz Bänderriss, dann erstmals zum Wahllokal. Monsieur hatte mich im Vorjahr rechtzeitig zur Stadtverwaltung geschickt, damit ich dort das Prozedere des Einschreibens hinter mich brachte und eine Carte électorale beantrage; denn im Jahr 2014 war auch die Bürgermeisterwahl in Cannes, an der ich auch teilnehmen konnte und wollte. Zwei Wahlen, dreimal wählen, es lohnte sich also.

Dieses Jahr aber, 2019, angesichts der nationalen Bewegungen überall, ist mir Europa erstmals wichtig. Dass es Europa vielleicht bald nicht mehr geben könnte, will ich mir nicht vorstellen. Nein, ich habe keine Lösung für alles, aber ich finde die Idee Europa nachwievor eine gute. Daher gehe ich wählen und mache ich mein Kreuz für Europa!

Das Europa-Parlament ist nach dem Verhältniswahlrecht zusammengesetzt und Sie wählen direkt die Personen, für die Sie gestimmt haben. Ich zitiere mal Jose Bovet von der (grünen) Confédération paysanne, der sich dieses Jahr nicht mehr aufstellen lässt, aber dazu aufruft, wählen zu gehen, weil jede Stimme zählt: „Je dirais que s’il y a une élection où chaque voix compte, c’est l’élection européenne puisque les sièges sont répartis à la proportionnelle intégrale. Et donc à partir de ce moment-là, on aura les élus pour lesquels on aura mis un bulletin de vote. Donc, s’abstenir dans l’élection européenne,  c’est la plus grosse erreur à faire. J’appelle vraiment les gens à se mobiliser et à voter véritablement pour les gens de leur choix„. Weiterhin sagt er, dass das man im Europäischen Parlament wirklich Dinge bewegen könne. Es gibt dort keine automatische Mehrheit für ein Thema, man müsse sie wirklich erarbeiten und jeder Abgeordnete zähle. „Je dirais que c’est un endroit où on peut faire bouger les lignes où on peut s’engager. C’est un Parlement qui est élu à la proportionnelle et donc chaque député compte. Comme il n’y a pas de majorité sur chaque thème, on construit une majorité et donc on peut faire changer les choses.“

Bitte gehen Sie wählen! Und wenn Sie Ihr Kreuz auch für Europa machen, tant mieux. Im Internet kursiert die make-a-cross-Applikation. Falls Sie es offen zeigen wollen, dass Sie für Europa wählen gehen.

Auf Arte, Sie wissen schon, meinem Lieblingssender, gibt es am Samstag von 6 Uhr morgens an 24 Stunden Europa zu sehen. Junges Europa. Die Generation nach uns, ich vermute Sie ja eher alle in meinem Alter, nicht wahr. Es ist nicht idyllisch, aber spannend! Lassen Sie uns (weiterhin) aufeinander zugehen!

Weg von Europa und einmal um die Welt ist Guirec Soudée mit seinem Segelboot gefahren, allein, nur begleitet von seinem Huhn Monique, das ihm selbst im größten Sturm fast täglich ein Ei gelegt hat. Was für ein Abenteuer! Ich finde den jungen Mann großartig, und erst dieses Huhn! Ich lese gerade sein Logbuch, es ist faszinierend!

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Maiglöckchen – Les Muguets

Es ist der 1. Mai. In Frankreich gibt es, neben den Mai-Demonstrationen, auch die Tradition, sich mit Maiglöckchen Glück zu wünschen. Hier ein Filmchen zur Geschichte der Maiglöckchentradition. ps: Dass die Demonstrationen friedlich ablaufen, ist allerdings auch schon Geschichte … (pps: ich fürchte allerdings, wenn Sie nicht zu FB gehören, können Sie das Arte-Karambolage Filmchen nicht ansehen, tut mir leid, hab schon alles durchgesucht, finde es nirgends anders) Wie dem auch sei! Viel Glück! Und einen schönen 1. Mai, wie auch immer sie ihn verbringen!

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Für Sie in Cannes

Es war sonnig, aber stürmisch, als ich der Journalistin Ulrike Bremm „mein“ Cannes zeigte. Dreimal haben wir im Strandrestaurant den Tisch gewechselt: erst war zu viel Sonne, dann zu viel Wind, so dass wir das Dessert und den Kaffee letzten Endes drinnen zu uns nahmen, und wegen des Sturms haben wir dann auch die Überfahrt auf die Klosterinsel St. Honorat auf den Folgetag verschoben. Schön ist es natürlich trotzdem immer. Herzlichen Dank für den wundervollen Artikel in der aktuellen Für Sie an Ulrike Bremm! 

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Ostern und Ostwind

In (unserem deutschen Wort) Ostern stecke das Wort OSTen habe ich gestern auf Arte-Karambolage gelernt, deswegen haben wir vermutlich jetzt gerade Ostwind, und nicht zu knapp. Es ist nicht wirklich kalt, aber es weht und bläst und rüttelt und pfeift ums Haus. Auf dem Weg zur Pointe Croisette, einem Surf-Spot, dachte ich, das Auto hebe gleich ab und beim letzten Stück zu Fuß machte ich gleichmal einen kleinen unfreiwilligen Hopser, so sehr wehte eine Windbö mich davon. Aber dann! Boah, so viele Surfer und Kiter habe ich noch nie hier gesehen! Sie fliegen fast über das Wasser und sie zischen von rechts und links gleichzeitig heran, ich frage mich jedes Mal, wie sie es schaffen ohne Unfälle da wieder rauszukommen. Eigentlich will ich sofort einen Film machen, aber vor lauter Wind und Salzwasserdusche, die ich gleichmal abkriege, kann ich das Handy kaum halten und ich kriege die Filmfunktion nicht hin. Handyfotos sind heute völlig unzureichend, finde ich. Alles ist viel zu schnell und viel zu zu weit weg. Neben mir stehen viele Fotografen mit fetten Kameras und riesen Objektiven, so was will ich nicht im Traum mit mir herumtragen, aber ich bin sicher, ihre Aufnahmen sind super.

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Frohe Ostern – Joyeuses Pâques

Und was, wenn Jesus wiederkäme?! Hier ein friedlicher Text zum Thema. Und Alex Capus‘ Kindheitserinnerungen auf der Rückseite von Notre Dame. Die 60er und 70er in Paris. Ach.

Frohe und friedliche Ostertage wünsche ich Ihnen, zumindest wenn Ostern für Sie eine Bedeutung hat. Ansonsten wünsche ich Ihnen einfach frohe Frühlingstage! Sie müssen sich dazu nicht nach Südfrankreich sehnen, hier zieht sich der Himmel gerade zu, es ist außerdem ziemlich windig. Ich werde die französische Familie bekochen und bereite, neben allerhand anderem, gerade mit der Enkelin eine Schwarzwälderkirschtorte zu, man muss das kulinarische Erbe ja weitergeben, nicht wahr. Mein Ostermessenbesuch findet daher nur virtuell statt: auf der Suche nach etwas passender Musik für mich und für Sie bin ich auch über das Musical Jesus Christ Superstar gestolpert- das habe ich seinerzeit ziemlich viel gehört und kann es sogar stellenweise noch auswendig mitsingen – herrjeh, das kommen Schulerinnerungen hoch, lang ist das alles her! Vielleicht mögen Sie reinhören, 70er Stil eben, vielleicht nicht jedermanns Sache. Ansonsten ist das hier vielleicht eingängiger:

Haben Sie es gut! Bis die Tage!

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Karfreitag

Sie können es vielleicht schon nicht mehr lesen, aber ich bin immer noch mit Notre-Dame beschäftigt, in meinem Hirn und in meinem Herzen. Aber selbst Nice Matin hat Notre-Dame schon von den ersten Seiten nach hinten geschoben, kurz vor dem Sport und dem Wetter geht es da um die Streitigkeiten, die nun auch Frankreich teilen. Es geht ums Geld. Die ersten großen Spender (reiche französische Familien) werden zunehmend angegriffen, dass sie für einen „Haufen Steine“ so viel Geld geben und nichts für bedürftige Menschen (wobei man das nicht weiß, angeblich engagieren sie sich auch im sozialen Bereich, ohne davon laut zu erzählen). Dass man die Spenden steuerlich absetzen kann (was wirklich eine Steuernische ist) wurde so oft kritisiert, dass zumindest eine Spender-Familie jetzt öffentlich machte, sie würde darauf verzichten, die Spende steuerlich geltend zu machen. Ruhe gibt es natürlich trotzdem nicht. Mir war es unverständlich, dass sich nicht alle über den geplanten Wiederaufbau von Notre-Dame freuen und ihn unterstützen. Ich fühlte mich gekränkt von dieser Sichtweise, dass Notre-Dame nur ein „Haufen Steine“ sei. Nun, Frankreich ist ein laizistischer Staat, Kirche und Staat sind getrennt und Religion ist Privatsache. Frankreich ist zwar traditionell katholisch, aber für viele ist die Kirche nur für Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen in ihrem Leben präsent. Und Taufen gibt es immer weniger. Es gibt mindestens ebenso viele Menschen, die nicht an Gott (oder an eine andere höhere Macht) glauben und nichts, absolut nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben und auch mit keiner anderen. Für Atheisten ist Notre-Dame wirklich nur ein Gebäude, ein Haufen Steine. Für andere ist Notre-Dame vielleicht immerhin ein historisch wertvolles Bauwerk, das mit der Geschichte Frankreichs und Paris‘ verbunden ist. Für mich ist Notre-Dame mehr als ein historisches Gebäude, für mich ist Notre-Dame ein Ort der Spiritualität und hat einen symbolischen Wert. Um mich von der Kritik der „kein-Geld-für-Steine“-Fraktion nicht gekränkt zu fühlen, musste ich mir aber tatsächlich erst bewusst machen, dass Notre-Dame nicht für alle Menschen diese Bedeutung hat und nicht alle diesen Zugang zur Spiritualität haben. Ich denke, es gibt nicht richtig oder falsch in dieser Sache. Nicht nur eine Wahrheit. Es gibt zwei Sichtweisen und beide Seiten haben recht. Amen.

Es ist Karfreitag. Hier ist kein Feiertag. Dennoch oder deswegen ein Requiem. Aufgenommen in der Kathedrale Notre-Dame de Paris.

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Die Glocken läuten

In der Karwoche schweigen traditionell die Kirchenglocken. Aber heute um 18.50 Uhr werden die Glocken der Kathedralen Frankreichs und die vieler andere Kirchen „aus Solidarität“ für Notre-Dame läuten. Um 18.50Uhr vor zwei Tagen war der Brand ausgebrochen.

Und hier kommen die —> (klick) solidarisch läutenden Glocken. Oder hier:

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Notre-Dame ist noch da

Dieses Bild flimmerte heute früh auf dem sofort eingeschalteten Fernsehbildschirm. Wieder geht es mir so ähnlich
wie seinerzeit nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Ich kann an nichts anderes mehr denken. Ich schlafe mit dem Gedanken an Notre-Dame ein und als ich aufwache, ist der Zustand von Notre-Dame das erste, was ich wissen will. Die
Nachrichten sind vielleicht nicht gut, aber erleichternd, was den Brand und die Zerstörung des
Dachstuhls und des Spitzturmes nicht weniger tragisch machen. Aber die „Struktur“ der Kathedrale wurde gerettet, das wusste ich schon
heute Nacht, nur wusste ich nicht genau, was es eigentlich meint. Als Monsieur mich nachts fragte, ob das Gewölbe noch stehe, musste ich passen. Aber ja, jetzt weiß ich, das gotische Gewölbe steht noch! Die Türme stehen noch! Die Glocken sind noch da und nicht abgestürzt! Die Orgel ist so gut wie nicht beschädigt und die Rosetten(fenster) sind ebenso heil geblieben. Und im Inneren wurden viele Kunstwerke geborgen, teils mit einem Roboter, als es für die Feuerwehrleute zu
heiß wurde. (Wie man sich das vorstellen muss, möchte ich gerne nochverstehen.) Es wurden auch Reliquien aus dem Kirchenschatz geborgen – ein Teil der Dornenkrone, die Jesu getragen haben soll,  ist darunter. Das mit den
Reliquien ist mir persönlich fremd, aber ich freue mich, wenn sie erhalten wurden für die, denen sie etwas bedeuten. Der Altar ist unbeschädigt und darüber strahlt das Kreuz. Ein symbolisches Bild: ich bin noch da, sagt die
Kathedrale. Sie hat den Flammen getrotzt, wohl auch dank der vorsichtigen Arbeit der Feuerwehr. Ich habe gestern oft wütend gedacht, als ich die so winzig wirkenden Löschstrahlen der Feuerwehr sah, warum setzen sie denn nicht
diese Löschflugzeuge ein, wenn man sie sofort hätte losfliegen lassen (die Canadaires sind in Marseille stationiert) hätten sie in zwei Stunden spätestens da sein können. Aber, habe ich heute erfahren, sie hätten jeweils 8-10 Tonnen Wasser
ungeregelt hinunterplatschen lassen und damit vermutlich mehr zerstört als gerettet.

Heute morgen las ich irgendwo den ruhigen Kommentar einer Mediävistin, der mir gut tat. Kathedralen sind nie
fertig, sagte sie. Kathedralen werden im Laufe der Jahrhunderte erbaut, zerstört, brennen ab, werden wieder aufgebaut, um- und angebaut, bekommen neue Elemente und vereinen so verschiedene Stilrichtungen. Das greift etwas auf, was
ich sofort dachte, ich würde mir nämlich keinen verklärenden 1:1 Wiederaufbau wünschen. Ich würde mir etwas Neues wünschen, etwas, was Notre-Dame wiederaufstehen lässt, aber die Narben zeigt und gleichzeitig den Übergang zu
etwas Neuem, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich wünschte mir einen Architekturwettbewerb und Visionen für das Jahrhunderte überdauernde Herz von Paris.

Sie wissen das vielleicht alles schon, es geht ja alles so schnell heutzutage. Ich gebe Ihnen dennoch diesen deutschen Artikel. Oder diesen aus dem Figaro in französischer Sprache. Heute gab es schon eine Art Spendenwettbewerb, die Milliardärsfamilie Pinault begann und kündigte an, 100 Millionen Euro zum Wiederaufbau zu spenden, Familie
Arnault, ebenfalls Milliardäre, setzten noch einmal 100 Millionen drauf. Falls Sie 300 Millionen spenden wollen, der Platz ist momentan noch frei, auch wenn die Familien Bouygues und Bettencourt ebenfalls hohe Summen zur Verfügung stellen.
Die Spenden können sie von der Steuer absetzen, was Philippe Poutou (trotzkistischer Ex-Präsidentschaftskandidat) dazu brachte, über die Steuernischen für die Superreichen zu wettern und darüber, dass sie für soziale Projekte keinen Cent lockermachen.

Es gibt in dem Zusammenhang noch viel mehr Kritik, wie ich über FB erstaunt zur Kenntnis nehme. Nein, nicht alle trauern um Notre-Dame. Nicht alle sind so emotional wie ich. Wenns brennt, brennts. Ist doch nur ein Gebäude (tatsächlich gab es „nur“ Materialschaden, kein Mensch kam dabei ums Leben!). In China fällt ein Sack Reis um. Im Mittelmeer ertrinken Menschen. Ich bin tatsächlich schon so französisiert, dass mich die deutschen Kommentare dieser
Art verletzen. In Frankreich trauern auch nicht alle, aber das Gemeinsamkeitsgefühl ist doch stärker. Die Frage, wem „nützt“ dieser Schaden, wurde gestellt. Wem nützt, dass Notre-Dame ausgerechnet in der Karwoche so beschädigt wurde? Dass dieses Gebäude Jahrzehnte lang nicht mehr in seiner Schönheit gesehen werden wird? Wer hätte etwas davon gehabt, wenn Notre-Dame vollkommen zerstört gewesen wäre? Ich bin auch nicht frei davon zu denken, dass es vielleicht kein Unfall war. Im Falle von Notre-Dame aber bringt es die Menschen (bislang) eher zusammen, die Franzosen fühlen sich verletzt, aber geeint in ihrem Schmerz. Das Projekt des Wiederaufbaus von Notre-Dame (vielleicht noch schöner als vorher?!) eint uns (bislang zumindest). Wenn mir Ave-Maria-Gesänge auch eher fremd sind, das gemeinsame Beten und Singen vor und für Notre-Dame freuen und rühren mich. Wir sind verletzt, aber wir sind noch da. Gemeinsam. Bewusster und stärker vielleicht. Wenn Christsein ein mutiger Akt wird, vielleicht bekennen sich dann mehr Menschen dazu? Ich suche mir für Ostern auf jeden Fall bewusst eine Ostermesse.

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ps: ich habe heute große Probleme mit dem Layoutprogramm, das meinen Text ums Verrecken nicht korrekt abspeichern und veröffentlichen will, ich habe jetzt irgendwie getrickst, aber der Text sieht komisch aus. Müssen wir so hinnehmen.

 

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Notre-Dame de Paris

Heute Abend (in der Zwischenzeit ist es gestern) in weniger als drei Stunden sind große Teile der Kathedrale Notre-Dame de Paris abgebrannt. Neun Jahrhunderte Geschichte, die Revolution und sämtliche Kriege hat sie überstanden, und die Restaurierung wurde ihr (möglicherweise) zum Verhängnis. Noch weiß man nichts Genaues, aber man spricht von einem Kurzschluss oder Schweißarbeiten, die das Feuer eventuell ausgelöst haben. Als der 96 Meter hohe hölzerne Turm, la flèche, (der Dachreiter auf Deutsch) abbricht und fällt, schluchzt nicht nur ganz Paris auf, auch ich vor dem Fernseher weine. Ich habe alle meine Paris-Fotos durchgesehen: ich habe den Eiffelturm hunderttausendmal abgelichtet, selbst den Arc de Triomphe habe ich, wie kann es sein, dass ich die Kathedrale nicht einmal fotografiert habe?! Schnöde ignoriert, wie etwas, was einfach ganz selbstverständlich da ist. Hinter den Bouquinisten, auf dem Weg zum Musée d’Orsay habe ich sie immer gesehen und nicht einmal fotografiert. Wann war ich das letzte Mal in der Kathedrale gewesen? Ich weiß es nicht mehr, es ist mehr als dreißig Jahre her. Es sei, als sei plötzlich jemand gestorben, dem man nie gesagt habe, wie sehr man ihn liebe, sagte vorhin jemand in einer der vielen Direktsendungen, die es heute Abend gab. This is so heartbreaking sagte eine amerikanische Freundin, die noch nie in Frankreich war und sich so auf ihren ersten Parisbesuch im Sommer freute. So fühle ich mich auch. Trauernd. Traurig.

Wir werden Notre-Dame, das Herz von Paris, wieder aufbauen, sagte Macron vorhin. Es wird Jahre dauern, Jahrzehnte, das größte Problem aber sei nicht das fehlende Geld (es wird eine Spendenaktion geben) sondern die (fehlenden) Menschen, die Wissen, Können und Fertigkeiten haben, um einen solchen Dachstuhl wieder aufzubauen. Ob die Glasfenster und die Orgel unbeschädigt sind, ist heute Abend noch nicht sicher.

Im folgenden (französischsprachigen) Video geht es zunächst viel um die Architektur von Notre-Dame (anscheinend „bewegte“ sich die Kathedrale und die Baumeister versuchten mehrfach, sie zu stabilisieren) – tolle Aufnahmen innen und außen und von oben – auch wenn man den Text vielleicht nicht versteht. Später sieht man die Kathedrale in historischen Aufnahmen – und die Tränen Kohls beim Abschied von Francois Mitterand und sogar Yasser Arafat ist dabei.

ps: die drei Fotos der brennenden Kathedrale habe ich der Internetseite des Le Figaro sowie der Zeitung l’Alsace entnommen.

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Rund um die Insel

Einmal noch kriegen Sie Inselfotos – nur damit Sie wissen, was Sie verpasst haben ;-) einen tollen Ausflug, eine nette kleine Gruppe, gemütliches Spazierenschlendern (nachdem ich gerade schon zweimal in zügigem Schritt über die Insel gewandert bin, war das Tempo dieses Mal ein Vergnügen!) und, trotz wackeliger Voraussagen und mitgeschlepptem Schirm, hatten wir allerschönstes Wetter! Zum ersten Mal hat sich mein winterblasses Gesicht etwas gerötet und über Nacht hat sich die Rötung in einen zartbraunen Teint verwandelt. Ab sofort ist Sonnencreme angesagt. Obwohl … heute ist es schon wieder bedeckt und windig –

Hier eine kleine Auswahl der gestrigen Inselfotos. Kennen Sie schon, ist immer dasselbe, aber schön ist es trotzdem. 

à bientôt!

*falls eine der Personen auf den Fotos nicht damit einverstanden ist, hier gesehen zu werden, bitte eine kurze Meldung an mich. Merci!

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Lust auf die Insel?

Gestern begleitete ich eine Journalistin durch Cannes und auf die Insel Ste. Marguerite. Es war, wie fast für die ganze Woche, Regen angesagt. Besonders warm sollte es auch nicht sein. Ich zog mich dreimal um und entschied mich dann doch für den Wintermantel und ein warmes Halstuch, einen Schirm hatte ich auch dabei. Die Wolken wurden zwar zunehmend dichter, gegen Ende war der Himmel sogar richtig schwarz und es donnerte und blitzte, aber wir haben es trockenen Fußes geschafft. Zwischenzeitlich kam ich mir total lächerlich vor mit dem Mantel, während die kleinen Segler der Segelschule ihre Bootchen ins Wasser schoben und dazu selbst bis zum Bauch im Meer standen.

Morgen begleite ich noch einmal Journalisten dorthin und am Samstag geht es zum dritten Mal in dieser Woche auf die Insel – mit Michael Chevalier und Ihnen, wenn Sie vor Ort sind und mitwandern wollen. Denken Sie daran, Laufschuhe anzuziehen, ich war gestern (es war offiziell nur eine „kurze“ Tour) eher stadtfein, das wird auf Dauer etwas anstrengend! Ich lasse hier noch einmal Michael Chevalier zu Wort kommen:

Liebe Wanderfreunde, als wir im Februar 2011 zum ersten Mal einen Ausflug zur Ile Sainte-Marguerite gemacht haben, waren wir mehr als 25 Teilnehmer – jetzt werden wir nur 9 Ausflügler sein.

Die Fähre der Riviera-Lines startet um 10.00 Uhr ab der Embarcadère Ile Sainte-Marguerite vom Hafen in Cannes. Gleich daneben gibt es ausreichend Parkplätze: Quai Max Labeuf – 43.546677,7.013864.  (Anm. der Autorin: Achtung, die sind kostenpflichtig!) Um 10.15 Uhr werden wir uns am Landesteg auf der Insel treffen und gehen zuerst zum Fort Royal Sainte-Marguerite hinauf und lernen dort bei der Besichtigung die immer noch historisch wirkende Atmosphäre dieser weitläufigen Festungsanlage kennen. Der Eintrittspreis beträgt ca, € 3 pP. (Anm. der Autorin: Der Preis beträgt für Nicht-Cannois 6,50 €)

Danach beginnen wir mit einem kleinen Abstecher über die beiden historischen Friedhöfe unsere Rundwanderung um die Insel – etwa 7 Kilometer lang, ohne weitere Steigungen, Irgendwo auf der Mitte der Strecke werden wir an einem gemütlichen Platz gegenüber der Ile Saint-Honorat Zeit für ein ausgiebiges Picknick haben. Dann geht es weiter zur Westspitze der Insel und am Anleger vorbei zum Restaurant Escale d’Hiver, wo wir gegen 15.00 Uhr eintreffen werden. Die Rückfahrt der Fähre ist um 16.15 und um 17.00 Uhr.

Die Wetterprognosen sind im Augenblick nicht schlecht – es empfiehlt sich aber einen leichten Wind- und Wetterschutz mitzunehmen. Wanderausrüstung ist nicht erforderlich, lediglich der Rucksack mit den Picknickutensilien und der Fotoapparat sind angesagt. (Anm. der Autorin: und bequeme Laufschuhe!)

Damit ihr vorab einen kleinen Eindruck von der Wanderstrecke bekommen könnt, habe ich hier einen Videoclip bereitgestellt:

Ich freue mich, euch am Samstagmorgen zu treffen!

Bien amicalement, Michael


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Ballon – Le vent de la liberté

Veranstaltungstipp (in Zusammenarbeit mit der Association Cinécroisette) : Am Montag um 19.30 Uhr im Kino Les Arcades 77, Rue Felix Faure, 06400 Cannes : Ballon – Le vent de la liberté. Deutsch mit französischen Untertiteln.

ps: Nachhaltig sehr berührender Film! Super spannend! Ich habe bis zur letzten Sekunde mitgefiebert und das, obwohl man das Ende ja eigentlich kennt. Es gab, zumindest für mein Empfinden (ich kenne das Leben im Osten ja eigentlich nicht), keine falschen Töne. Im Abspann sieht man Originalfotos des zurückgelassenen Ballons (Stasi-Material) und der beiden geflüchteten Familien; dann „zehn Jahre später“ die dokumentarische Filmszene, in der Genscher, auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag, den dort ausharrenden DDR-Flüchtlingen mitteilt, dass „ihre Ausreise möglich geworden“ sei. Ich habe in dem Moment Tränen in den Augen und schnüffele leicht, als das Licht wieder anging. Neben uns saß zufällig ein Deutscher, der die DDR seinerzeit auch flüchtend verlassen hatte. Er ist berührt, hat auch Tränen in den Augen, atmet schwer. Wir fangen an zu reden und sind uns einen Moment sehr nah. Unsere Geschichte.

Das französische Publikum (etwa 60-70 Personen immerhin) applaudierte. So macht man das in Cannes, wenn man einen Film mag. :-)

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Rendezvous auf der Insel?!

Hier wird derzeit wenig geschrieben, es tut mir leid, aber das Real Life ist gerade sehr fordernd. Trotzdem schlage ich mal wieder ein Rendezvous vor – und zwar einen Ausflug auf die Ile Ste. Marguerite. Wär‘ das was? Laufen statt Lesen sozusagen. Natürlich habe ich selbst absolut gar keine Zeit, so etwas zu organisieren, ich hänge mich schlicht an einen von Michael Chevalier* organisierten Ausflug dran, den ich hier zu Wort kommen lasse:

Liebe Wanderfreunde,
heute möchte ich euch ein ganz spezielles Wanderziel vorschlagen, das gut in diese frühsommerliche Zeit passt: „Wir erkunden die Ile Sainte-Marguerite“. Vor ziemlich genau zehn Jahren haben wir als eine der ersten Wanderungen mit grossem Erfolg diesen Ausflug gemacht – also Zeit, wieder einmal dorthin zu fahren und diese wunderschöne Insel zu erleben.Abfahrt ist am Samstag, den 13. April, um 11 Uhr am Hafen in Cannes mit dem Fährschiff der Riviera-Lines nach Sainte-Marguerite, wo wir uns am Landesteg treffen werden.

Von dort gehen wir zuerst zum Fort Royal Sainte-Marguerite hinauf und lernen dort die immer noch historisch wirkende Atmosphäre dieser weitläufigen Festungsanlage kennen. Hier haben sich seit Beginn der Bauarbeiten im Jahr 1624 viele geschichtlich grosse und kleine Ereignisse abgespielt.

Danach beginnen wir mit einem kleinen Abstecher auf die beiden historischen Friedhöfe unsere Rundwanderung um die Insel – etwa 8 Kilometer lang, ohne weitere Steigungen, Irgendwo auf der Mitte der Strecke werden wir an einem gemütlichen Platz gegenüber der Ile Saint-Honorat Zeit für ein ausgiebiges Picknick haben.

Dann geht es weiter zur Westspitze der Insel und zum Vogelschutzgebiet Etang du Batéguier, das gleich neben dem Fährschiffanleger liegt. Um 16.15 Uhr ist die Abfahrt zurück nach Cannes.

Wer sich ein wenig auf diesen Ausflug einstimmen möchte, bekommt mit diesem Videoclip aus meiner Sammlung einen herrlichen Eindruck von den Iles de Lérins und dem Golf de La Napoule. Oder lest doch einfach den neuen Kriminalroman von Christine Cazon: „Auf einer Jacht im Hafen der Île Sainte-Marguerite wird ein Matrose tot aufgefunden. War er im Kokshandel verstrickt? Commissaire Léon Duval mietet sich im Forsthaus ein und ermittelt. STÜRMISCHE COTE D’AZUR, der dritte Fall für Kommissar Duval“.

Gebt mir bitte bis Dienstag, den 9. April, Bescheid wenn ihr an diesem Ausflug teilnehmen möchtet. Ich sende euch dann rechtzeitig alle erforderlichen Informationen.. Amicalement Michael

Ich war seinerzeit dabei auf dieser von Michael erwähnten Insel-Wanderung, (ich glaube allerdings, dass es nur acht Jahre her ist) und wer hätte damals gedacht, dass ich nur ein paar Jahre später einen Krimi geschrieben haben würde, der dort spielt?! Das Leben ist schon verrückt manchmal. Ich bin zwar derzeit oft auf der Insel und in der nächsten Woche sogar gleich zweimal, ich würde aber, weil ich schon lange mal wieder einen Ausflug mit Michael und seiner Wandergruppe machen möchte, auch am 13. April noch ein drittes Mal hinfahren. Und Sie?!

Überlegen Sie es sich – ich kläre in der Zwischenzeit mal ab, wie ich Sie ohne viel Mühe direkt mit Michael Chevalier in Kontakt bringe, er hat keine Website, ist aber beispielsweise auf Facebook zu finden. Auf jeden Fall werde ich ergänzende Informationen hier veröffentlichen.

*Michael Chevalier, ehemaliger Eventmanager, lebt teils in Deutschland, teils an der Côte d’Azur, organisiert ehrenamtlich seit 2009 Wanderungen im Var und im Hinterland der Côte d’Azur.

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1. Deutsches Filmfestival, ein Nachtrag

Hier noch ein kurzer Nachtrag, und damit Sie ihn auch finden, bekommt er einen eigenen Eintrag: Wie war es denn das Filmfestival?, wurde ich hinter den Kulissen mehrfach gefragt. Ich war ja selbst nicht anwesend, ich war unterwegs und kaum war ich zurück, hatte ich viel, sehr viel um die Ohren und ich murmelte und murmele auch weiterhin ständig „ease“ vor mich hin und sage mantramäßig „alles wird gut“, vielleicht schaffe ich es auch, Ihnen von all dem irgendwann zu erzählen, derzeit habe ich auf jeden Fall das Gefühl, ständig außer Atem zu sein, und genau wie dieser Satz komme ich im real life zu allem und nichts. Können Sie mir folgen? Ich musste also erst Zeit finden, den Organisator des Filmfestivals zu befragen. Eine Freundin hatte mir zwischenzeitlich schon ein vernichtendes „bof“ aufs Handy geschickt. Bof, mit heruntergezogenen Mundwinkeln eher bff ausgesprochen, heißt allerhöchstens „naja“. Ihr hat schon Barbara nicht gefallen. Zu langsam. Uninteressant. Bof eben. Und „Alles ist gut“, den fand sie doppelt „bof“. Keine Musik, keine Dialoge. Kein Film in ihren Augen. C’est pas un film, sagte sie tatsächlich. Hm. Ich mochte „Alles ist gut“ auch nicht so richtig, aber eher, weil mich die Hauptdarstellerin in ihrer Rolle nervte. „Sag was!“, hätte ich sie anschreien wollen und schütteln, „sag was verdammt nochmal!“ Sie regte mich auch deshalb so auf, weil ich lange Jahre so ähnlich war. Nichts sagen, lächeln, runterschlucken. Alles ist gut. Kann ich heute nicht mehr aushalten. Ich war auch nicht sicher, ob es ein guter Film für ein erstes deutsches Filmfestival in Cannes sei, aber immerhin ist es der Film einer jungen Regisseurin, es ist ein Film, der im Heute spielt und das Thema ist aktuell und lädt absolut zur Auseinandersetzung über allerhand Themen ein. Das Urteil der Freundin „das ist doch kein Film“ traf mich dann schon. Es ist eben ein deutscher Film. So sind wir. Wir reden viel. Machen weniger Klamauk. Ich rede mit Deutschen ganz anders als mit Franzosen. Wir sind uns kulturell vermutlich ferner als wir immer glauben wollen.

Die Reaktion des Organisators aber war eine ganz andere: „Es war ein toller Erfolg“, rief er mir begeistert durchs Telefon zu, als ich ihn endlich befragte. „Drei ausverkaufte Abende, wir mussten Leute abweisen, weil man uns den allerkleinsten Saal mit nur 70 Sitzplätzen zugewiesen hatte!“ Und die Zuschauer, mit Abstimmzetteln befragt, hatten die Filme im Schnitt mit Acht (von Zehn) Punkten bewertet. Am besten hatte der Thriller „Die Vierhändige“ gefallen. Das finde ich zwar persönlich befremdlich, aber bitte, warum nicht. Ich habe über „Die Vierhändige“ gelesen und nur Gutes gefunden und „unsere“ Zuschauer mochten ihn auch. Super! Alles richtig gemacht, könnte man sagen. Und wir machen daher weiter. Wir wissen, dass es mindestens 70 Personen gibt, die sich für den deutschen Film interessieren, das ist mehr, als bei so manch anderem Festival, wo man manches Mal zu fünft, einschließlich des eingeflogenen Filmemachers, in einem Saal sitzt. (Und auch der neue Film mit Sandrine Kiberlain „Mon Bébé“ lockte hier nur 15 Personen in den 300 Zuschauer fassenden Saal.) Die Kinobetreiber fanden es auch gut und haben uns für die nächsten Séancen größere Säle versprochen. Hurra! Wir wollen, sobald die Filme mit Untertiteln versehen und auf den französischen Markt geschickt werden, Vorpremieren anbieten und zwar sehr wahrscheinlich von „Ballon“, „Das schweigende Klassenzimmer“ und „Werk ohne Autor“. Und vielleicht bekommen wir auch noch „Bella Martha“ zu sehen. Irgendein Verleih hat dann doch noch eine Kopie mit Untertiteln im Keller gefunden. Und ich arbeite persönlich daran, dass wir eines Tages auch einen Film von Fatih Akin zeigen!

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1. Deutsches Filmfestival Cannes

Hoho! Der Titel klingt wahrlich reißerisch! Schrauben Sie Ihre Erwartungen runter, alles wird ganz klein, es ist aber dennoch das erste Mal, dass hier mehrere aktuelle deutsche Filme gezeigt werden, und das immerhin feiern wir!

Zwischendurch war ich ein bisschen unglücklich, Sie haben sich alle so engagiert, mir hier und da und dort noch Filmvorschläge geschickt, vielen Dank! Ich habe wahnsinnig viele Filme gesehen und gab Besprechungen und Eindrücke weiter. „Wie weit seid ihr denn?“, wurde ich schon von Ihnen gefragt. „Wie läuft es denn ab?“ „Weiß ich auch nicht“, musste ich antworten. Denn, wie so oft in Frankreich, passierte nichts. Also scheinbar passierte nichts, sagen wir so. Und ich fühlte mich mal wieder so zwischen allen Stühlen. Wollte Ihnen dieses Filmfestival und das Interesse der Franzosen für Deutschland und deutsche Filme so gerne in schillernden Farben darstellen, Diskussionen und Themen wiedergeben und ich bedrängte den Präsidenten des Vereins mit Fragen und bat um Informationen, aber er antwortete mir einfach nicht. So ist das hier. Ich dachte, ich werde einmal mehr einen Text zu Organisation, Spontanität und dem französischen Verständnis von Freiheit schreiben. Liberté! rief  Jakob aus Schabbach in „Die andere Heimat!“, die ich so gerne hier vorgeführt gesehen hätte. Lange der (nicht nur von mir) favorisierte Film. Zwei Filme eigentlich, was die Vorführung erschwerte.

Gestern also bekam ich Nachricht. Pas trop tôt, wie man hier ironisch sagt, „nicht zu früh“, gemeint ist, „bisschen spät“. Denn das Filmfestival findet am kommenden Wochenende statt. Das ist Ihnen zu kurzfristig? Da haben Sie jetzt schon was anderes vor? Tant pis. Pech. Für Sie natürlich. Hier müssen Sie viel spontaner sein. Wenn Sie sich das Wochenende freigehalten hätten, hätte es auch genauso gut gar nicht stattfinden können. Mehr als ein Achselzucken als Entschuldigung hätten Sie nicht bekommen. Da hilft kein Aufregen. So ist das hier. Lange Rede, ich war nicht bei der Entscheidung beteiligt und es werden drei Filme gezeigt. Drei? Ja, nur drei! Die Kinos, mit denen wir zusammenarbeiten, hatten keine freien Säle. Aber das hatten Sie uns doch versprochen?! Eh beh, ja, aber jetzt ist es so. Es sind ja offizielle Kinovorführungen, die Kinochefs sind nett, aber sie sind nicht die Heilsarmee. Geld verdienen wollen Sie schon. Also, jetzt drei Filme, später im März kriegen wir vielleicht noch einen oder zwei andere Filme unter. Das 1. Deutsche Filmfestival in Cannes bekommt also einen eher zögerlichen Auftakt. Schade, oder auch nicht. Denn ich bin gar nicht da am Wochenende und komme so hoffentlich wenigstens in den Genuss der zwei später gezeigten Filme.

Tatatataaaa … Trommelwirbel – Cinécroisette proudly presents:

Das isses? Ja. Das isses. Ach.

Ich gebe zu, ich war zunächst super enttäuscht. Ein Thriller! Und kein Fatih Akin. Nicht Doris Dörrie. Nicht Heimat. Nicht Bella Martha. Nicht Sophie Scholl. Gut, nachdem ich die Enttäuschung etwas verdaut habe, kann ich den Erklärungen zustimmen:

„Wir wollen“, sagt Serge Basilewski, seines Zeichens Président de l’association, der Vereinsvorsitzende zu deutsch, „etwas Neues zeigen, also einen oder zwei in Frankreich komplett unveröffentlichte Filme oder eine Vorpremiere; wir wollen einmal nicht das ewig durchgekaute Zweite-Weltkriegsszenario, hingegen Filme, die den Osten (bzw. Deutschland in den 80er Jahren) zeigen, und drei unterschiedliche Genres sollten es sein. Einen Film von Petzold wollen wir dabeihaben“ und, füge ich hinzu, ein Film einer Filmemacherin sollte es auch sein. Das alles waren die Auswahlkriterien für zunächst drei Filme. Das haben wir hingekriegt. Immerhin. Und immerhin ist Barbara von Christian Petzold dabei. Für den habe ich mich sehr stark gemacht.

Später im Monat würden wir gerne noch Ballon zeigen und Werk ohne Autor, sobald die Versionen mit französischen Untertiteln verfügbar sind. Insbesondere Werk ohne Autor (ja, ich habe die Diskussion mit Gerhard Richter mitverfolgt) interessiert hier die Kinochefs. Dafür kriegen wir also bestimmt einen Saal. So siehts aus.

Kommen Sie zahlreich, möchte ich Ihnen zurufen, vom Interesse des Publikums und der Anzahl der verkauften Plätze hängt die Zukunft für weitere „deutsche Festivals“ ab! Für Mitglieder der Association sind die Vorführungen gratis, für alle anderen beträgt der Eintrittspreis 6.50€. Die Filme laufen in der VOST, version originale soustitré, deutsch mit französischen Untertiteln. Und leider bin ich selbst nicht dabei, es wird also kein inoffizielles Treffen mit der Autorin. Ein andermal.

Hier noch der offizielle Link zum Verein CinéCroisette.

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Ausflug nach Monaco

Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen hatten, aber die Autorin hatte einen Leseabend in Monaco. Wo bitte? Sie haben richtig gelesen, in MONACO! Eingeladen hatte der Deutsche Internationale Club des Fürstentums Monaco, dessen Ehrenvorsitzender, Sie denken es sich, Seine Durchlaucht Prinz Albert II von Monaco ist. Ort der Lesung war der Yachtclub von Monaco, ein noch ziemlich neues Gebäude am Hafen, das an ein Kreuzfahrtschiff erinnert, und dort in der Sunrise Bar im 5. Stock, quasi auf dem Oberdeck.

Die großzügige Einladung beinhaltete vor der Lesung eine private Tour durch Monaco (nein, nicht mit Prinz Albert) und ein Abendessen danach, im Restaurant des Yachtclubs. Monsieur war freundlicherweise miteingeladen. Ich wusste, dass mein Wagen am Yachtclub, wo wir auch den Treffpunkt für die Monaco-Tour hatten, von einem voiturier geparkt würde. Es ließ mich im Vorfeld lachen, unser kleines, verbeultes Autochen in Monaco zwischen all den Luxusautos – so etwas hatte der voiturier sicher noch nie geparkt. Ich zwang Monsieur, es wenigstens durch die Waschanlage zu fahren und auch von Innen etwas zu entmüllen. Wir kleideten uns so gut wir konnten und fuhren los. Ich hatte mir angesehen, wo der Yachtclub lag und ließ mir zusätzlich den Weg von Google Maps auf dem Handy anweisen. Monaco ist klein, aber für Unkundige doch etwas verwirrend.

Nun, vielleicht wissen Sie es, Monaco ist fast vollständig untertunnelt, und mein GPS verlor sich in den Tunneln, und bis es sich wieder gesammelt hatte, musste ich schon selbstständig entscheiden, wohin ich abbiegen wollte. Nirgends war der Hafen oder der Yachtclub angeschrieben, „links oder rechts?“, frage ich Monsieur, der zuckt mit den Schultern, und ich fahre nach links. Nach 50 Metern kommen wir zu dem berühmten Platz vor dem Casino, vor dem Café de Paris und vor dem edlen Hotel de Paris und ich wurde panisch. Es ist DIE m’as-tu-vu Strecke, ich kenne sie aus dem Fernsehen, immer, wenn man Monaco zeigt, zeigt man diesen Ort: an der Terrasse des Café de Paris fährt man vorbei, wenn man von der Welt gesehen werden will. Ich will ganz bestimmt nicht gesehen werden mit dem kleinen verbeulten Toyota, von gar niemandem, aber es gibt kein Entrinnen, ich kann mich nur einreihen zwischen Porsche und Rolls Royce und Maserati und einem röhrenden Ford Mustang und einmal den kleinen Platz umrunden. Ich werde rot vor Scham  und Aufregung.

Und wohin jetzt? Ich bin etwas nervös, wir sind schon leicht zu spät für das Rendezvous am Yachtclub, ich sehe eine Polizistin, die kurz hinter dem Platz steht, fahre auf sie zu, lasse die Scheibe runter und frage nach dem Yacht Club. „Yacht Club?“ (Joht Klöbb spricht man das hier aus, falls Sie je in die Verlegenheit kommen sollten) wiederholte sie ungläubig. Ich nicke. Sie zeigt geradeaus und sagt etwas, was ich nicht verstehe, weil Monsieur gleichzeitig spricht. „Du stehst ungeschickt, recule!„, fordert er mich auf. Fahr ein Stück zurück, meint er. Ich werfe einen Blick zu ihm und vor dem Rückwärtsfahren glücklicherweise in den Rückspiegel und sehe einen Bus, der mich fast von der Straße schubst. „Recule!“ sagt Monsieur ungeduldig. „Ich kann nicht, da ist ein Bus“, entgegne ich gereizt. „HÖREN SIE MIR EIGENTLICH ZU?“, ruft die Polizistin laut und sieht mich streng an. „Ja, ja, natürlich.“ Ich werde noch röter und wiederhole dumm jedes Wort, das sie sagt, „geradeaus, links, Tunnel …“  bedanke mich und fahre los. „Nach fünfzig Metern rechts“, mischt sich überraschend wieder das GPS ein. Was denn jetzt? Rechts oder links? Ich vertraue, warum auch immer, dem GPS und nach zwei weiteren Kurven fahre ich am Yachtclub vorbei, allerdings auf der falschen Seite und ich mache entschlossen einen U-turn. Dann komme ich weder vor noch zurück, wir stehen direkt hinter einem geparkten silbernen extravaganten Porsche, der gerade von ein paar jungen Männern fotografiert wird, daneben geht es auf die höher liegende Zufahrt zum Yachtclub. Sie ist mit dickem Teppich ausgelegt. „Fahr hoch“, sagt Monsieur. „Auf den Teppich?“, frage ich fassungslos, traue mich nicht und würde gern jetzt hier diskret rückwärtsfahren. Hinter mir steht aber bereits ein großer Geländewagen, der seinerseits gerne dort hochfahren würde. Ein livrierter Mann eilt auf uns zu. „Was machen Sie denn hier?“ fragt er. „Es sieht vielleicht nicht so aus, aber wir haben hier eine Verabredung“, sage ich entschuldigend. „Was soll das heißen, es sieht nicht so aus?!“, mischt sich Monsieur verärgert ein, „wir SIND hier verabredet!“ „Dann fahren Sie hoch, Sie blockieren hier alles!“ winkt er mich durch. Oben reißt ein anderer livrierter Herr uns augenblicklich die Autotüren auf. Aus dem Geländewagen hinter uns steigt bereits die Dame, mit der wir verabredet sind. „Ich dachte mir schon, dass Sie das sind“, lacht sie. Unser Toyota ist schon verschwunden, wir steigen in den Geländewagen und bekommen eine Stunde lang eine exklusive Monaco-Führung. Jede Straße (es gibt nicht so viele) wird abgefahren und wir erfahren zu jedem Stadtviertel und fast zu jedem Gebäude etwas. Eine 100 Quadratmeterwohnung im neuen Turm Odéon kostet etwa 56.000 Euro Miete pro Monat. In jedem neuen Gebäude müssen, das ist eine Regel, immer Wohnungen zu einem normal erschwinglichen Preis für die Monegassen mit eingeplant werden. Aber sicher nicht die Penthousewohnung, die zurzeit als teuerste Wohnung der Welt gehandelt wird. Wir fahren durch das Monaco der Monegassen, wo man in ganz normalen Läden und Supermärkten zu einem ganz normalen Preis einkaufen kann und später hinauf auf den Hügel mit der Altstadt und dem Palast der Grimaldis.

Man will es gar nicht glauben, aber in meinem Leben war ich tatsächlich erst dreimal in Monaco. Das erste Mal mit einer Jugendgruppe, ich war dreizehn und fühlte mich großartig, weil man uns erstmals Geld in die Hand gedrückt hatte, damit wir unsere Mittagsverpflegung, einen Sandwich, selbst kaufen konnten. Ich erinnere mich vage an die großen bunten Geldscheine; es schien mir so viel Geld zu sein und ich hätte gerne noch ein Eis und eine Cola und eine Ansichtskarte oder was auch immer, aber dann blieb nach dem Kauf des Sandwichs doch gar nichts davon übrig. Das Sandwich war so üppig belegt, wie ich das aus Deutschland nicht kannte und sogar mit dicken schwarzen Trauben, in die ich herzhaft biss, um sie dann sofort angeekelt auszuspucken. Igitt! Was war das denn?! Die „Trauben“ entpuppten sich als Oliven und es war meine erste Begegnung mit ihnen. Lustig, es fiel mir gestern, als wir vor dem Palais vorbeifuhren, wieder ein. Das zweite Mal begleitete ich Monsieur zu einer Untersuchung in der Herzklinik kurz vor seiner Herz-OP und hatte wenig Sinn für Tourismus, und das dritte Mal brauchte ich ein bisschen Monaco-Flair für den zweiten Duval-Krimi, kam aber nicht so weit rum, wie jetzt bei der Führung.

Monaco hat sogar ein Gefängnis erfahren wir und sehen Stacheldraht und Gitter zwischen Palmen hervorblitzen, die Zellen haben Meerblick und angeblich kommt das Essen vom Hotel de Paris. Rein ins Gefängnis kommt man wohl schnell, es reicht schon, unfreundlich zu einem Polizisten zu sein. Ob das alles stimmt?! Ich wollte es nicht testen. Und zum Abschluss fahren wir noch einmal um den Platz vor dem Casino und am Café de Paris vorbei. Jetzt aber in einem standesgemäßen Auto. Wir halten vor dem Hotel de Paris, man reißt uns die Türen auf, erst die des Autos, dann die des Hotels und wir sehen die schöne Halle und den Innenhof des frisch renovierten 5 Sterne Hotels. Alles ist neu und hell und edel und sehr geschmackvoll. Von dort geht es zum Casino mit öffentlichen und privaten Spielsälen, der Eingang der Oper liegt ebenfalls hier (der Prinz hat übrigens einen eigenen Eingang!) und zum Abschluss laufen wir ein paar Schritte durch ein am Vortag wiedereröffnetes „nagelneues“ Stadtviertel (das Ursprüngliche wurde abgerissen), edle Boutiquen (Prada, Akris) in geschwungenen Kurven aus Glas. Akris ist übrigens die Lieblingsmodemarke von Charlène, erfahre ich. Nach Charlène wurde dort auch eine neue Straße benannt.

Dann fahren wir zum Yachtclub, auch hier bekommen wir alles gezeigt – ein edler Club, beinahe ein Museum, das Erdgeschoss voller Schiffsmodelle, großformatiger Fotografien und Plakate und einer Sammlung von „demi-coques“, den deutschen Begriff dafür kenne ich leider nicht. Ein Restaurant und unterschiedliche Säle und im 5. Stock die Cocktailbar, in der ich schnell noch Bücher ausbreite und mich an einem Tischchen installiere. Die Gäste kommen schon. Man stellt sich und uns vor und ich werde mehrfach behandkusst. Es gibt Häppchen und Getränke. Ich bin unsicher, ob ausgerechnet der 5. Krimi, der im rauen Hinterland von Nizza spielt, eine Geschichte von Wölfen und Schafen, hier gut ankommen wird, aber man hört mir aufmerksam zu, niemand starrt auf sein Smartphone und niemand geht. In der Pause wird lebhaft diskutiert und gefragt und wir müssen die Diskussion abbrechen, weil ich noch ein kleines Stück aus dem noch unveröffentlichten Krimi lesen soll und wir danach pünktlich im Restaurant sein wollen. Natürlich kommen wir zu spät, weil noch Bücher gekauft und signiert und Fotos gemacht werden. Im Restaurant bekomme ich wieder Handküsse zur Begrüßung, Monsieur hingegen muss sich eine Kravatte leihen, und er steht als deutscher Herr Dreher auf der Einladungsliste. Monsieur ist hier „der Mann von“ :-)

Mittags hatte ich für uns extra „nur etwas Leichtes“ gekocht, nämlich Lachs mit Gemüse, damit wir abends noch ein Menü essen können, und was hat uns der neue Chefkoch des Yachtclubs zugedacht? Lachs mit Gemüse. Aber alles ist bio und das Gemüse aus dem Wok, und angerichtet ist alles wie ein Kunstwerk, und vorher gab es noch lauwarmen Wachtelsalat und danach ein köstliches Mandarinensoufflé. Sublime! Und nein, ich habe mich in diesem Rahmen nicht getraut, irgendetwas mit dem Handy zu fotografieren. Nirgends übrigens. Nur den Blick aus dem 5. Stock habe ich gewagt, aber er gibt nicht wieder, wie edel der Rahmen war. Spät abends fahren wir zurück, drücken dem voiturier, der uns den Toyota vorfährt, und dem Rezeptionisten, der meinen Bücherkarton in den Kofferraum verstaut, diskret je einen Schein in die Hand und fahren zurück nach Cannes, das mir angesichts der hochflorigen Teppiche, des edlen Glitzer und der Dichte der Porsches, Bentleys und Rolls Royces in Monaco nun beinahe ärmlich vorkommt.


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Erste Filmauswahl

Jetzt aber ganz schnell mal was geschrieben, ich komme zu gar nichts mehr, vor lauter Filme gucken. Danke! Danke! Danke! für alle Ihre Vorschläge! Toll, echt! Wie ich in dem einen oder anderen Kommentar schon schrieb, toller Nebeneffekt ist, dass ich auch jenseits dessen, was wir vermutlich zeigen werden, so viel Neues zu sehen kriege. Also neu für mich. Sehr schön finde ich das, und egal, ob das jetzt Sauerkrautkoma ist oder der Sommer in Orange, Aenne Burda oder Weit. Ich schau alles an! Auf jeden Fall den Trailer, das eine oder andere gibts in der Mediathek, anderes kommt auf eine „Will-ich-sehen-Liste“ und wenn es mal „Zehn Filme für den Preis von Einem“ gibt, dann bestelle ich mal eine Ladung für die langen Winterabende.

Hier jetzt ein kleiner Zwischenbericht und Einblick in das Prozedere:

Es wird das erste deutsche Filmfestival in diesem Filmclub, Cinécroisette heißt er, der so gut wie keine finanzielle Unterstützung der Stadt bekommt (also gerade so viel, dass man die Stadt immer auch als Unterstützer nennen muss) und sich insofern selbst trägt und vor allem vom Engagement seines Vereinspräsidenten, wie man den Vorsitzenden hier nennt, und seiner Lebensgefährtin lebt. Sprich, wir haben ein kleines Budget. Neue („große“) Filme (von bekannten Filmemachern) mit noch hoher Leihgebühr können wir uns nicht leisten. Dennoch werden die Filme nicht flimmerig auf einem weißen Leintuch im Keller eines Mitglieds gezeigt, sondern wir arbeiten ganz klassisch mit drei oder vier Kinos in Cannes und in Le Cannet zusammen, d.h. wir brauchen Filme, die so aufbearbeitet sind, dass sie mit der aktuellen Filmtechnik zu zeigen sind, und es kostet Eintritt. Die Filme müssen also zugkräftig sein, schon um die Kinos zu überzeugen, die uns dafür einen Saal zur Verfügung stellen, und sie sollten dort nicht schon gezeigt worden sein, denn dann hat das am deutschen Film interessierte Publikum sie schon gesehen und kommt nicht nochmal. Die Filme müssen über den offiziellen französischen Filmverleih zu bekommen sein, so haben sie Untertitel, ohne die sie hier nicht funktionieren. Dem fielen zum Beispiel „Der Junge muss an die frische Luft“ zum Opfer oder „25 km“: nix französischer Filmverleih, nix Untertitel, nix guckstu. Kann ja noch kommen, beide Filme sind relativ neu und wir laufen uns ja auch erst warm. Nächstes Jahr vielleicht.

Alles in allem werden an vier Tagen etwa sechs Filme gezeigt (Freitag Abend, Samstag früh und Abend, Sonntag früh und Abend und Montag Abend). Wir versuchen also einem französischen Publikum in sechs Filmen das aktuelle (in etwa die letzen 15 Jahre) deutsche Kino, deutsche FilmemacherInnen und deutsche Themen anzubieten. Es sollte nicht zu abseitig sein, nicht zu bizarr, nicht zu fremd. Wir wollen das Publikum ja nicht erschrecken, sondern anlocken. Franzosen sind anders, sie lachen zum Beispiel kein bisschen über Dinner for One, und Der Tatortreiniger wird hier auch nicht verstanden. 

Bekannt sind hier bereits: Das Leben der anderen, Godbye Lenin, Toni Erdmann, die Filme von Michael Haneke, Liebe und Das weiße Band (die bekamen je eine Palme), Drei Tage in Quiberon; die werden wir also nicht noch einmal zeigen. In unserer engeren ersten Auswahl waren (in willkürlicher Ordnung):

Andreas Dresen: Gundermann

Eva Trobisch: Alles ist gut.

Doris Dörrie: Kirschblüten – Hanami

Christian Petzold: Barbara. Phoenix. Transit

Fatih Akin: Soul Kitchen. Auf der anderen Seite. Tschick. The Cut.

Sönke Wortmann: Diplomatie.

Hans Weingartner: 303

Oliver Kühnle: Die Vierhändige.

Edgar Reitz: Die andere Heimat (2 Teile)

Robert Schwentke: Der Hauptmann

Lars Kraume: Das schweigende Klassenzimmer

Jan-Ole Gerster: Oh Boy

Sandra Nettelbeck: Bella Martha.

Marc Rothemund: Die letzten Tage der Sophie Scholl

Die sehe ich jetzt alle an. Manche kenne ich auch schon, sehe ich mir aber nochmal an. Mit der Frage im Kopf, ob es den Franzosen gefallen könnte, ob es ein aussagekräftiger Film für Deutschland ist undsoweiter. Sechs Filme sollen übrig bleiben, die Deutschland umfassend zeigen. Können Sie ja mal mitüberlegen, wenn Sie wollen. Wir haben schon eine Menge Filme aussortiert. Warum und was übrig bleiben wird, erzähle ich Ihnen das nächste Mal.

Schönen Abend wünsche ich! Bon cinéma!


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Kleine Bitte: (neue) deutsche Filme gesucht

Seit ein paar Tagen oder besser Nächten schlage ich mir diese um die Ohren, weil mich ein Freund, der hier in Cannes einen Filmclub leitet, und der Anfang März zum ersten Mal ein kleines deutsches Filmfestival organisieren wird, um Mithilfe gebeten hat. Ich schaue mir also (relativ) neue deutsche Filme oder wenigstens ihre Vorfilme an und lese Kritiken. So richtig glücklich bin ich nicht, mit dem, was ich finde. Kann es sein, dass wir in Deutschland immer noch oder nur Filme zum Zweiten Weltkrieg inklusive Nachkriegsdeutschland drehen?! Ich krieg ja nicht mehr so viel mit von der deutschen Kultur, die leiseren Töne schwappen selten über die Grenze und bis hier unten in die südliche Provinz. Wer macht denn bitte den deutschen Gegenwartsfilm, der (erwachsene!) Deutsche und Deutschland von heute zeigt? Gerne auch amüsant und leicht (können wir das?) aber weder Kinderfilm noch Klamotte bitte. Das Publikum, das hier bespielt werden soll, ist eher ähm sagen wir mittelalt, konservativ aber filmerprobt. Da wir als Deutsche hier sowieso immer auf die Rolle des Besatzers und Nazis festgelegt werden, würde ich nur einen (maximal zwei) Film(e) wählen wollen, der/die damit zu tun hat(ben). Dann wünsche ich mir, dass wir das Publikum überraschen und andere Facetten des Lebens und der Geschichte der Deutschen und Deutschlands zeigen können. Ich nenne erstmal nicht unsere bzw. meine erste Auswahl, damit Sie nicht voreingenommen sind. Gibt es einen Film oder zwei oder drei (aus technischen Gründen der letzten 10-15 Jahre), die Sie als aussagekräftig für das Deutschland von heute halten und Franzosen gerne zeigen würden?! Die Antworten dürfen ganz kurz sein – mit oder ohne Begründung! Danke!!!

Mehrfachnennungen sind ok und zeigen nur einen Konsens, durchaus hilfreich! :-)

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Herbst in Peking

Monsieur hat am Montag auf dem Flohmarkt diese noch unaufgeschnittene Ausgabe von Boris Vians L’Automne à Pékin gefunden.

Buch mit Dessertmesser

Gedruckte Bücher, das wissen Sie vielleicht, werden seit je in einem eigenartig, dem Laien wirr erscheinenden Seiten-Schema (dem Ausschießschema) auf Papierbögen gedruckt, diese werden dann gefalzt und alle gefalzten Bögen aufeinandergelegt (die Seiten sind dann wundersamerweise in der richtigen Reihenfolge!) und der so entstandene Buchblock wird in der Regel an drei Seiten beschnitten. An der hinteren Seite wurden diese gefalzten Bögen früher mit Fäden zusammengebunden und in einen Einband verwebt. Heute wird diese Seite in der Regel auch aufgeschnitten und zackzack in den Einband geklebt. Das nur als minimale Information – für den Fall, dass Sie nur noch Videos schauen. Neulich fragte tatsächlich eine Instagrammerin, ob eigentlich noch irgendjemand ihre „langen Texte auf Insta“ läse oder ob sie nicht zukünftig nur noch Videos anbieten solle. Die jungen Leute sind ja alle kleine Entertainer heute. Willste Video? Mach isch dir! Zurück zum Buch. Wir sind ja altmodisch hier.

Früher, mes chers lecteurs, hat man (nicht nur) in Frankreich seine Bücher unbeschnitten erworben. Die aufeinandergelegten Bögen waren gebunden oder in einen Einband geklebt und das wars. Je nach Falzung waren die Seiten dann oben, an der Seite und unten verschlossen. Die Seiten vorsichtig mit einem Papiermesser (bei uns ist es ein schlichtes Dessertmesser) dann selbst aufzuschneiden und sich der Lektüre langsam zu nähern, galt (und gilt dem Gatten beispielsweise noch immer) als Vergnügen. Später brachte man das gelesene Werk vielleicht zu seinem Buchbinder, damit er es schön in Leder, Leinen oder Halbleinen binden möge. So geschützt stellte man das schöne Buch in seine private Bibliothek und es überdauerte die Jahrzehnte, ein Leben, manchmal auch länger. Natürlich machte man das nur mit den Werken, die man literarisch, wissenschaftlich oder aus anderen Gründen besonders schätzte. Und natürlich machten es nur bibliophile Menschen, die zusätzlich über die finanziellen Mittel verfügten.

Vielleicht kommt die  französische „hohe“ Literatur auch deshalb bis heute in schlichten und blassen Pappbänden in die Buchhandlungen (während die Unterhaltungsliteratur bunte Einbände bekommt), eine Reminiszens an die Zeit, in der man die hochgeschätzte Literatur noch selbst binden ließ. Heute allerdings sind auch die literarischen Pappbände beschnitten, klar, die Technik schreitet fort, und wer hat heute noch Zeit und Lust, vor dem Lesen umständlich Seiten aufzuschneiden?! Und vermutlich lässt auch niemand mehr seinen Camus oder seinen Houellebecq binden.

Der gefundene Roman von Boris Vian war also noch unaufgeschnitten und das seit den frühen sechziger Jahren. Es gab übrigens auch zehn nummerierte Exemplare, Buchschätzchen für Sammler, und fünf weitere Bücher HC hors commerce, die den Mitarbeitern (Drucker, Lektor, Verleger) vorbehalten waren. Gedruckt wurde es am 22. November 1963 vom Maître Imprimeur Joseph Floch in Mayenne. Das steht alles auf der letzten Seite, das habe ich mir nicht ausgedacht.

Ich habe noch nie etwas von Boris Vian gelesen, auch nicht L’Écume des jours (dt. Der Schaum der Tage) oder den Skandalroman J’irai cracher sur vos tombes (dt. Ich werde auf eure Gräber spucken). Raymond Queneau, der Autor von Zazie dans le métro, findet, so steht es auf dem Klappentext, L’Automne à Pékin sei „un livre beau et étrange“. Aha. Ich wollte donc nur mal schnell wissen, um was es in L’Automne à Pékin so geht, und da bei mir das Lesen auf Deutsch immer noch schneller geht als auf Französisch, gab ich dazu den deutschen Titel bei google ein: Herbst in Peking. Und siehe da, Boris Vian fand ich nicht, stattdessen die Musik einer (ex-DDR)-Band (darf man noch DDR sagen?!) Völlig unbekannt für mich. Finde ich gerade spannender als Boris Vians Roman, in dem es übrigens laut Klappentext weder um den Herbst noch um Peking geht.

Ob mich dieser Beitrag für eine zukünftige Einreise nach China diskreditieren wird, steht noch dahin, die chinesischen Suchmaschinen, die mich neuerdings massenhaft beehren,  kriegen auf jeden Fall was zu tun.

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