Corona Tagebuch – Tag 44

Ein vorbildlicher Quarantäne-Tag, keinen Schritt vor die Tür gemacht und den ganzen Tag am PC gearbeitet, zumindest ich. Télétravail heißt das französische Pendant zum neudeutschen „Homeoffice“, das ja gar nicht wirklich gibt im englischen Sprachschatz, genausowenig wie „Handy“. Jetzt noch schnell hier ein paar Zeilen, weil ich heute soooo schöne Post bekam! Gleich zweimal, einmal klingelte der Paketbote, der das Paket jetzt vor die Tür stellt und in einem Abstand von 5 Metern darauf wartet, dass ich es in Empfang nehme. Und der Briefträger, der nun auch wieder häufiger kommt, hielt mir einen Umschlag am ausgestreckten Arm und mit abgewandtem Gesicht entgegen. Das Paket kommt von frischmut und enthält ein schwarzes Top und zwei Tücher. Das Top ist in Größe 40 bzw. L und passt wie angegossen. Ich finde deutsche Größen immer so erholsam! Die beiden Tücher sind anders, als ich sie mir vorgestellt habe, das Tuch kleiner (ja die Maße standen dabei, trotzdem) und der Schal schmaler. Aber alles ist schön und fasst sich wunderbar an, das Shirt trage ich schon (unter dem anderen T-Shirt) und den Seidenschal trage ich um den Hals. Es war ein Solidaritätskauf und frischmut erließ mir ebenso solidarisch die Portokosten, obwohl sie höher waren als die Inlandsportokosten. Jetzt, wo ich weiß, dass L / 40 passt, würde ich auch andere T-Shirts bestellen. Auch im Paket ein winziges Leselämpchen als Geschenk und ein Gedicht über die Zeit, wie passend – und das alles, so steht es auf dem Umschlag, gefertigt in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Sehr schön! 

Und im anderen Briefumschlag ein wundervolles Kistchen, vielleicht selbst gemacht, beklebt und gemalt, so sieht es aus, und darin MASKEN!!! Wunderschöne, selbst genähte Masken, mehrere Modelle und Farben, sogar ein paar gedecktere Farben für Monsieur sind dabei! Und Pusteblumensamen, Punkte, Streifen und auf der Rückseite kleine Pinguine. Wie süß! Ich quietschte vor Begeisterung! Für jedes Outfit eine, heißt es, ich aber bin total verliebt in diese blau-weiße, die mich an Delfter Porzellan erinnert. Wie toll! DANKE, liebe Claudia!!! Ich bin sehr gerührt und ich weiß, dass von anderen LeserInnen noch andere Masken unterwegs sind! Aus Papier und aus Stoff, das ist so lieb, dass Sie sich um uns sorgen! Monsieur ist schwer beeindruckt, nicht nur von den Masken, so etwas sieht man hier nicht! Aber vor allem, dass ich so tolle LeserInnen habe! Ich wusste das ja schon immer :D Sie sind die Besten! Danke!

Sieht man, dass ich strahle? Wir müssen jetzt intensives Augentraining machen, vor allem die BrillenträgerInnen, damit wir nicht alle wie finstere, potentielle BankräuberInnen aussehen.

Das geisterte heute durch französisches Internet. „Traumreisen zum kleinen Preis“ heißt es. Man muss es natürlich französisch aussprechen ;-) Ich habe auch nicht alles auf den ersten Anhieb geschafft. Auflösung, falls Sie eine brauchen, gibts morgen!

So, jetzt wechsele ich die Sitzgelegenheit, vom Stuhl am Tisch, auf die Couch. Bonne soirée! Bis morgen, passen Sie weiterhin auf sich auf! 

Ach so, ich wollte noch etwas zu den geschlossenen Fensterläden erzählen, Susanne, fragte das, das mache ich morgen, jetzt kann ich nicht mehr.

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Corona Tagebuch – Tag 43

Viel Regen heute. Immer wieder schüttet es. Am Ende überall hübsche Pfützen.

Ich bin eine schlechte neue Französin, ich habe heute Nachmittag nicht brav dem Premierminister gelauscht, sondern war in der einen Stunde, in der es nicht geregnet hatte, spazieren. Den Kommentaren im Fernsehen entnehme ich, dass noch kein Startschuss für den fröhlichen Wiederanfang am 11. Mai gegeben wurde. Die Geschäfte dürfen wieder öffnen, es herrscht Maskenpflicht, aber alles bleibt streng und wird nur bedingt lockerer, und das alles auch nur und immer vorausgesetzt, dass wir weiterhin brav sind und die Zahlen weiter sinken. Sie können das Neueste zu Corona in Frankreich immer sofort und verlässlich bei Hilke Maunder lesen.

Heute Morgen viel Regen, bizarrerweise aber wurden heute auch die Wasserspiele im Park nebenan wieder angeworfen. Ein eigentlich friedliches Geräusch, aber doch sehr laut. Und das bei Regen? Und mit geschlossenen Parks? Vielleicht ist es auch nur ein Test. Ich bekam noch mehr Arbeit und es wird hier definitiv weniger in der nächsten Zeit, einen Beitrag jeden Tag will ich weiterhin versuchen, aber es wird bestimmt weniger Inhalt. Ich habe das zwar schonmal gesagt, und dann kaum geändert, aber jetzt wird es ernst.

Etwas Amüsantes auf Facebook passiert gerade bei den Improbables bibliothèques, den „unwahrscheinlichen Bibliotheken“, les tranches poétiques heißt das „Projekt“, das gerade so explodiert, dass sie dafür eine neue Seite aufgemacht haben. Man erzählt mit Buchtiteln Geschichten. Hier ein Artikel außerhalb von Facebook. Ich habe das mal gemacht – weniger poetisch als die Franzosen, fürchte ich.

Ich plauderte heute mailend mit Alain Claude Sulzer, den ich neulich verlinkt hatte, Sie erinnern sich vielleicht; ich kannte ihn gar nicht und hatte auch noch nichts von ihm gelesen (haha, ich glaubte sogar, er schriebe Kochbücher, aber pssst!). Das wird sich jetzt ändern. Und das darf hier gern als Leseanregung verstanden werden. Das wünschte sich ja zumindest eine Dame hier ;-)

Ich war unterwegs, wir starteten zu zweit, aber der Gatte gab nach nicht mal 50 Metern auf, die Muskelzerrung von neulich, die er in der Wohnung nicht spürt, machte sich bemerkbar. Ich änderte mehrfach die Richtung, lief am äußersten Rand des erlaubten Radius entlang, traf Polizisten, die mich aber nicht anhielten und nicht kontrollierten. Ich weiß auch nicht, warum sie mancherorts gehäuft auftreten und mancherorts gar nicht. Ein Freund, der mit seiner Familie seit drei Jahren in Villefranche lebt, ist scheinbar Zielscheibe von Denunziation geworden. Er musste schon nachweisen, dass er dort seinen Hauptwohnsitz hat, so ungewöhnlich ist es, dass man in einem Ferienort ganzjährig lebt, und kaum setzt er mit seinen Kindern den Fuß vor die Tür, rückt die Polizei an. Ballspielen auf der Straße geht nicht. Radfahren geht nicht. Man könnte heulen. Ich fand heute bei Herrn Buddenbohm diese Kinderfotos aus Spanien. Die bringen mich auch zum Heulen. Der Freund, ein Architekt, fuhr aber unkontrolliert 130 Kilomter zu einer Baustelle in die Berge und genauso unkontrolliert wieder zurück. Muss man vermutlich nicht verstehen.

Das Wetter wechselte zwischen Sonnenschein (Osten) und drohenden Wolken (Westen). Auf den letzten Metern wieder Tropfen.

Ein Versuch, die Hundehalter zu disziplinieren. Dieser Weg ist ein Trottoir und kein Crottoir (ein Fußweg und kein Hundescheißweg)

Ich laufe bei meinem Schneider vorbei, nicht wegen eventueller Masken, das hätte er bestimmt abgelehnt, Pedro versteht sich als Coutourier und macht Änderungsschneiderei etc. nur zum Überleben. Ich weiß, dass er den Winter in Indien verbringen wollte, er ist noch nicht zurück und ich frage mich, was auch ihm geworden ist. Später rufe ich bei der angegebenen Nummer an. Pedro ist gesund erfahre ich und er versucht seit einiger Zeit nach Frankreich zu kommen, aber es ist schwierig. Klar. Ich verspreche, demnächst nochmal vorbeizugehen und den Briefkasten zu leeren. Die Dame, die mir Auskunft gibt, wohnt in Antibes und ist derzeit dort blockiert.

Le Pont Carnot. Noch nie so leer gesehen. Ich stehe trotzdem auf der Verkehrsinsel zum Fotografieren. Die wenigen Autos sind speedy. Die Baustellen in der Stadt werden wieder in Angriff genommen, sagte gestern der Bürgermeister. Daraufhin hat sich auch unser Handwerker für den Kellerraum wieder gemeldet. Er kommt am Wochenende, sagt er.

Die Rue d’Antibes in beide Richtungen. DIE Einkaufsstraße von Cannes.

Die neue Fußgängerzone. Auf der linken Hälfte normalerweise die Restaurantterrassen. Wann Cafés und Restaurants wieder öffnen dürfen, wird Ende Mai mitgeteilt.

Ich bedaure, dass ich mich nicht traue, Menschen von vorne zu fotografieren. Dies war offensichtlich ein Zwillingspaar. Identisch aussehend: Schwarz violett gekleidet, gleicher Gang, gleiche Haltung, gleiche Handtasche. Erstaunlich.

So viel für heute! Bis morgen, gesund und trallala!


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Corona Tagebuch – Tag 42

Die Franzosen werden zu Hühnerhaltern. Alle, die ein paar Quadratmeter Garten oder Hof haben, wollen jetzt Hühner halten, er verkaufe 40% mehr Küken als je zuvor, sagt ein Züchter in Nizza.

Nicht nur, dass man jetzt dafür Zeit habe, sondern viele geben an „zurück zu den Wurzeln“ zu wollen. Und nicht nur die üblichen Rentner, auch junge Menschen seien jetzt darunter. Vielleicht war auch der Eier-Engpass zu Anfang der Krise, ein Beweggrund. Das Huhn ist und isst bescheiden: ein paar Körner täglich und 150 kg Essenreste/Jahr, dafür liefert es, so hofft man, jede Menge Eier. Und ein bisschen Haustierfeeling. Mir sind Hühner in meinen ländlichen Jahren immer fremd geblieben, aber Hühner sind toll, sagen andere, die es wissen müssen, etwa Friederike vom Landlebenblog, ich hab nur mal willkürlich einen Beitrag rausgesucht, oder der junge Seefahrer Guirec, der mit seinem Huhn Monique, die Welt umsegelt hat. Über Guirec hab ich auch was auf Deutsch gefunden!

Seit Freitag brütete ich darüber, wie ich an einem Podcast teilnehmen könnte, wie gut, dass man Teenager-Enkel hat, die wissen alles und erklären es in einer etwas coolen Art, aber sie erklären es. Heute habe ich dann Aufnahmen gemacht. Mal ist der Anfang holprig, mal das Ende. Nach dem sechsten Mal habe ich beschlossen, dass es jetzt gut ist. Mal sehen, ob was daraus wird. In der Zwischenzeit können Sie ja schon mal –> hier reinhören, da gibt es Interviews mit Schreibenden und gerade täglich einen kleinen Sonderpodcast mit AutorInnen und Buchtipps!


Mittags haben wir draußen gegessen, für heute Abend oder morgen sind schon wieder Unwetter angesagt, man wollte es mittags nicht glauben, so blau war der Himmel. Als ich mich dann für einen Kaffee noch etwas in die Sonne setzte, man würde ja gerne seine blasse Haut zart anbräunen, kamen die ersten Wolken.

Tut mir leid, dass Peter und der Wolf schon nicht mehr funktionieren, oder ist das nur bei mir so? Etwas länger sichtbar im Internet sind Opern, Ballett und Konzerte der Oper Paris. Ab heute Abend gibts dort Carmen. Das Video hier ist nur eine Vorschau. Sie müssten bitte selbst auf die verlinkte Seite klicken und dann dort Carmen auswählen. Oder Sie schauen dort Cinderella an oder etwas ganz anders, oder gar nichts. Machen Sie das, wie Sie wollen, ich kann es leider nur nicht anders verlinken.

Wir haben genau diese Version von Carmen, eine verfilmte Oper, letzten Sommer in Cannes bei freiem Eintritt unter freiem Himmel auf der Aussichtsterrasse vor dem Musée de la Castre gesehen. Man musste rechtzeitig da sein, um einen der wenigen Liegestühle zu ergattern, denn es gab auch keine Reservierung. Und hatte man einen, dann sollte man sich möglichst nicht mehr daraus entfernen. Nur ein Strickjäckchen darin liegen lassen, gilt nicht. Es gab da Enttäuschungen. Es war dennoch ein tolles Ambiente, roter Teppich, laue Sommernacht. Nach drei Stunden unbeweglich im Liegestuhl tat einem aber der Rücken empfindlich weh und man kam kaum wieder hoch aus dieser Hängematte. Bisschen störend war, dass es der letzte Freitag Abend der Saison war und damit auch das letzte Open-Air-Event der Disco im Palais des Festivals, Luftlinie nur 500 Meter entfernt, und wir nahmen indirekt nicht nur an der Lasershow teil, sondern auch an den Bummbummmbumm-Bässen, die der eindringlich singenden Carmen manchmal die Worte aus dem Mund bliesen. Wir hatten also drei Spektakel anstatt einem und das alles gratis.

Viel mehr ist heute nicht passiert. Keine neuen Masken im Briefkasten, das überprüfe ich jetzt vorsichtshalber täglich ;-) Heute kamen die ersten Beitragsberechnungen für die URSSAF, die weiterhin so tun, als habe ich ihnen nicht geschrieben. Seufz. So viel für heute. Bis morgen. So gesund wie möglich!

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Corona Tagebuch – Tag 41 Sonntag

Sonntagmorgen im Bett am offenen Fenster. Monsieur hat mir Kaffee ans Bett gebracht. Die Turteltauben roucoulent, ich musste eben erstmal nachschauen wie das deutsche Wort dafür heißt. Gurren ist es vielleicht, obwohl das auch die normalen Tauben tun und das Gurren der Turteltauben ist lieblicher, weicher, eher ein Schruhschruh, wie man es Eulen zuordnet. Die Turteltaube ist Vogel des Jahres 2020 habe ich bei der Gelegenheit erfahren. Aber in keinem Turteltaubenvideos, wo man sie turteln sieht, hört man sie. Was ist das denn für eine Missorganisation! Die Turteltauben schruhschruhen im Akkord, es ist Frühling! Dazwischen kreischen spitz die grünen Papageien, die es nun überall gibt, auch hier. Dann für mich nicht zu definierendes Vogelgezwitscher. Wie lieblich. Gefiepse, Gepiepse, gezwirbeltes Gezwitscher. Wir haben wieder eine Amsel, sagte Monsieur vor ein paar Wochen sehr stolz. Ich kann die Amsel aber nicht heraushören, obwohl ich das Vogelstimmenvideo angehört habe. Dann ein anderes Geräusch, eher rauschend, huschsch, ein Citroen-Picasso Weibchen vielleicht. Dann rauscht es tiefer, aber satt, sicher ein Männchen, ein Audi100 Männchen könnte es sein. Dazwischen kreischen wieder die Papageien. Ein junger Scooter röhrt den Berg hinauf, etwas brünftig, Frühling eben. Schruhschruuuh gurren und turteln die Turteltauben. Die Turteltauben seien schwer zu sehen, heißt es. Wir haben seit eh und je ein Pärchen im Vorgarten. Sie sind sehr treu. Also ich kann nicht sehen, ob sie treu miteinander sind, das heißt, ob es immer dasselbe Paar ist, das hier herumturtelt, aber ich vermute das, auf jeden Fall sind sie treu mit ihrem Ort bei uns. Und das trotz der Katze. Sie sind nur von der Palme, die gefällt wurde, in den Pittosporum umgezogen. Sitzen vertrauensvoll auf der Balkonbrüstung und laufen gemeinsam durch den Klee. Schruhschruuuu gurr gurr. Penetrantes Gekeif der Papageien, ähnlich dem der Möwen. Ein Sco-oo-ooter kommt mit äähn-ääähnänänännnn angefahren. Sehr jung auch er vermutlich. Glockenläuten von Ferne und nein, kein Hund, der bellt. Sonntagmorgen an einer Durchgangsstraße in Corona-Zeiten. Ich genieße es, weil es kein lauter Geräuschbrei ist, sondern weil ich die einzelnen Geräusche erkennen kann. Gezwirbeltes Gezwitscher, Schruhschruuuh, Flügelschlagen. Schritte, und schon wieder ein brünftiger Scooter. Ich schließe das Fenster.

Die Katze findet es doof, dass wir im Bett liegen und lesen und sie nicht dazukommen darf und sie maunzt. Also stehe ich auf, mache mir einen zweiten Kaffee und transformiere fünf der zehn Äpfel, die ich geliefert bekam, in eine weitere Apfeltarte. Diesmal aber schnippele ich die Äpfel nur in Stücke und werfe sie über den Tarte Boden (175g Mehl, 125g Butter, 3El kaltes Wasser, 1El Zucker, 1Prise Salz). Darüber eine Creme aus Eiern, Sahne und Vanillezucker. Eigentlich gehört noch Maizena rein, hab ich vergessen, geht auch so, merke ich später. Ich lese ein bisschen im Internet herum, höre in den empfohlenen Podcast und dort eine Sendung mit einem leitenden Kommissar, das mir vielleicht nützlich sein kann, hoffe ich. Er spricht von der Mafia, von Geldwäsche und dass die momentan ausgesetzte Straßen- und Einbruchskriminalität sich umorientiert auf Cyberkriminalität. Man muss flexibel sein. Drogenproduzenten warten derzeit vergeblich auf Produkte aus China, Drogen, die schon da sind und nicht mehr in Clubs umgesetzt werden können, werden jetzt mit der Post geliefert. Ich fange an hier zu schreiben, bestelle für Mittags ein Hähnchen. Jetzt verstehe ich auch, warum es hier kein Außer-Haus-Essen gibt, also abgesehen von den klassischen Pizzalieferanten, weil man hier ja nicht raus soll und auf einen Bringdienst angewiesen ist. Außer-Haus-Essen machen UND Liefern sieht aber kein klassisches Restaurant, das umgestellt hat, vor. Wenn man strategisch günstig liegt, bietet man Essen-to-go an, das abgeholt werden kann. Sonst nicht. Der Metzger bietet schon immer Grillhähnchen an. Die Tarte ist fertig, ein bisschen wird telefoniert, schon mache ich mich auf den Weg zum Metzger.

Ich solle das Auto bewegen, befindet Monsieur, als sei es ein Pferd, es ist ein schlechter Rat, denn ich finde keinen Parkplatz beim Zurückkommen. Dann endlich einen in einer engen Seitenstraße, auf halbem Weg zum Metzger, dort blühen die Kastanien, wie schön! Und es summt vor lauter Bienen. Das beglückt mich wirklich dieses Summen und die Gewissheit, dass es noch Bienen gibt.

Was diese beglückenden Tierbilder angeht, Delphine und Haie und was sonst nicht noch alles in den Häfen von französischen Küstenstädten gesichtet und durchs Web gejagt wird, lese ich auf einer französischen Faktenchecker-Seite von AFP, dass es sich um ein altes Video handelt, das außerdem in der Türkei aufgenommen wurde. Und nur am Rande, Brigitte Macron trägt auch keine Gesichtsmaske von Louis Vuitton.

Mittagessen im Innenhof, wir plaudern mit der Familie, die ihrerseits auf der Terrasse isst. Morgen fängt die Schule wieder an. Also nur virtuell. Die letzten beiden Wochen waren Ferien. Für die Kids ändert sich, dass sie weniger am PC spielen, sondern lernen. Die Deutschlehrerin ist eine der wenigen, die via Skype oder Zoom unterrichtet. Die Deutschen eben. Hüstel. Der Sommerferien-Austausch wird wohl dieses Jahr nicht stattfinden, es betrübt die Enkelin. Ihre Berliner-Austauschschülerin, für Ende März vorgesehen, kam auch schon nicht. Sie findet es ungerecht, der Bruder hat das alles schon hinter sich. Nur sie darf nicht reisen!

Sehr schön das Ballett Peter and The Wolf der Britischen Royal Ballet School.

Schönen Sonntag! Machen Sie, was Sie wollen und passen Sie auf sich auf!

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La Quarantaine

Vierzig also. Ich schiele schon seit heute Morgen zu den Blogkollegen, ob denn niemand was geschrieben oder entdeckt hat zur Quarantäne, philosophisch, religiös, medizinisch. Oder ist das Thema schon durch? Gleich zu Anfang abgehakt? Ich suche ein bisschen und finde nicht gerade etwas zur Symbolhaftigkeit der vierzig Tage, mal abgesehen von den vierzig Tagen, die Jesus in der Wüste verbracht hat, aber etwas über Blaise Pascal, mein „Retter“ mit dem Satz Le coeur a ses raison que la raison ne connait point. Das wissen Sie aber schon. Und der Satz mit dem „drin bleiben“ hat mich damals auch beeindruckt. Dann stolperte ich über Was stärkt uns in der Corona-Krise, dahinter eine Sammlung vieler (nicht nur) religiöser Lebenshilfe-Links, das ist auch nicht neu, aber vielleicht kennen Sie es noch nicht. Ich klickte mal auf den Link zum Podcast Lebenswert. Ich habe dort, mangels Zeit, nicht wirklich viel reingehört, klingt aber alles interessant. Wenn man dafür gerade ein offenes Ohr hat, sagen wir so. (Ich musste auf „Episode herunterladen“ klicken, um den Podcast hören zu können.)

Beim Wort Ökumene fiel mir der Verein andere zeiten ein, von dem ich jedes Jahr den anderen Adventskalender beziehe und ein paar Jahre an der Fastenaktion 7 Wochen anders leben teilgenommen habe. Dort habe mich für den Newsletter eingeschrieben. Er kommt aber erst heute Abend.

Das passt ja alles irgendwie. Gestern Abend habe ich einen aus der Mediathek ausgeliehenen Film gesehen, eine Doku über mehrere Pilger, die den Weg nach Santiago del Compostela gelaufen sind. Die Besonderheit ist, dass alle den Weg alleine liefen und sich nicht den zahlreichen Gruppen angeschlossen haben.

Und auf dem Weg, während der langen Wandertage mit ihrer Wut, ihrem körperlichen Schmerz, mit Krankheit (wundgelaufen, Blasen, Knieschmerzen, einer der Wanderer bekam unterwegs sogar einen Herzinfarkt – und wurde gerettet) ihren Tränen, und ihren Ängsten konfrontiert wurden. Ein Wanderer fand abends keine Unterkunft, lief eine zusätzliche Strecke und fand wieder keine Unterkunft, und schlief zum ersten Mal in seinem Leben unter freiem Himmel, zunächst voller Angst, und er war dann von der Stille und dem Sternenhimmel über ihm beeindruckt und schlief tief und fest. Während man einer anderen Pilgerin im Schlagfsaal das Portemonnaie gestohlen hat. Fassungslosigkeit, Wut, Tränen. Aufgeben? Weiterlaufen? Ohne Geld und mit Knieschmerzen unter strömendem Regen? Warum tut man sich das an? Alle wurden mit sich selbst konfrontiert auf diesem Weg – das ist ja auch der Sinn, weniger das tüchtige Wandern und das Ankommen, also zumindest sehe ich das so. Und sie wanderten und hatten manchmal Angst, verliefen sich, fühlten sich einsam, schwach und heulten, jammerten, fluchten, klagten, hatten Schmerzen, nicht durchgängig, aber immer wieder, wurden entttäuscht und dennoch liefen sie weiter und erlebten dann auch Momente voller Glück allein in der Natur, Stille, magische Momente in einer unansehnlichen Kirche oder auf einer Lichtung oder sie trafen punktuell Menschen, die halfen, stützten oder aufmunternd lächelten. So ist das Leben. Das ganze Leben. Und Heulen, Jammern, Angst spüren und sich einsam fühlen gehören dazu. Wenn man diese unangenehmen Zustände nicht immer nur wegschiebt, indem man sich ununterbrochen beschäftigt und ablenkt, wenn man zulässt, all das zu fühlen in all seinem Schmerz, dann merkt man, dass es einen gar nicht so weit hinabzieht. Irgendwo ist Grund, es ist dunkel und schmerzhaft, man weint viele Tränen, aber es geht weiter. Es geht immer weiter. Vielleicht sollten wir die Ausgangssperre als eine Art Pilgerpfad-Zeit ansehen.

Ok, das war schon das Wort zum Sonntag. Heute gabs bei uns Aioli. Ich habe nur knapp 15 Jahre gebraucht, um dieses typisch provenzalische Gericht selbst zu kochen. Als es das zum ersten Mal auf dem Hof gab, war ich schon im Vorfeld verblüfft, dass man dieses komische Brett von trockenem Fisch 24 Stunden lang in fließendem Quellwasser entsalzte. Das kann man in der Stadt nicht essen, dachte ich. Wenn ich dort 24 Stunden lang Wasser laufen lasse, kostet mich das eigentlich einfache Essen ein Vermögen. Der trockene Fisch, Stockfisch, luftgetrockneter, eingesalzener und somit konservierter Kalbejau oder Dorsch wird unter fließendem Wasser entsalzen und weich, bleibt aber leicht salzig. Dazu gibt es dampfgegartes oder gekochtes Gemüse, es passt, was man gerade da hat: Karotten, Zucchini, Lauch, Blumenkohl, ein paar Kartoffeln und hartgekochte Eier. Das alles wird mit einer ordentlichen Menge der dem Gericht namengebenden Aioli, einer Art Knoblauchmajonnaise, gegessen. Als ich das zum ersten Mal vorgesetzt bekam, fand ich es noch unschicklich, mittags frischen Knoblauch zu verzehren. Man muss ja danach noch sozialisieren, dachte ich, und nahm daher nichts von der gelblichen Creme, sondern aß den salzigen Fisch und das fad schmeckende Gemüse so und verstand nicht, was daran so toll sein sollte. Alle anderen strichen die Aioli auf Gemüse und Fisch und schwärmten mit vollem Mund, wie köstlich es sei. Danach stanken alle nach Knoblauch, eigentlich das richtige Essen für Social Distancing, aber sie scherten sich einen Dreck darum, dass sie, wenn sie mit mir sprachen, eine Knoblauchfahne hatten. Ich war schockiert. Wie lecker alles wird, wenn man diese scharfe Aioli darüber streicht, erfuhr ich erst Jahre später, als ich mich traute, an einem helllichten Mittag frischen Knoblauch zu essen wie alle anderen. Aioli ist ein provenzalisches Wort, es besteht aus Ail und Oglio, also Knoblauch und Öl, und es ist nichts anderes. Nur dass noch ein rohes Eigelb dazukommt. Eine Aioli fest (und nicht flüssig) aufzuschlagen, ist eine Kunst. Ich habe es heute zweimal nicht geschafft, giftete Monsieur an, der mich natürlich nicht kritisieren wollte, aber natürlich doch etwas zu sagen hat, ohne jemals in seinem Leben eine Aioli aufgeschlagen zu haben, und am Ende habe ich die zweite flüssige Variante mit gekaufter Majonnaise verrührt, es war nicht perfekt aber immer noch ziemlich lecker, und der Gatte sagte nichts mehr sondern aß vergnügt und wischte die letzten Spuren Aioli mit Brot aus dem Schälchen.


Ein Artikel, der nochmal sagt, warum es hier in Frankreich so anders läuft als in Deutschland. Ich bin ja immer etwas verschämt, die Franzosen offen zu kritisieren. Hier aber spricht eine Französin, die in Deutschland lebt. Derselbe Text in Französisch.

Die Masken sind da! Sie gammeln wohl schon ein paar Tage im Briefkasten herum, normalerweise wirft der Briefträger die Post in den Türschlitz und alles fällt auf den Boden. Diese Masken aber wurden in den innen befindlichen Briefkasten geworfen, und ich fand sie heute nur zufällig. Sie sind grottenhässlich, riesig und sehen aus wie ein Stück Putzlappen.

Es gibt noch eine braune Maske, die aussieht wie ein Socken (es gab drei, für jede Partei im Haus eine, mit der dann die anderen abgeholt werden können). Ok, ich will nicht meckern, es ist ein ziemlicher Akt gewesen und der Bürgermeister reißt sich gerade den Allerwertesten auf für seine Stadt und seine Bürger. Wir haben in der Zwischenzeit die Freitags-Nathalie beauftragt, die bereit ist, uns ein kleines Dutzen Masken zu nähen (zumindest für die Übergangszeit bis es endlich wieder Einweg-Papiermasken geben wird, eines Tages). Problem ist, es gibt nirgends kein allerkleinstes Stückchen Gummiband mehr, sie kreiert also eine Variante ohne Gummi. Das Problem, das sich mit den wiederverwendbaren und waschbaren Masken stellt und weshalb der Gatte sie ablehnt, ist das aufwändige Wasch- und Trockenprozedere. Selbst ich, die ich guten Willens bin, dachte beim Lesen, das mache ich nicht. Und wer von den undisziplinierten Franzosen wird das machen? Die benutzten Masken in einer geschlossenen Plastiktüte aufbewahren und nicht etwa in die Schmutzwäsche werfen. Dann seine Waschmaschine für zwei Masken anwerfen, 30 Minuten bei 60°-95° waschen, die Maschine vorher und nachher mit Javel desinfizieren, die Masken (alle drei Schichten) müssen danach innerhalb kurzer Zeit komplett durchgetrocknet sein, dürfen aber nicht mit dem Fön trockengefönt werden. Also vielleicht trockengebügelt …

Das einzig sinnvolle sind Einwegmasken, sagt der Gatte, aber je nun … es gibt keine.

Bei Agnes trifft geht es heute um Rituale … löst viel bei mir Ritualhasserin aus :-)  Punkt 20 Uhr hupen gerade rituell die Schiffssirenen und lösen das abendliche Applaudieren ein. Ich applaudiere rituell aber nicht. In unserer Straße applaudiert niemand. Bei „Agnes trifft“ wird die Sendereihe Alltag anders erwähnt. Kleine Szenen zu einem Thema aus verschiedenen Ländern. So was liebe ich ja. Danke dafür.

Dieses Lied habe ich den ganzen Tag schon im Kopf. Sie jetzt auch.

Danke für all Ihre lieben Kommentare! Ich hoffe, Ihr Tag war erträglich. Ich weiß von so vielen kranken Menschen, die quasi eine Quarantäne in der Quarantäne erleben und zusätzlich Schmerzen haben. Es ist ein Elend. Seien Sie behütet. Und alle andern auch, klar. Bleiben Sie alle so gesund und munter wie Sie können, und bis morgen! 

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Corona Tagebuch – Tag 39

Heute morgen zum ersten Mal unsicher, welcher Wochentag ist. Etwas, was andere ja schon länger zu spüren scheinen, hatte ich bisher eher selten. Zu gut strukturiert vermutlich. Gestern haben wir bis sehr spät oder sehr früh, je nachdem, vor dem Fernseher gehangen, aber nach der neuen Miniserie auf arte mit Eric Cantonna kam noch ein spannender Film über eine in Syrien entführte deutsche Ärztin. Eher unübersichtlich die Situation in den diversen Krisengebieten, wo die Ärztin auch nicht dem richtigen Helfer vertraut, weil er so aggressiv und brutal wirkt, sondern dem wuschelhaarigen, eher sanften Typen. Falsche Entscheidung. Das alles hat mich aufgewühlt, ich schlafe spät und schlecht und komme heute entsprechend spät aus dem Bett und fühle mich wie Samstag.

Herrjeh, im Vergleich dazu, wie ist das alles so schön geordnet und übersichtlich bei uns, dachte ich nach dem Film und was für ein Glück wir haben, hier zu leben. Auch wenn die URSSAF, die Sozialversicherung, man spricht es übrigens wie ein Wort aus und buchstabiert nicht durch: Ührsaf, nicht UErEsEsAEf. Man macht aus allen Abkürzungen Worte, was es sie mir noch unverständlicher macht. SDEG heißt Sdeg, was so ähnlich klingt wie ein Steak, ist das Syndicat Départemental de Électricité de du Gaz. L’URSSAf also tut so, als habe sie meine Briefe nicht bekommen und schickt mir jetzt alle Unterlagen als Autorin mit Microentreprise zu. Es nervt. Ich soll so viel anderes tun, zusätzlich ein Briefstreit mit der Französischen Verwaltung, passt mir nicht in den Zeitplan.

Heute erstmals die Wäsche draußen aufgehängt, und auch nachmittags, zur zweiten Wäscheserie, die Vögel in einer Lautstärke zwitschern gehört, die schon fast frech erscheint. Und zusätzlich den weit entfernten Lärm der Baustelle. Normalerweise hört man vorne, vor lauter Straßenlärm, und hinten, wegen der Wasserspiele im Park, gar nichts anderes. Es ist immer noch so ruhig, obwohl schon deutlich mehr Autos fahren, ich stelle mich nicht mehr in die Mitte der Straße zum Fotografieren! Und der Staubfilm in der Wohnung ist auch nicht weniger geworden.

Bisschen Internet, zwei Mails, ein neues Projekt, super, aber wann soll ich das alles machen? Vor allem die Technik kapieren?! Ich dreh mich um und schon ist es mittags. Es gibt mein absolutes Lieblingsessen, Spaghetti Aglio, Olio, Peperoncini und Crevetten. Schnell, easy, saulecker. Kann es immer kaum fotografieren, weil schon aufgegessen.

Danke auch für das Rezept für „Caviar d’Aubergine“. Ich probiere das gerne einen Tag. Als ich das zum ersten Mal, angekündigt wie eine Delikatesse sondergleichen, vorgesetzt bekam, bei einem Freund, der auch schon nicht mehr lebt übrigens, erwartete ich ein wahres Wunder: Kaviar aus Auberginen, hmmm. Und dann sah ich es und lachte fassungslos auf. WAS? Dieser kalte graue Brei ist es jetzt? Das ist KAVIAR d’Aubergines? KAVIAR! Weder die Konsistenz noch die Farbe noch sonst irgendwas daran erinnerte an KAVIAR und naja, es war essbar, aber es schmeckte wie ein kalter grauer Brei. Das Auge isst mit, immerhin. Die Franzosen nennen jedes pürierte Gemüse Caviar. Man isst es zum Apéro und stippt Chips ein oder streicht es auf gegrillte Brotscheiben. Dip würde man bei uns auf Neudeutsch sagen. Gemüsematsch. Brei. Dickliche Soßen. Mus. Auberginenmus. Na gut.

Pastour, der Maler. Ja, da gäbe es gerade auch eine sehr schöne Ausstellung in Cannes, dieser Provinzstadt. Diese Stadt hat auch andere Ecken, aber da komme ich gerade nicht hin. Man hält sich ja an seinen Kilometer-Auslauf und saust nicht in der Gegend herum. Wozu auch, gibt ja eh nix. Aber mein täglicher Stadtteilblick auf das provinzielle Cannes und die Cannois beeinflusst sicher das Leben meines Kommissars. Die Pastour-Ausstellung, die jetzt ungesehen hängt, wird hoffentlich verlängert. Wir haben sie glücklicherweise schon Anfang des Jahres gesehen.


Lehrer der Ricarda Huch Schule in Braunschweig schicken einen Gruß an SchülerInnen und LehrerInnen. Nett was? Danke an Markus Franz!

Mehr geht heute nicht. Ich habe mich ein zweites Mal umgedreht und schon ist es Abend. Qu’est-ce qu’on mange chérie? Ich weiß es doch auch nicht. Guten Abend in die Welt gewünscht! Hoffe, Ihr Tag war froh und so gesund wie möglich. Bis morgen! Sie wissen schon ….

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Corona-Tagebuch – Tag 38

Die Sonne scheint wieder! Ich beschließe, früh auf den Markt zu gehen. Ich möchte nicht am Wochenende dorthin, ich befürchte, dass dann dort zu viele Menschen herumtingeln. Donnerstag früh, 9 Uhr, scheint mir ein perfekter Moment zu sein. Ich nehme einen anderen Weg als üblich. Man braucht etwas Abwechslung bei den Mini-Ausflügen. Und ich entdecke, dass an/in der Großaustelle gearbeitet wird. Hier wird eine neue Wohnanlage entstehen. Das Projekt zieht sich seit über zehn Jahren. Jetzt ist das ehemalige Viertel komplett abgerissen und es wird gebaut. Und ich bin heilfroh, jetzt nicht hier zu wohnen. Zu Hause bleiben müssen mit Baulärm in der Nachbarschaft wäre mir ein Graus.

Als erstes entdecke ich einen Décrottoir. Dann schöne Häuser, die Villa Aloha und Le Clos Azur, von denen ich den oberen Zugang kenne, er geht von der Avenue de Grasse ab. Unter dem lückenhaften Aloha steht dort „Le Nid“, „das Nest“ eingraviert. So hieß die Villa wohl vorher. Im Viertel wird schmerzlich eine Katze vermisst.

Es geht eine Treppe hinunter und bergab, ich wähle die Rue Louis Pastour, hier hat der Maler Louis Pastour früher gelebt. Sein (ehemaliges) Wohnhaus liegt heute schräg gegenüber der Feuerwehr und der Parkhauszufahrt. Ich quere die Schnellstraße (bei Rot, es ist aber weit und breit kein Auto zu sehen), gehe die Treppe hinunter. Überall riecht es frisch nach Chlor.


Der Markt ist ein Schock. Abgesperrt klar, aber so wenige Händler und kaum einer der regionalen Erzeuger. Ich stehe einen Moment an, zum ersten Mal wird mein Ausgangsdokument angesehen, ich bekomme Fieber gemessen und die Hände desinfiziert. Dann muss ich mich entscheiden, ob ich Fisch will oder Gemüse, die Wege trennen sich hier. Ich will Gemüse und darf mich außerhalb des vorbereiteten Rundwegs bewegen, weil wir so wenige Kunden sind. Eine meiner Gemüsehändlerinnen ist immerhin da. Ich stehe kurz an, zwei Damen sind vor mir. Ich muss mich zusammenreißen, dass ich nicht schluchze, als ich dran bin. Wir lächeln uns hinter unseren Masken an. Sie bedient mich, früher durfte man einfach eine Schüssel nehmen und selbst auswählen, das geht derzeit nicht. Ich kaufe einen winzigen Blumenkohl, erste Zucchini, Mairübchen und die ersten Erbsen. An einem anderen Stand finde ich Artischocken, Avocado und Spargel und spanische Himbeeren, die heimischen Erdbeeren sehen zu blass aus, es hat ja auch geregnet die letzten Tage. Eier nehme ich an einem weiteren Stand mit. Das wars für heute.

Bei Monoprix bekomme ich auch Fieber gemessen, es dürfen nur fünf Kunden gleichzeitig im Laden sein, steht zumindest an der Tür, ich darf hinein, aber ich fürchte, wir sind dennoch mehr als fünf, plus die Menschen, die Regale auffüllen, die Kassiererinnen und der Sicherheitsmensch; niemand desinfiziert die Körbe oder die Wagen, also packe ich die Einkäufe in meine eigene Tasche; leckeren Saft, Kaffee, Schokoladennachtisch und einen Mozzarella. Beim Tierarzt erwerbe ich Katzenfutter, und den Rest meines (Klein-)Geldes teile ich gerecht unter zwei wohnsitzlosen Frauen, die am Eingang zum Parkhaus ihren angestammten Platz haben. Mit dem Aufzug des Parkhauses fahre ich hoch und spare mir so ein Stück der Steigung.

Zuhause liegt Monsieur im Bett, er hat sich einen Muskel gezerrt oder vielleicht auch gerissen, es habe „klack“ gemacht beim Rudern, sagt er. Ich binde ihm einen kalten Gelbeutel um den Oberschenkel, wir telefonieren mit der Tochter, die uns eine elastische Binde vor die Tür stellt.

Dann lese ich erneut die Auberginenrezepte und mache eine Mischung aus der türkischen Pfanne und dem italienischen Gratin. Die türkische Pfanne (mit Rinderhack) bekommt einen Mozzarella und geriebenen Parmesan drüber und wird in den Ofen geschoben. Dazu gibts Nudeln. Es riecht köstlich, wird auch lecker, einen Tick zu flüssig vielleicht, ich habe im letzten Moment noch Rinderbrühe angeschüttet, weil ich Angst hatte, dass die Auberginen pappig bleiben, das sind sie nicht, sie sind schmelzend, haben aber so gut wie keinen Geschmack findet Monsieur, also ich bin, was den Geschmack von Auberginen angeht, eh unsicher, aber ja nun, es ist nicht ihre Saison, ich denke, das ist so wie mit den Tomaten, die besten gibts erst im Spätsommer. Aber: Ich kann das jetzt, hüpf, freu, danke! :D Eine Aubergine bleibt mir, die wird vielleicht gegrillt.

Gestern Abend in einer Sendung große Bewunderung für Deutschland. „Was für ein Talent!“ sagte bewundernd Anne Sophie Lapix, eine beliebte Nachrichtensprecherin, nachdem man uns die (erste) Rede Angela Merkels und die Ansprache von Herrn Steinmeier vorgespielt hat: „in dieser Krise, die das Schlechteste und das Beste in uns zum Vorschein bringe“ sollen wir „das Beste geben, auch für Europa“. Ich höre das auch zum ersten Mal und bin ein bisschen stolz. Alle Journalisten sind sprachlos über die wenigen Toten in Deutschland, und das ohne Ausgangssperre. Die Auslandskorrespondenten werden zum „Wunder von Deutschland“ befragt. Es ist ein bisschen das, was Wolfram neulich in seinem Kommentar sagte: Angela Merkel erklärt sachlich die Umstände, die Menschen hören ihr zu, die Deutschen haben Vertrauen in die Regierung, zumindest mehr, als die Franzosen in ihre. Es gäbe in Deutschland auch Gegenstimmen, aber keine generelle Gegenbewegung: in Frankreich sagt die Regierung etwas und sofort sind alle dagegen und regen sich auf. In Deutschland höre Angela Merkel auf Christian Drosten, der heute als der sehr diskrete „Mister Corona“ in den französischen Zeitungen vorgestellt wird. Ein „Held“ sei er, heißt es an anderer Stelle. Was für ein Glück, eine promovierte Physikerin als Kanzlerin zu haben, heißt es, die in der Lage ist, wissenschaftlich zu denken und ihrem Chef-Virologen zuzuhören. Außerdem seien die Deutschen reaktiver, es gäbe noch eine deutsche Industrie und das Gesundheitssystem sei schlicht besser „aufgestellt“. Es gebe Tests, Masken, die Krankenhäuser haben mehr Betten und sind besser ausgestattet. Auch die Bevölkerung sei vernünftiger und müsse nicht mit einer Ausgangsperre diszipliniert werden. Man hört ebenso mit Staunen, dass dort vor den Supermärkten Sicherheitsleute stehen, die nicht nur Fieber messen und die Kunden einzeln hineinließen, sondern auch Handschuhe verteilen und die Einkaufswagen desinfizieren! Was es alles gibt! So siehts aus. Große Bewunderung, aber seien wir ehrlich, Deutsch sein will natürlich doch keiner. Die Franzosen sind wie dieser undisziplierte zerstrittene Haufen in dem kleinen gallischen Dorf, das den Römern trotzt. Und sie sind mächtig stolz darauf. Und naja, es ist schlimm mit den vielen Toten, aber so ist es halt und es wird auch wieder vorbeigehen. Ein bisschen was von diesem Fatalismus gibt es auch in der Kölschen Mentalität: et kütt wie et kütt. Und: et hätt noch immer jot jejange. Das erklärt vielleicht auch, dass die Rheinländer, die Franzosen unter den Deutschen, sich schon wieder in den Einkaufsstraßen drängeln. 

Gestern hatte auch Croco einen Artikel in ihrem Blog, der, wenn ich es recht verstehe, dasselbe sagt wie der französische, den ich verlinkt hatte: COVID19 ist auch eine systemische Gefäßentzündung.

Ein Polizist wurde bei einer Kontrolle von einem wütenden Mann nicht nur beschimpft (Gestapo!) sondern auch in die Hand gebissen und dabei stark verletzt. In den Altersheimen werden jetzt hier und da im Außenbereich Plexiglasscheiben aufgestellt und man kann seine Angehörigen, anlässlich eines Geburtstags beispielsweise, halbwegs sehen und hören, nur nicht umarmen. Der Schwiegersohn könnte wieder „auf Montage“ arbeiten, aber es gibt derzeit keine Unterkünfte.

Gerade sprechen sie im Fernsehen davon, wie schwierig es sein wird, Theater und Kinos wieder zu öffnen, man wird nur die Hälfte des Saales füllen dürfen und zwischen den Seancen lüften oder desinfizieren. Problem sind die Klimaanlagen, die den Virus auch durch die Luft blasen. Die entweder ausgeschaltet werden oder nur zwischen den Seancen durchlüften sollen. Noch nicht zu Ende gedacht. Dabei warte ich so auf diesen Film! Ich mag Isabell Huppert oft nicht, die Rolle in diesem Film (der Krimi La Daronne von Hannelore Cayre ist toll!) aber passt zu ihr und scheint ihr wirklich Spaß zu machen.

Heute ist Welttag des Buches und ich will Ihnen nun nicht schon wieder meine eigenen Bücher zeigen. Aber welches sonst? Ich lese aktuell zwar Unmengen, aber keine Bücher und wenn, dann sind sie Rechercherelevant und das will ich Ihnen nicht zeigen. 

Hier ein paar Bücher, die neben meinem Bett lagern, in die ich gerne hineingeschaut habe. Wie gerne hätte ich Sur l’eau von Guy de Maupassant gelesen, ich bekam es von der Verlegerin des kleinen Mons Verlages geschenkt: eine kleine Auszeit auf dem Boot zwischen Antibes und St. Tropez, auf See, konzentriert auf sich selbst und das Meer, den Wind, die Wellen … wie passend für die Zeit der Ausgangssperre, dachte ich, allein, ich schaffe es nicht, mich auf den französischen Text zu konzentrieren, zu fremd die Worte, zu poetisch, es strengt mich zu sehr an. Ich blättere Seiten um und weiß nicht, was ich gelesen habe. Es gibt eine deutsche Ausgabe bei mare.

Gelesen, gerne und in einem Rutsch: Dörte Hansen Altes Land. Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie. Kennen Sie vielleicht schon, ich kannte weder die Autorin noch den Titel.

Ines Geipel Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass. Hat mich sehr beeindruckt. Sehr klug. Hat mir aber auch gezeigt, wie wenig ich vom Osten weiß und verstehen kann.

Fatih Akin Im Clinch. Die Geschichte meiner Filme. Genau das und einfach toll. Bilder und Geschichten zur Entstehung seiner Filme. Toll, sagte ich das schon?

Olivier Bocquet/Jean-Marc Rochette Ailefroide. Altitude 3954. Wenn ich Französisch lesen will greife ich oft zu BD’s/Graphic Novels; geht leichter ist dennoch nicht banal. Ein verschlossener Junge entdeckt die Leidenschaft des Kletterns. Und wird am Ende doch kein Bergführer sondern …. Düster, aber packend.

Alexandra Horowitz Von der Kunst die Welt mit anderen Augen zu sehen. Elf Spaziergänge und das Vergnügen der Aufmerksamkeit. Mein großer Lieblingsklassiker, habe ich schonmal besprochen, und gerade wieder herausgeholt.

Und eine Librarian Rhapsody :D Hab ich schonmal erzählt, dass mein erster Berufswunsch Bibliothekarin war?!

Bis morgen! Lesen Sie, wenn Sie können, zuhause, im Lesesessel, im Bett, auf dem Balkon in der Sonne, oder wo Sie wollen. Und falls Sie rausgehen, passen Sie auf sich auf!

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Corona Tagebuch – Tag 37

Herzlichen Dank für Ihre Auberginen-Rezepte, ich habe heute dann mutig und motiviert zwei Auberginen erstanden, der Gatte ist hoch erfreut und dankt ebenso! Mal sehen, was ich morgen daraus mache. Ich werde berichten. Ich freue mich, dass es hier so lebendig ist, auch wenn ich nicht auf alles antworte, ich lese, lache und beherzige. Dass ich We’ll meet again nicht kannte, hat mich betrübt. Monsieur kennt es auch nicht, er ist schon ein Nachkriegskind, vielleicht liegt es daran. Aber tatsächlich wurde es kürzlich wieder gespielt, nach der Ansprache der Queen nämlich und ich habe mir heute mehrere Versionen angehört und auch die Informationen dazu gelesen. Und hier das Original.

Wir warten hier ja auf unsere erste Maske, die der Bürgermeister für alle Einwohner hat anfertigen lassen, und die gerade ausgeliefert werden, und mit der wie dann am 4. Mai (das wurde ausgelost) irgendwo die zweite Maske abholen können. Hier ging es neulich auch um Preise von Masken: uns wurden heute von einem Unterwäschehersteller, der auf Masken umgestellt hat, welche angeboten. Wir können sie als „gute Kunden“ vorbestellen: 5 für den Preis von 40 Euro! Es sind diese selbstgenähten, mehrfach gefältelten Masken, für die es von Anfang an Anleitungen im Internet gab. Wir haben keine Farbwahl (gezeigt wurden welche in Rosa!) und geliefert wird (ohne Gewähr) irgendwann im Mai. Ich habe jetzt mal unsere Freitags-Nathalie gefragt, die auch gerade näht, ob sie sie zu diesem Preis herstellen kann. Oder welcher Preis ihr vorschwebt. Als ich ganz am Anfang mit den Masken von der schwäbischen Alb für etwa 10 Euro das Stück liebäugelte, tippte sich Monsieur an die Stirn. Das dürfe nicht mehr als ein paar Pfennige kosten, sagte er und verbat mir, diesen Wucher zu unterstützen. Jetzt, Wochen später, ohne die mindeste Maske, sind wir dann auch bereit 8 Euro für ein rosa Stoffläppchen zu zahlen. Dabei sagte die WHO heute, dass generelles Maskentragen kontraproduktiv sei, auch wenn ich den Beitrag gerade nicht mehr finde. Herr Bonelli hat auch Bedenken und spricht über die Psychologie der Maske.

Heute morgen bekam ich einen Beitrag zugeschickt, der (leider) auf Französisch ist, ich finde ihn aber so interessant, dass ich ihn hier trotzdem einstelle : Und wenn sich alle getäuscht hätten?!, lautet die Überschrift. Nein, es ist keine weitere Verschwörungstheorie, Ärzte haben nur festgestellt, dass 9 von 10 Patienten, die man beatmet, trotzdem sterben, (und der eine, der überlebt, in einem sehr schlechten Zustand ist) weil es sich ursächlich gar nicht um eine virale Lungenentzündung handele, sondern um eine Art Embolie, also um kleine Gefäßverstopfungen in den Blutbahnen, das heißt, es macht keinen Sinn, die Lunge zu beatmen, weil das Blut gar nicht erst in der Lunge ankommt. Also, das ist bisher alles nicht im großen Stil erwiesen, genausowenig wie die Studie mit dem Chloroxyne, aber es scheint, wenn man den Patienten Blutgerinnungsmittel und macrolide (?) Antibiotika verabreicht, geht es ihnen deutlich besser und sie können das Krankenhaus zumindest auf ihren Beinen stehend wieder verlassen. Ich bin keine Ärztin, ich weiß auch nicht, was macrolide Antibiotika sind, ich gebe es Ihnen mal so weiter, der Ansatz scheint Sinn zu machen und im Moment weiß ja keiner was genaues für gar nichts, scheint es.

Das ist ja heute sehr Corona-lastig, eigentlich wollte ich etwas über Müllmänner schreiben, aber was ich mir morgens überlege ist, bis ich abends dann wirklich schreibe, etwas komplett anderes geworden. Daher jetzt einen kleinen Schwenker zu etwas Positivem: Es gab Post heute! Hipphipphurrah! Handgeschriebene Briefe und vegane Glücksgummiherzen, wie toll! Danke! Und es gab den edlen Hochglanzkatalog des monegassischen Deutsch-Internationalen Clubs mit dem Jahresbericht und allen Veranstaltungen des letzten Jahres. Und ich mittendrin! Danke auch dafür!

Noch ein paar Tulpen aus Amsterdam …

Und noch etwas Ballett …

Jetzt soll hier schnell noch Abendessen gezaubert werden. Bis morgen! Machen Sie, was Sie wollen, aber passen Sie auf sich auf!


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Corona Tagebuch – Tag 36

Heute geht alles ums Essen. In der heutigen Augabe von Nice Matin flehen die Restaurateure, dass man sie ihre Lokale wieder öffnen lässt. Essen zum Mitnehmen, um die Krisenzeit zu überstehen, wie es sogar in der deutschen Provinz üblich geworden ist, gibt es hier nicht. Oder nur hin und wieder. Ein Restaurant in Nizza bietet das wohl an. Warum manche das hier dürfen und dort nicht, ist wohl von den jeweiligen Gemeinden abhängig. In einer kleinen Bäckerei in einem Ort im Hinterland, wo man, das ist in Frankreich häufig üblich, seinen Kaffee zum Mitnehmen bekam, darf das Sandwich zum Mitnehmen zwar gekauft, der Kaffee aber nicht mehr verkauft werden.

Für die Restaurants machen sich jetzt auch die Chefs der Gastronomieführer stark, der Guide Gantie und Gault Millau. Sie fordern nicht nur eine schnelle Wiedereröffnung der Restaurants und Cafés, sondern auch Steuerbefreiung. Essen hat in Frankreich quasi religiösen Stellenwert, ich hätte auch vermutet, man die Restaurants relativ bald wieder öffnet. Aber die Lage in Frankreich ist noch weit von Lockerung entfernt, wir robben uns gerade, was die Todesfälle angeht, weltweit an die dritte Stelle vor. Über 20.000 Tote heute. Uns trennt nur noch ein sehr wenig von Italien und Spanien, wobei Mumbai gerade Spanien als stärkstes betroffenes Land erwähnte. Das erklärt vielleicht auch das coole Ambiente in Deutschland, wo es nur etwa 4000 Tote gab, bei über 145.000 positiv getesteten Fällen. Also Zahlen sind Schall und Rauch, ich will auch gar nicht im Einzelnen darauf herumreiten, aber so in etwa.

Der Chef des Gastro-Führers Gault Millau bittet die Franzosen darum, dass sie nach der Wiedereröffnung, so gut sie finanziell können, die Restaurants unterstützen mögen, um sie zu erhalten. Eigentlich muss man das den Franzosen nicht sagen, Essen gehen ist ein Nationalsport. Aber nun ja, alle sind von der Krise geschüttelt und das Budget ist knapp.

Alain Claude Sulzer gibt weiterhin kulinarische Lebenszeichen, diesmal geht es um die Aubergine, und das werde ich demnächst testen, mit der schwammigen Aubergine, dem Lieblingsgemüse des Gatten, wurde ich noch nie richtig warm. Es ist das einzige Gemüse, das ich wissentlich im Kühlschrank vergammeln lasse, wenn Monsieur es mir mitbringt, in der Hoffnung, das sich ihm etwas daraus zaubere. Niemals. Aber möglicherweise kann sich das ändern. Bei uns gab es heute Ofenspargel (grün) und ja, den gibt es hier schon, er ist regional und nicht holzig. Ich habe das schlichte und ultimative Spargel-schmoren-in-Papillote-und-im-Ofen-Rezept von Arthurs Tochter, der ich dafür auf ewig Dank schulde. Astrid peppt ihre Spargelrezepte immer weiter auf, brauchts für mich nicht, ich, wir lieben es schlicht. Aber selbstverständlich mit Vinaigrette, wie man es hier isst. Nix Béchamel. On est en France, wie meine Schwiegermutter, Gotthabsieselig, in dieser Frage spitz anmerkte.

Dazu gabs nochmal die köstlichen Lammkoteletts mit etwas Knobi und Rosmarin, und da die Kartoffeln verkocht waren, zerdrückte ich sie spontan zu Püree. Und da außerdem noch ein Rest Teig von neulich im Kühlschrank herumlungerte, gabs zum Nachtisch eine kleine Apfeltarte.

Und wenn Google Photos wieder arbeiten will, bekommen Sie davon auch ein Foto.

Und gleich gibts von den restlichen Spargel ein Spargelrisotto. Es muss aber noch gemacht werden, deshalb lasse ich Sie jetzt … 

Hier regnet es immer noch, vielleicht hilft dieses Lied.

Und wir werden uns wiedersehen. I don’t know when, I don’t know where, but we’ll meet again. Gefunden via Jens Rosteck.

Bonne soirée! Bis morgen. So gesund wie möglich und so zuhause wie möglich.

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Corona Tagebuch – Tag 35

Fünfunddreißig! Ich schreibe jeden Tag und die Zeit rast trotzdem davon. Wir haben noch drei Wochen Ausgangssperre vor uns, bis es ein bisschen lockerer wird. Sie haben mir gestern zahlreich geschrieben, dass es bei Ihnen in Deutschland noch gar nicht wirklich losginge heute, fake news, und in jedem Bundesland sei es anders, aber irgendwie ist das Öffnen des Einzelhandels und der Buchhandlungen doch ein Signal, auch wenn man nur einzeln in einen Laden darf (es heißt ja nicht umsonst Einzelhandel, kleiner Scherz, haha) und Abstand gehalten werden muss. Und Ikea zögert noch, ist aber schon im Gespräch. Eisdielen dürfen den Straßenverkauf öffnen. Restaurants bieten zumindest Essen zum Mitnehmen an. Ich sah irgendwo Fotos von (vielen) Leuten, die sich an der Isar in der Sonne aalten. Ich lese von einem Draußen-Leben in Köln, Küsschen rechts links wie früher, gemeinsames Spielen von Kindern, gemeinsames Bier von jungen Erwachsenen, ach komm, alles nicht so schlimm. Und bei Croco las ich, es kämen schon wieder Staumeldungen im Radio, und Leute mit Maske würden beim Einkaufen komisch angeschaut. Also aus meiner festen Ausgangssperren-Sicht, meine Lieben in Deutschland, sieht das alles schon sehr locker aus.

Hier wird noch überlegt wegen der zukünftigen Schulöffnung, bislang gibt es mehrere Hypothesen, wie es ablaufen könnte, sicher sei noch gar nichts, sagt der Premierminister; vielleicht soll es erst nur dort losgehen, wo die Corona-Situation weniger dramatisch ist, vielleicht werden die Klassen geteilt und bekommen nur ein über die andere Woche Unterricht in der Schule, vielleicht sollen andere Räume (Sporthallen) miteinbezogen werden und die Bürgermeister sollen ein Mitentscheidungsrecht bekommen, aber klar ist, man will die Schulen öffnen, weil 5-10% der Schüler ohne Internetzugang und ohne PC und damit komplett abgeschnitten vom Unterricht sind.

Maskentragen wird aber vermutlich Pflicht, zumindest in den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Ab heute gibt es ein Besuchsrecht bei sterbenden Angehörigen.

Restaurants und Cafés bleiben weiterhin, auch nach dem 11. Mai, geschlossen, genau wie Hotels und andere Unterkünfte. Der Tourismus wird damit fast komplett runtergefahren. Un crève-coeur sei das, etwas, was einem das Herz brechen lässt, bedauert der Premierminister. Ich fand heute (via Tina E.) diesen Reiseblogger, der sich Gedanken über zukünftiges Reisen macht. Alles nicht lustig, zumindest für die, die beruflich damit zu tun haben.   

Aber blicken wir auf das Positive, die Buchhandlungen haben in Deutschland seit heute wieder auf! Das ist doch wundervoll! Und wissen Sie was? Heute kamen meine lang erwarteten Bücher an!

Man sieht ihnen den langen beschwerlichen Weg an, vermutlich mussten sie zwei Wochen Corona-Quarantäne an einem finsteren Ort ausharren, und sie haben auch ein bisschen geweint unterwegs, aber jetzt sind sie da! Großes Merci an den Verlag! Heute kann ich Ihnen natürlich kein Vollmondbild mehr damit basteln, der Mond hat schon wieder stark abgenommen und außerdem regnet es schon seit gestern, der Mond verbirgt sich abends und nachts hinter einer dicken Wolkendecke. Aber genauso ist es ja, das Wetter im April, und in diesem Kriminalroman. Im besten Sinne wechselhaft!

Aber etwas anderes, wundervolles ist, trotz Corona und trotz bislang geschlossener Buchhandlungen, passiert: „Vollmond über der Côte d’Azur“ hat es auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft! Platz 27, wenn das nichts ist! Ich freue mich unbeschreiblich, das hätte ich dieses Jahr nicht erwartet. Großartig! Und das verdanke ich Ihnen, meine lieben Leserinnen und Leser! Ganz herzlichen Dank, dass Sie mein Buch auch unter diesen widrigen Umständen gekauft haben! Danke! Danke! Danke!

Aber: Ein Satz und ein Link noch zum Thema, darauf hatte mich Caro gestern schon aufmerksam gemacht, gesehen habe ich es eben erst. Nur weil es bei mir gerade ganz gut läuft und ich, so wie es aussieht, auch weiterhin Arbeit habe, bedeutet das nicht, dass der Buchhandel, die Verlage und alle, die daran hängen (AutorInnen, ÜbersetzerInnen, GrafikerInnen, DruckerInnen …) unbeschadet durch die Krise kommen werden.

Ich schaffe es derzeit nicht, alle Ihre Kommentare oder Mails einzeln, zeitnah und würdigend zu beantworten, aber ich lese jeden! Und freue mich auch über jeden! Und wenn ich X antworte und Y nicht, so will das nichts heißen, bitte glauben Sie mir, es ist alles ein Zeitproblem. Hier wird auch gearbeitet und telefoniert und auf allen Kanälen geschrieben und getippt und gekocht und gegessen und abends mache ich dann mal alle Konten zu.

Anbei Nizza und Aix-en-Provence „en confinement“. 

Damit lasse ich es für heute. Passen Sie weiterhin gut auf sich auf! Bis morgen! Drin und so gesund wie möglich.

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Corona Tagebuch – Tag 34 Sonntag

Es regnet. Morgens liest Monsieur farblich passend zum Sofa, die Katze träumt mit offenen Augen, auch sie hat ihre Fellfarbe dem Sofa angepasst. So sieht man all die Katzenhaare nicht. Praktisch.

Wir hören Moustaki und Aznavour.

Ich sitze am PC, ich soll was fertig kriegen heute. Mal sehen, ob ich es schaffe. Insofern geht heute der Gatte raus zum Metzger und zum Bäcker. Er füllt nicht mal seine attestation de déplacement aus. Es regnet, sagt er, da geht kein Flic raus. Ich bin besorgt, 135 Euro Strafe immerhin, wenn … aber er behält Recht. Ich habe in der Zwischenzeit schnell eine Wirsing-Ziegenkäse-Pinienkerne-Tarte gebastelt.

Monsieurs Tochter bringt mir jetzt immer ganz viel frisches Gemüse von regionalen Anbietern mit, weil ich neulich so dringend eine Gemüsekiste bestellen wollte und sie keine Lust hatte, noch irgendwohin zu fahren, um sie abzuholen. Dieses Gemüse, da fühle ich mich jetzt noch mehr verpflichtet, will ich in etwas Gutes verwandeln und will, dass wir es frisch essen. Wir essen die Tarte aber jetzt doch heute Abend, denn der Gatte will nicht mehr so lange warten, bis sie fertig ist. Hungrige Männer sind genauso ungeduldig wie hungrige Katzen. ESSEN! JETZT! Er hat Rinderfilet genre tournedos gekauft (wir geben ja sonst kein Geld aus, sagt er, da kann man schonmal das zarte aber teure Filet kaufen).

Das heißt, man dreht das Filet in der Pfanne gerade einmal um tourne-dos, schon ist es fertig. Also, es ist dann roh innen und so soll es hier sein. Dazu gibts Gnocchi, geht schnell, und die letzten zwei Artischocken, die essen wir hier roh mit Vinaigrette. ich habe schonmal gezeigt, wie man die isst, aber man hat ja auch neue LeserInnen, n’est-ce pas ;)

Der Teller wird mit einer Gabel, die man oben darunterschiebt, etwas geneigt, so dass man die Vinaigrette, in meinem Fall nur das Öl, wie in einer Vertiefung vor sich hat. Dort taucht man dann die einzeln abgezupften Blättchen ab.

Sie sehen, man zieht mit den Zähnen anfangs nur ein bisschen des „Fleisches“ aus den Blättern; der Rest ist zu hart

Je weiter man nach innen kommt, desto zarter werden die Blättchen und desto mehr kann man davon essen.

Am Ende schneidet man den Artischockenboden in feine Scheiben und isst sie dann ebenso mit der Vinaigrette. Es ist ein bisschen bitter und man bekommt „stumpfe“ Zähne. Ich finds lecker und es ist die praktischste Vorspeise, die es gibt. Alle machen alles selbst ;)

Die Tarte ist jetzt auch fertig – das Essen für heute Abend.

Der Gatte machte bereits die Sieste, ich sitze hier und schreibe, es regnet immer noch.

Nachdem Aznavour heute früh von den Comédien sang, hatte ich Lust auf Zirkus und siehe da, Le Cirque du Soleil schenkt uns 60 Minuten Spektakel, weil wir nicht zum Zirkus kommen können. Toll, oder?

Und noch ein kleines Video, CoronaVirus-Rhapsody, ist vielleicht schon ein paar Tage alt, ich gebs Ihnen aber mit, weil ich mitbekommen habe, dass es bei Ihnen (in Deutschland) morgen „wieder los“ geht und so viele schon in den Startlöchern stehen. Endlich wieder raus und unter Leute, shoppen, Kaffee trinken, Essen gehen. So sehr der Einzelhandel, der Buchhandel, Cafés und Restaurants unsere Unterstützung brauchen, bitte respektieren Sie die Abstandsregeln und bleiben Sie vorsichtig, und vielleicht doch lieber noch den einen oder anderen Tag freiwillig zu Hause!

Schönen Sonntag noch! Bis morgen! Gesund und trallala und vielleicht sehen wir uns drin und hier!

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Corona Tagebuch – Tag 33

In Kürze die Schlagzeilen: Die 18 Millionen über 70jährigen bleiben nach dem 11. Mai nicht offiziell confiné, er möchte niemanden diskrimieren, sagt Macron, aber es wird ihnen empfohlen, freiwillig drin zu bleiben bzw. man appelliert an ihre individuelle Verantwortung. Bei der Police Nationale gibt es nun noch drei Fälle mehr, bei der Marine aber, Sie erinnern sich, da waren es gestern 680, sind es heute schon 1081 Fälle, die positiv gestestet wurden. Unser Bürgermeister bemüht sich derzeit, ein paar Franzosen und vor allem Cannois aus einem Kreuzfahrtschiff zu holen, die seit vier Wochen in ihrer Kabine festsitzen; das Kreuzfahrtschiff hängt irgendwo vor Sizilien fest und man will sie nicht anlegen lassen. Und, das tollste für mich: Die Märkte sind seit heute wieder geöffnet, Zugang allerdings nur in einem superkomplizierten Verfahren: Man wird nur in begrenzter Zahl eingelassen; steht (in langer Schlange) mit zwei Metern Abstand draußen an;  Fieber wird gemessen, Hände desinfiziert, (noch keine Maskenpflicht), es gibt nur einen mit Barrieren abgesperrten Vorwärts-Parcours, man kann nicht zurück, man darf sich die Ware nicht mehr selbst aussuchen, wird vom behandschuhten und Maskentragenden Händlern bedient, Stände in zwei Meter Abstand, das alles wird von der Police Municipale überwacht. Aber immerhin. Die Schlange und die Wartezeit waren lang, wie ich dem Internet entnehme, für viele waren es zu viele Menschen. Ich warte auf etwas Normalisierung, bis ich dort wieder hingehe. Monsieurs Tochter hat mir die letzten beiden Wochen absolut frisches Gemüse eines regionalen Anbieters aus dem Supermarkt mitgebracht, damit kann ich leben. Und: Das Filmfestival wird zwar abgesagt, aber es wird im Juni wenigsten den Marché, die Filmmesse, also den für uns in der Regel nicht sichtbaren aber viel wichtigeren Teil des Festivals, in einer Online-Version geben. Und hier sind immer noch alle aus dem Häuschen weil die Tour de France Ende August in Nizza starten wird: ein gutes Signal für eine heitere Rentrée heißt es.

Hier die Kanaldeckel von vorgestern (immer mit meinen Schuhen, Verzeihung); es gibt so viele! Und so viele verschiedene: rund, eckig, oval: Abwasser, Strom, Gas, Straßenbeleuchtung … Als ich im Internet suchte, stieß ich auf diesen Hobby-Fotografen, der sich auf Kanaldeckel spezialisiert hat. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Und vielleicht kennen Sie schon die Raubdruckerin, die mit/auf Kanal- und Gullideckeln T-Shirts und Taschen bedruckt?!

Ich habe die Fotos jetzt noch kleiner gemacht und hoffe, dass sie jetzt nicht mehr übereinanderliegen?! Bei mir sieht ja alles immer gut aus, aber nicht auf allen tablets und Handys. Wenn ich von Ihnen nichts höre, denke ich, dass es geklappt hat. Danke!

Und zum Abschluss wundervolle Musik, gefunden beim Podcast Agnes trifft. Merci!

Einen schönen Samstagabend! Bis morgen, gesund und trallalla!

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Corona Tagebuch – Tag 32

Heute Morgen um 5 Uhr wachte ich auf, weil plötzlich so viele Autos durch die Straße rauschten. Um 5 Uhr ist das nächtliche Ausgangsverbot, couvre-feu, zu Ende und alle waren gleichzeitig in unserer Straße unterwegs. So schien es mir zumindest. Ich schlief dann noch ein bisschen ein, aber es blieb ein Montagsgefühl wegen dieses Autolärms, diesem „es geht wieder los nach dem ruhigen Wochenende“. Wir sind früh am Morgen eine Stunde unterwegs gewesen, liefen im Ein-Kilometer-Radius über den Suquet bis ans Meer und zurück. Das Wetter ist nur so halb sonnig und es ist etwas frisch. Es sind insgesamt deutlich mehr Autos und mehr Menschen unterwegs als die letzten Male, auch wenn das auf den Fotos nicht so ausssieht. Und wir sehen Polizei, die am Hafen die Autos kontrolliert.

Wie Sie sehen, sind die Straßen überall noch nass von der Desinfektion. Ich habe mich an den Geruch schon so gewöhnt, dass ich ihn kaum noch wahrnehme. Das Geräusch der einzelnen Autos, die herumfahren oder manchmal auch drei und vier, empfinde ich hingegen als wahnsinnig laut.

Die Gullideckel bekommen Sie vermutlich morgen. Eilt ja nicht. Wir haben ja noch ein paar Tage.

Hier gibt es Petitionen von Eltern gegen die geplante Schulöffnung am 11. Mai; angeblich sind 90% der Eltern und Lehrer dagegen und sprechen sich für eine Rückkehr zur Schule erst im September aus. Die Restaurateure fordern hingegen, die Restaurants zu öffnen, da man dort sehr gut Abstand halten und nur jeden zweiten Tisch besetzen und maximal zwei Personen an einem Tisch akzeptieren könnte.

Ich warte auf die Petition der Senioren, denn es ist weiterhin im Gespräch, dass die über 70 Jährigen und die Menschen mit Vorerkrankungen weiterhin zuhause bleiben sollen. Ich finde das vernünftig, auch wenn gerade die Senioren, die „ihr Leben davonlaufen“ sehen, es nicht drin halten wird. Monsieur ist über 70 und Risikopatient und er sieht der Öffnung mit gemischten Gefühlen entgegen. Und wo kann ich hingehen, ohne ihm das Virus mitzubringen? Zum Friseur? Wenn die Friseurin und ihre Kundinnen nicht getestet sind? Ich werde also aus solidarischen Gründen ebenso auch längerfristig zuhause bleiben, rester confiné, wie es hier heißt. 

Im Commissariat der Police Nationale sind 34 von 160 Polizisten positiv getestet; die Gewerkschaft der Polizei fordert das Gebäude in Quarantäne zu nehmen und 14 Tage zu schließen, da die Zahl der COVID-Fälle täglich zunimmt. Innerhalb der Marine sind knapp 700 Soldaten positiv getestet worden; angeblich hat man die ersten Fälle auf dem Flugzeugträger Charles de Gaulle nicht ernst genommen und die kranken Soldaten zurück in ihre Kabinen geschickt, anstatt sie zu isolieren. Andere durften ihre Familien besuchen und haben dort den Virus weiterverbreitet. Innerhalb einer Woche sind die Zahlen von 50 positiv getesteten Soldaten auf 680 angestiegen.

In der Zeitung gibt es heute eine Doppelseite über Menschen, die das Positive des Zuhausebleibens herausstellen und ein un confinement heureux leben. Da werden Fotos und Dias aus 50 Jahren Reise sortiert, gescannt und bearbeitet. Fotobücher werden gemacht. Jemand zeichnet die Blicke aus seinen Fenstern. Andere stricken und häkeln. Ein Engländer nimmt einen Intensiv-Onlinekurs zum Französischlernen. Und eine Dame macht einen Onlinekochkurs.

Beim Podcast Agnes trifft geht es um Musik und welchen musikalischen Impuls wir heute gehabt haben. Bei mir war es heute Christophe, ein französischer Sänger, der gerade gestorben ist. Ich wusste zunächst nicht, wer er ist, auch als ich das Foto des verlebten Mannes mit dünnen langen Haaren sah, war ich keinen Deut schlauer. Seine Songs, zumindest einen Teil derer, die heute den ganzen Tag liefen, kannte ich aber schon. Christophe ist vielleicht in Deutschland gar nicht bekannt, aber seine Songs werden in französischen Radiosendern häufig gespielt. Hier gibt es ja die Verpflichtung, einen gewissen Anteil französischer Musik bei der Musikauswahl zu berücksichtigen.

So viel für heute. Ich hoffe, Sie hatten einen guten Tag. Wir lesen uns morgen wieder, gesund, so hoffe ich, und drinnen!

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Corona Tagebuch – Tag 31

Vielen herzlichen Dank für alle Ihre Kommentare zum letzten Tagebucheintrag und den erläuternden Gastkommentar von Wolfram, der die Situation in Frankreich grundsätzlich beleuchtet.

Ich wollte gestern nicht so betrübt klingen, wie es wohl den Anschein hatte. Ich kann nur wiederholen, was ich schon ganz zu Anfang der Ausgangssperre schrieb: wir sind in einer privilegierten Situation; wir haben eine ausreichend große Wohnung, haben Strom und warmes Wasser und Internet (das allerdings und insbesondere abends schwächelt, grrr, aber grundsätzlich ist es da), wir sind gesund, bekommen eingekauft und vertragen uns. Für mich persönlich hat sich gar nicht so viel geändert, ich saß schon immer die meiste Zeit drin und am Esstisch und schrieb, selbst bei bestem Wetter. So auch jetzt. Der pensionierte Gatte war auch vorher schon zu Hause. Die Katze hat es sowieso am liebsten, wenn wir alle da sind und zu ihrer Verfügung stehen (Fressen, Streicheln). Ich habe nur grundsätzlich das Thema, diese Zahlenhysterie und das Gezänk überall satt. Alle wissen alles besser, meckern über die Maßnahmen, die „natürlich“ nicht angemessen sind und über die Politiker, über „die da oben“ und vor allem über Macron (siehe Kommentar von Wolfram). Und diese Verschwörungstheoretiker, die glauben, dass es diesen Virus nicht gibt, und dass die Ausgangssperre nur ein Test ist, um zu sehen, was man mit uns noch alles machen kann. All das habe ich satt. Vier weitere Wochen zuhause, die werden wir hinkriegen. Der Ein-Kilometer-Radius, erscheint mir nicht so dramatisch, weil er uns immerhin bis zum Meer führt. Ansonsten rudere ich jetzt neuerdings auch im Hinterhof.

Gerade aber wird im Fernsehen erörtert, dass die Menschen über 70 zu ihrem eigenen Schutz bis Ende des Jahres zu Hause bleiben sollen! Wenn sie das hier durchsetzen, das stelle ich mir dann tatsächlich anstrengend vor.

Im Internet bin ich heute gleich zweimal über den Aufruf zur deutsch-französischen Grenzöffnung gestolpert. Die Deutschen, die an der französischen Grenze leben, aber wollen das nicht. Da gibt es Handgreiflichkeiten, man wirft Eier auf die Franzosen und beschimpft sie, sie sollten in ihrem Corona-Land bleiben.

Bei Herrn Buddenbohm bin ich heute über eine amüsante Geschichte über das „wer drückt auf den Ampelknopf in Zeiten von Corona“ gestoßen. Das würde ein guter Comedie-Akt, wenn ich hier je so etwas machen möchte: Deutsche an der Ampel. Franzosen an der Ampel. Ich hatte da schonmal drüber geschrieben, aber ich finde es nicht mehr, aber Franzosen an der Ampel gibt es so gut wie gar nicht. Oder nur kurzzeitig, dann sind alle schon losgelaufen, ohne auf irgendwelche Knöpfe zu drücken. Und von wegen „Nur bei Grün der Kinder wegen!“ – ich war häufig die einzige, die wegen irgendwelcher Kinder stehenblieb, während deren Mutter sie schnellschnell bei Rot hinüberscheuchte. In Frankfurt hat man Monsieur und mir empört hinterhergerufen, dass es „Hallo! So aber nicht gehe“, als wir bei Rot die Straße überquerten. „Was wollte er?“, fragte Monsieur. „Dass wir nicht bei Rot gehen sollen“, erklärte ich. „Quoi?“ Monsieur wollte es nicht glauben.

Croco und ich, wir haben gestern (unabgesprochen und jede bei sich) „Drei Tage in Quiberon“ gesehen, ein Film über ein Interview mit Romy Schneider. Croco findet Marie Bäumer nicht überzeugend, Monsieur schlief sogar dabei ein. Nur ich, die ich den Film hier schon seinerzeit im Kino gesehen habe, bin auch zum zweiten Mal davon gefangengenommen.

Croco schreibt dann, wie sehr sie die zugebaute Côte d’Azur schockiert hat, die sie in den von mir verlinkten Filmen gesehen hat. Mich hat das Mitte der Achtziger Jahre schon schockiert, als ich zum ersten Mal an der Côte d’Azur war. Ich dachte, auch darüber bereits geschrieben zu haben, aber auch das finde ich gerade nicht mehr. Mitte der Achtziger reiste ich mit meinem damaligen Freund langsam von Dorf zu Dorf und von Campingplatz zu Campingplatz und peu à peu in den Süden. Wir paddelten auf der Ardèche mit einem Klepper Faltboot herum und da waren damals schon viele Menschen und dennoch war es wundervoll. Wir wanderten durch die Gorges du Verdon und saßen auf lauschigen Platanenbestandenen Plätzen in kleine Dörfern herum. Und ich wollte von Anfang an nur an die Côte d’Azur. Ans Meer! Mir ging es nicht schnell genug, auch wenn ich unseren Urlaub durchaus mochte. Und dann waren wir endlich da und ich war entsetzt. Das Meer war privatisiert, nur an ein paar hässlichen Ecken war es ohne Liegestuhlzwang zugänglich. Es war voll und laut, die Buchten eng, das Essen teuer und die Kellner unfreundlich. Das ist die vielgepriesene Côte d’Azur? Das Mittelmeer? Ich heulte vor Enttäuschung. Bei Bandol (das war uns damals noch als Geheimtipp angepriesen worden) fanden wir endlich einen Platz auf einem Campinggelände. Auch dort war es voll, es war ein Bikerwochenende und Motorräder überall. Und ein lautes Ambiente auf dem Platz. Am nächsten Tag standen wir auf der Küstenstraße stundenlang im Stau. Ich hatte extrem schlechte Laune. „Da hast du doch so unbedingt hingewollt“, sagte der Freund ein bisschen süffisant. „Ja, aber jetzt will ich weg hier“, maulte ich. Wir fuhren erneut landeinwärts und schon 15 Kilometer hinter der Küste war es wieder ruhig, die runde Besitzerin des kleinen Restaurants, auf dem erneut im Schatten einer Platane liegenden Platz, so herzlich, das Essen üppig und nicht zu teuer, alles so wie man sich klischeemäßig das ländliche Frankreich vorstellt. Nie wieder Côte d’Azur, sagte ich damals.

Ich habe heute Gullideckel fotografiert, die kriegen Sie vermutlich morgen. Der gesenkte Blick nahm auch all die Hundehaufen wahr. Schrecklich. Niemand nutzt mehr die Tüten, scheint es. Die Haufen fotografiere ich Ihnen aber nicht, auch wenn das ebenfalls sehr französisch ist.

Kein französisches Lied, aber so voller Nach-Corona-Hoffnung. Ich finde viele Musikstücke übrigens via Vonny Marshall-Edwards.

Die Katze maunzt, der Gatte lief auch schon nervös an mir vorbei. Qu’est-ce qu’on mange? steht unausgesprochen im Raum. Ich eile in die Küche. Einen guten Abend zuhause! Passen Sie auf sich auf! Bis morgen!

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Corona Tagebuch – Tag 30

Ach. Eigentlich habe ich keine Lust mehr auf das Thema. Ich habe auch diese meckrigen Kommentare in den sozialen Medien so satt. Ich mag da gar nicht mehr hinklicken. Die Zahlen sind auch schrecklich. Wir haben etwa genauso viel Fälle wie in Deutschland (da wir aber nicht testen aus Mangel an Tests, kann es auch viel schlimmer sein), aber wir haben definitiv fünfmal so viel Tote wie Deutschland. Weswegen Sie gleich viel mehr dürfen als wir. Wie wir noch weitere vier Wochen Ausgangssperre aushalten, wurde ich heute gefragt. Ich weiß auch nicht. Jeden Tag nur diesen einen Tag bewusst leben und nicht in die Zukunft abdriften, die sowieso „flou“ ist, unsicher, vage. Niemand weiß, wie es weitergehen wird. Aber es geht weiter. Und vermutlich wird es gar nicht sehr viel anders sein wie vorher auch. In Nizza werden schon wieder Handtaschen und Halsketten gestohlen. Von irgendwas muss man ja leben. Auch die Kleinkriminalität erlebt eine Flaute

Es wird kein Filmfestival geben dieses Jahr, kein Jazz in Juan les Pins, kein Theaterfestival in Avignon, die Tour de France soll immerhin nur verschoben werden auf Ende August. Der Bürgermeister sagt, dass es ihm derzeit wichtiger ist Menschenleben zu retten, als Schauspieler über den roten Teppich laufen zu sehen, fordert aber dennoch einen „Marshallplan“ für die Côte d’Azur, denn der Tourismussektor bricht gerade zusammen. Das betrifft in der Region über 600 Hotels, 87 Ferienzentren und knapp 6000 Restaurants; davon sind 75000 Arbeitsplätze direkt betroffen und ebensoviele indirekt. 11 Millionen Touristen haben wir jährlich in unserem Departement (zusammen mit Monaco), über die Hälfte davon aus dem Ausland. Von mir aus könnte das ruhig alles deutlich weniger sein, ich glaube, auch in Venedig vermisst niemand wirklich die vulgären Kreuzfahrtschiffe. Aber nun ja, man hat sich hier auf den Tourismus eingeschossen. Als wir neulich über die stillen Pfade durch Cannes liefen, sagte ich zu Monsieur, dass mir Cannes so wirklich gut gefiele. Er seufzte. „So war es noch vor 50 Jahren“, sagte er. „Vor 50 Jahren war das Leben in Cannes wirklich angenehm.“

Hier können Sie in drei Minuten über das ausgestorbene Cannes fliegen.

Oder einmal in Echtzeit mit dem Rad über die edle Croisette, vorbei am Hotel Majestic, Carlton und Martinez und zurück über die ausgestorbene Rue d’Antibes. Sehr trist, weil auch das Wetter trüb war. Ich komme da nicht hin, das sieht mein 1km-Radius nicht vor, aber ich werde sicher noch ein bisschen irgendwo rumlaufen. Hab ja noch vier Wochen Zeit. Lerne deine Stadt kennen.

Rumlaufen tun auch andere, derzeit vor allem an eher unbevölkerten Orten. In Köln läuft ja auch Niels schon seit ein paar Jahren alle Straßen ab. Das Projekt „Ganz Köln“ wollte ich damals kopieren, mir kamen aber die Attentate und die damit verbundenen extremen Sicherheitsvorkehrungen und die plötzlich sehr misstrauischen Leute dazwischen. Und dann schlicht das Leben, und die Arbeit, die immer mehr wurde.

Ich lasse es für heute mal damit bewenden. Ein kleines Konzert noch zum abendlichen Ausklang.

Ich hoffe, Sie hatten einen guten Tag. Passen Sie auf sich auf! Bis morgen!

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Corona Tagebuch – Tag 29

Tag 29. Ich hoffe, das stimmt so, ich muss das gleich nochmal überprüfen. Neunundzwanzig Tage schon! Und wir kriegen nochmal vier Wochen Verlängerung, nochmal 28 Tage. Der 11. Mai ist jetzt als vorläufiges Ende der harten Ausgangsbeschränkungen festgesetzt worden. Sie wissen das natürlich schon, Präsident Macron hat es gestern Abend verkündet und es war sogar gestern schon in den deutschen Medien. Wenn Sie es ein bisschen ausführlicher, wenn auch auf Französisch haben wollen, dann klicken Sie hier. Er gibt zu, dass Frankreich nicht gut vorbereitet war auf diese Krise, und dass es Fehler und Unzulänglichkeiten gegeben habe. Sein Ton ist nicht mehr so kriegerisch, er bemüht sich väterlich zu sein, bedankt sich bei den Franzosen, dass sie, obwohl sie als undiszipliniert gelten, dieses Mal diszipliniert seien. Auch wenn es eine leichte Besserung der Situation gebe, so sei die Lage im Großraum Paris und dem „Osten“ Frankreichs, also dem Elsass, noch immer angespannt, weshalb die Ausgangssperre aufrechterhalten werden müsse. Es sei nicht leicht, gibt er vor zu wissen, vor allem, wenn man zu mehreren in einer kleinen Wohnung bleiben müsse. Er spricht von häuslicher Gewalt, aber auch von Einsamkeit und Schmerz und davon, dass es möglich werden soll, Sterbende wieder besuchen und von ihnen Abschied nehmen zu dürfen.

Am 11. Mai sollen zunächst Schulen und Kindergärten wieder öffnen, weil zu viele Kinder in prekären Situationen vom Homeschooling nicht erreicht werden; sie weder die Mittel haben noch von den Eltern Unterstützung erfahren. Alles andere, Bistros, Cafés, Restaurants, Hotels, Museen und Kinos bleiben vorläufig noch geschlossen. Konzerte und Festivals soll es nicht vor Juli geben. Auch die Hochschulen werden erst zum Herbst wieder geöffnet. Aber immerhin ist der 11. Mai der Tag, an dem endlich genug Tests und Masken vorrätig sein werden, um zumindest die Menschen, die Symptome zeigen, testen zu können. Masken werden sukzessive zugeteilt und Maskentragen in öffentlichen Verkehrsmitteln zum Beispiel wird Pflicht. Risikopatienten sollen jedoch auch nach dem 11. Mai noch nicht wieder ungeschränkt hinausgehen.

Dann spricht Macron von Hilfen für Arbeiter, Arbeitnehmer und Unternehmer, die gewährt werden sollen, unbürokratisch und schnell; er bittet darum, dass Banken und Versicherungen kooperativ seien; er werde darüber wachen. Außerdem gibt er zu, dass die Menschen, die gerade am schwersten arbeiten, am schlechtesten bezahlt werden, und dass man das überdenken müsse. „Erfinden wir uns neu“, sagt er. „Ich als erstes.“

Diese Kehrtwendung zum Sozialen ist das Ungewöhnlichste. Wir erinnern uns alle an Situationen, in denen Macron mit einer gewissen Arroganz Krankenschwestern, die sich über die kaputtgesparte Arbeitsituation in Krankenhäusern beschwert haben, abgekanzelt hat, und einem Langszeitarbeitslosen sagte, er solle „einfach die Straßenseite wechseln, es gebe dort Arbeit“. Aber es sind „nur Worte“ heißt es heute überall. „Schöne Worte“. Man müsse abwarten, was davon wirklich umgesetzt werde.

In einem Artikel in der Zeitung Marianne (politisch links) wird die Länge der Rede Macrons kritisiert. Wahre Staatsmänner reden kurz, heißt es. De Gaulle habe einen, zwei oder drei Sätze gesagt. Die Queen habe gerade mal vier Minuten gesprochen. Wahre Autorität zeige sich in der Kürze. Die 27 Minuten von Macron werden ihm als Schwäche ausgelegt: „Je mehr man rede, desto weniger Tat gebe es“.

 

Auch unser Bürgermeister kritisiert offen die Entscheidung des Präsidenten (er gehört nicht derselben Partei an, logisch), er findet die Schulöffnung problematisch, und hat einen offenen Brief an alle Bürgermeister der Region verfasst, damit ihre Stimmen gemeinsam gehört werden, um die Entscheidung Macrons rückgängig zu machen. Deutlich wird hier auf jeden Fall wieder das Problem der Zentralisierung und der Dezentralisierung Frankreich, die nicht bis zum Ende gedacht wurde; die Schulen gehören heute in den Verantwortungsbereich der Gemeinden, aber die Entscheidungen werden national, von Paris aus gefällt. Was aber für Paris richtig ist, ist es nicht unbedingt für den Süden oder für den ländlichen Raum.

Der Bürgermeister versucht ebenso eine Entschädigung für sämtliche Hotels und Restaurants zu erwirken, denn in Cannes leben 80% der Bevölkerung vom Tourismus.

 

Etwas anderes, ich habe gestern ein sehr schönes Video von Christine Frischmuth gesehen, Sie erinnern sich, das Mode-Label vom Bodensee. Ich befürchte, es ist außerhalb von Facebook nicht abrufbar. Sie sprach so voller Liebe und Herzblut von ihrer Arbeit, es war sehr berührend. Sie wisse von jedem Knopf, jedem Garn und jedem Reißverschluss in ihrer Produktion, wo er herstamme, sagt sie und sie zeigte einen der schönen Jaquardstoffe (mit Federmuster), die in Frankreich noch richtig gewebt werden (und nicht etwa bedruckt). Ihre Einstellung, weniger und langlebigere Mode herzustellen, wird jetzt auch von den Größeren aufgenommen: Giorgio Armani sagte in einem Interview mit der Zeitschrift Vogue und in einem Brief an WWD, eine kommerzielle Zeitschrift der Modeindustrie, er wolle so wie bisher nicht mehr arbeiten, es sei unmoralisch. Er habe immer an zeitlose Eleganz geglaubt und er finde die Schnelllebigkeit absurd und unmoralisch. Die Modeshows findet er Geldverschwendung, unangebracht und sogar vulgär. Auch er sagt, es sei Zeit sich neu zu erfinden; die wichtigste Lektion dieser Krise sei, zu verlangsamen und zu eine menschliche Dimension zurückzufinden. (gefunden auf FB bei Gina Beltrami via Katrin Weinstock-Aroldi) Ich hoffe, es sind auch bei ihm nicht nur Worte.

Zeitlose, nachhaltige Mode zu machen und das unter fairen Arbeitsbedingungen sind etwas, was Christine Frischmuth mit ihrem Label schon seit 15 Jahren lebt. Ich bin mehr denn je entschlossen, bei frischmut.de etwas zu erwerben.

 

Hoffen wir, dass Dalida nicht Recht behält.

Sie verzeihen die heutige Form, ich habe wiederkehrend ein Internetproblem. Ich bin gerade sehr genervt.


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Corona Tagebuch – Ostermontag

Gestern morgen recht früh versteckten Monsieurs Tochter und ich Ostereier im Vorgarten. Die Enkel sind schon Teenager, aber zumindest die Enkelin hat noch ein kindliche Wesen und wollte gern (noch einmal?) Ostereier suchen. Der Enkel spielte etwas gelangweilt mit. Ich versteckte auch für die Erwachsenen kleine Häschen, so dass wir letzten Endes alle (mit Sicherheitsabstand) im Garten herumsuchten.

Es dauerte schon ein Weilchen, bis alle sorgsam versteckten Schokoeier und Osterhasen gefunden waren. Den größeren Osterhasen aus Zartbitterschokolade für die Enkelin fanden wir nicht mehr. Ihr Bruder hatte seinen aus Vollmilchschokolade schon lange aus dem wuchernden Salbei gezogen und bereits angeknabbert, wir aber standen zunehmend verwirrt im Garten herum. So groß ist der Garten nicht, wo war dieser verdammte Osterhase? Die Enkelin begann zu jammern, sie unterstellte ihrer Mutter, den Osterhasen für sie vergessen zu haben. Niemals würde das passieren. Wenn Sie zwei oder mehr Kinder haben, wissen Sie, wie wichtig es ist, dass alle Gaben exakt ausgewogen zugeteilt werden. Die gleiche Menge Saft oder Eistee, die gleiche Menge an Nachtisch und jeder einen Osterhasen. Nur die Schokolade ist eine andere. Angestrengt überlegten wir, wo der Hase versteckt worden war. Nicht weit vom Zaun, nicht weit vom Eingangstor. Vermutlich war er von außen sichtbar gewesen und jemand hatte ihn kurzerhand mitgenommen. Frechheit, aber es blieb die einzige Erklärung, die wir der Enkelin mit hängenden Schultern und Kopfschüttelnd, zu geben vermochten. Sie aber war aufgelöst und enttäuscht: Kein Osterhase! KEIN OSTERHASE! AUSGERECHNET SIE HATTE KEINEN OSTERHASEN! Dass sie noch einen anderen Osterhasen bekommen hatte und zig Ostereier, mit nichts war sie zu beruhigen. Nein, sie ist gerade kein großes und vernünftiges Mädchen. Nur mit Mühe unterdrückte sie ihre Tränen.

Was wir aber fanden, war eine Zeitung, die seit letztem August unbemerkt im Baum festhing. Der Zeitungsbote wirft die Zeitung ja immer im Vorüberfahren (wie in amerikanischen Filmen) über den Zaun, manchmal klappts nicht.

Ich ging etwas später zum kleinen Lädchen, hier sind Läden ja auch am heiligen Ostersonntag geöffnet, und hoffte, dort noch einen Zartbitterhasen zu finden. Aber das Osterhasenregal war leer. Ich erzählte dem Inhaber, dass ich dringend einen Zartbitterhasen der Marke X bräuchte, weil man ihn der Enkelin aus dem Garten gestohlen hatte. Er sah mich hinter seiner Gesichtsmaske erschrocken an. Er hat selbst einen kleinen Sohn, er weiß, was das bedeutet. Wortlos verschwindet er im Lager und bringt mir einen Schokoosterhasen. Es ist der Letzte. Ich darf ihn nicht mal bezahlen. Ich wäre ihm gern um den Hals gefallen, aber das geht ja momentan alles nicht. Die Enkelin begrüßt den Osterhasen wie einen lang vermissten Freund. „MEIN OSTERHASE!“ juchzt sie. Wo war er? Ich erzähle, dass ich ihn im Lädchen habe kaufen wollen und dass es ein Geschenk des Inhabers sei. Alle sind gerührt von dieser kleinen Geste, nur die Enkelin ist noch hin- und hergerissen, ob sie sich über einen Ersatzosterhasen genauso freuen kann. „Ich war SO enttäuscht!“ klagt sie noch einen Moment. Aber letzten Endes ist es gut. Uff! Ich meine, wer klaut denn Schokoosterhasen, das weiß doch jeder, dass man die immer nur für Kinder versteckt, oder? Glücklicherweise ist E. schon 14, wäre sie 4 Jahre alt gewesen, wäre der Tag eine Katastrophe geworden. Die Tränen, das Schreien, den Zorn und die Enttäuschung will ich mir gar nicht vorstellen.

Ich bekam von der Terrasse einen Blumenstrauß an einer Schnur herabgelassen. Es gibt hier ja nirgends Blumen zu kaufen, so dass Monsieurs Tochter einen Blumenstrauß am Straßenrand gepflückt hat. Selten habe ich mich über Disteln und Eukalyptusblätter mehr gefreut! Und die Enkelin hat ihre ersten mit Zwiebelschalen gefärbten Eier vor unsere Tür gestellt.

Später haben wir unseren ersten Apéro via Videokonferenz. Es dauert lange, bis wir alle dazugeschaltet sind und uns sehen. Es ist fast wie immer, alle reden gleichzeitig und halten ständig Gläser in die Kamera des Mobiltelefons. Dann essen wir gemeinsam und doch getrennt, wir im Innenhof, die Familie auf ihrer Terrasse und ständig schickt man sich nun Fotos vom Essen. Ein Film ploppt auf: ein klitzekleiner Cousin sucht seine Ostereier auf einer Azoreninsel, wo die kleine Familie bis zur Ende der COVID-Krise festsitzt. Es ist kein ganz so ein langes Essen wie sonst an diesen Feiertagen, aber es zieht sich doch und viel passiert an solchen Tagen nicht mehr. Sieste. Ich antworte auf alle Mailschulden und wir telefonieren mit Freunden und Familie. Schon wieder Abendessen. Fernsehen: Barry Lyndon. Nach zwei von drei Stunden Film falle ich bereits ins Bett. Der heutige Tag verlief ähnlich, außer dass ich noch ein paar Stündchen gearbeitet habe.

Osterhase oder Osterkaninchen?

Und hier noch ein paar Osterglocken aus dem Keukenhof.

Ich hoffe, Ihre Ostertage verliefen erfreulich und frühlingshaft. Wir lesen uns morgen wieder, drin und gesund!

ps: Die Ausgangssperre in Frankreich wird bis 11. Mai dauern, sagte Macron gerade in seiner Ansprache; danach langsame Öffnung; Festivals nicht vor Mitte Juli. Morgen mehr dazu.

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Frohe Ostern – Joyeuses Pâques

Frohe Ostern Ihnen allen! Danke an Anne D., die mich auf die Musikauswahl auf Arte aufmerksam gemacht hat. Ich habe mich entschieden, Ihnen am Ostersonntag Beethovens (wir sind im Jubiläumsjahr) Missa Solemnis anzubieten. Vielleicht ist es etwas für Sie.

Machen Sie das Beste aus diesem Tag! Seien Sie so froh und gesund wie Sie können und bleiben Sie zuhause!

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Corona Tagebuch – Tag 26

Wenig Text heute. Wir waren heute früh unterwegs. Ich habe eine andere App gefunden, CovidRadius, mit der man sich sogar Zufallsspaziergänge anzeigen lassen kann. Sehr easy alles. Wir sind dann aber doch gelaufen, wie wir wollten. Zuerst haben wir Flaschen zum Container getragen, hinter den Containern sah ich neulich einen Jogger verschwinden, das hat mich neugierig gemacht, und wir fanden einen völlig unbekannten Weg, der zum normalerweise Autobahnmäßig befahrenen Boulevard du Riou führt. Den bin ich schon einmal gelaufen, lang ists her. Und das Rinnsal, das ich Ihnen beim letzten Spaziergang zum Meer zeigt, das ist der besagte Riou, der jetzt unter dieser Schnellstraße verläuft.

Wir gingen stadteinwärts und schlugen uns rechts hoch, wo Monsieur einen „Pfad von früher“ kannte, um eine Abkürzung zur Mediathek (geschlossen) und zum Meer zu nehmen.

Der Pfad von früher ist jetzt ein Privatweg, aber Monsieur macht nur eine wegwerfende Handbewegung, er sei älter als solche Schilder, er ist hier schon immer gelaufen. Der Weg ist dann weiter hinten offiziell auch gesperrt, das interessiert uns aber auch nicht, wir haben Pfadfinderqualitäten.

Wir kommen auf der Höhe der Mediathek raus, gehen hügelab, kreuzen die Avenue Francis Tonner, die man normalerweise ohne helfende Ampelschaltung nicht überqueren kann, so voll ist sie. Sie sieht jetzt eher mickrig aus, finde ich.

Wir nehmen den kleinen Chemin de la Nadine zum Meer. Wir haben unterwegs einen Arzt getroffen, dessen Vater ein Freund von Monsieurs Vater war, wir plaudern und erfahren, die Situation in den Arztpraxen und in den Krankenhäusern in unserer Region entspannt sich. Uff. (Wir werden trotzdem eine Verlängerung bekommen, früchte ich, Monaco hat sich schon entschieden bis zum 3. Mai weiterzumachen; die Masken „Made in Cannes“ werden uns Normalbürgern auch erst Ende der nächsten Woche zugeteilt, die erste Maske kommt per Post, die andere muss in einem ultrakomplizierten Verfahren abgeholt werden, wäre ja zu doof, wenn wir die jetzt gar nicht mehr bräuchten.)

Ich dränge zum Weitergehen, wir sind in unserem Kilometer-Radius, aber wir überschreiten sonst die Ausgangsstunde. Eilig laufen wir am Meer entlang, wenig Zeit für Fotos, wir wollen noch Fisch kaufen.

Es wird eine Dorade für heute und eine Pélamide (in Scheiben) für die Tiefkühltruhe; die Katze bekommt später den Kopf. Und zurück wie letztes Mal durch den Suquet. Eine Stunde und 15 Minuten. Aber keine Kontrolle.

Ich habs geschafft, ein Bienchen aufzunehmen! Suchbild!

Die Ostertouristen sind trotz alledem unterwegs. Manche versuchen ins ruhigere (freiere) Hinterland zu kommen, vergeblich, wenn Sie dort keinen Erstwohnsitz haben! Angeblich wurden Holländer und Italiener gesichtet; die Concierge-Mentalität lässt schön grüßen. Und ganz Reiche versuchen mit Privatjets einzufliegen.

Vorhin habe ich schon die Zitronentarte gebacken, nach diesem Rezept, nur habe ich jetzt erstmals die eigentlich geforderte Pâte sablée gemacht. Ich fürchte aber die Tarte wird nur schwach zitronig, obwohl die Zitronen schön aussahen, waren sie nicht bio und die Zesten hatten dementsprechend keinerlei Geschmack, weshalb ich nur den Saft nahm. On verra. Nicht im Bild die vielen Eier für die Zitronencreme.

Da ich unkontrolliert war, konnte ich mir heute Abend nochmal erlauben, zum Metzger zu gehen und zu schauen, ob es noch Lamm gibt. Monsieur will Lamm zu Ostern. Ok, ich habe die letzten 5 Lammkoteletts bekommen. Zu spät für Schulter und alles andere. Die Franzosen überlassen trotz Ausgangssperre und verhinderten Familienessen nichts dem Zufall.

So vieles hab ich nicht geschafft, keine Deko zum Beispiel, ich habe nämlich so (ähnliche) Ostereier, allerdings aus Tschechien. Aber dafür habe ich hier geschrieben.

Bis morgen, so hoffe ich. Wir treffen uns drinnen und so gesund wie möglich!

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Karfreitag – Nacht

Ich habe am Abend noch zufällig den Kreuzweg in Rom gesehen, Live-Stream mit Papst. Darüber kann man lachen, auch über die vielen Sprachen, die sich übereinanderlegen, wie bei jedem Live-Event. Französisch über Italienisch. Aber ich bin vor allem sehr beeindruckt, wie reaktiv die Kirche ist. Mir gefällt diese Form des Kreuzwegs, den ich sehe. Ein Kreuzweg der Gefangenen. Gefangene und Opfer haben die Texte geschrieben.

In der Kathedrale Notre Dame in Paris, die letztes Jahr kurz vor Ostern, durch einen verheerenden Brand stark beschädigt wurde, gab es am Nachmittag eine Andacht vor der geretteten Dornenkrone. Eine Handvoll Geistliche, ein Violonist und zwei Schauspieler, die Texte sprachen, waren dort mit Schutzhelmen und in Schutzkleidung versammelt.

(Photo by Ludovic MARIN / POOL / AFP)

Ich zeige Ihnen ein Foto zum Karfreitag aus der kleinen romanischen Kirche St. Maria in Lyskirchen in Köln, die ich vor etwa 16 Jahren entdeckt habe. Es war eine der Nächte der offenen Kirchen, wie es sie immer mal wieder gibt.

Ich hatte mich über zwanzig Jahre lang von allem Katholischen distanziert. Habe es mit allerhand anderen Gruppierungen versucht, evangelisch, evangelikal, esoterisch, die mir alle unecht vorkamen und irgendwann näherte ich mich dem Buddhismus, habe in Vollmondnächten Om gesungen und mich auch da falsch gefühlt. Für lange Jahre war dann die Psychoalanyse mein Gott. Bis zu meinem Burnout im Herbst/Winter 2004. Ich kann es nicht erklären, aber es zog mich in dieser Nacht der offenen Kirchen zurück in die Kirche. Ich war zunächst in Groß St. Martin, aber die Kirche war voller Menschen und ich fand dort nicht das, was ich erhoffte, keine Ruhe, keinen Trost. Es ist wohl vorbei mit der katholischen Kirche für mich, dachte ich. Es geht nicht mehr. Ich bin zu nüchtern geworden. Auf dem Weg zurück kam ich an der kleinen Kirche St. Maria in Lyskirchen vorüber und dachte, na gut, schau ich mir die eben noch an. Ich öffnete die Tür, die Kirche war nur wenig erleuchtet, von irgendwoher erklang leise klassische Musik und vor mir auf den Steinboden war mit hellem Licht ein Spruch projiziert:


„Hinter jedem Winter steckt ein zitternder Frühling und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.“

„Wie tröstlich“, dachte ich und war sehr gerührt. Ich hatte das Gefühl, diese Worte von Khalil Gibran waren nur für mich dorthin projiziert worden. Eine Begrüßung. Ich fühlte mich gesehen und verstanden und war außerdem alleine in der kleinen Kirche. Ich setzte mich in eine Bank und weinte. Sehr lange blieb ich nur sitzen und weinte. Ich wollte gar nicht mehr nach Hause. Später sah ich nach, wann es hier eine Messe gäbe. Sonntags abends. Wie ungewöhnlich. Es war dann auch alles ganz ungewöhnlich. Pfarrer Matthias Schnegg sprach nicht von oben herab, er stellte die Bänke um und stellte sich in unsere Mitte. Wir studierten vorab neue Lieder ein, die wir während des Gottesdienstes mal mit, mal ohne Orgelbegleitung sangen. Pfarrer Schnegg las Bibeltexte und erläuterte sie. Es war intelligent und lehrreich. Seine Worte waren nicht abgenutzt und er verwendete keine heruntergeleierten Floskeln. Hin und wieder verwandelte er die Kirche in ein Theater, manchmal gab es szenische Lesungen mit den Bibeltexten, manches Mal gab es Tanz und Performance, die Osternachtfeier fand wirklich in der Nacht statt und man kam tatsächlich mit dem ersten Tageslicht aus der Kirche: Und es ward Licht. „Von Herzen Dank, dass Sie heute hier waren“, sagte er jedes Mal am Ende der Messe und er meinte es so. Dieser Pfarrer und seine Gottesdienste haben mich in einer dunklen Zeit getragen. Oder Gott. Wie Sie wollen. Seitdem bin ihm oder dem Universum wieder näher gekommen.

In Frankreich habe ich nur einmal einen Pfarrer erlebt, der mich ebenso berührt hat. Ein ehemaliger Schäfer, der Frau und Sohn hatte, und „spätberufen“ Priester geworden ist. Das war natürlich im Bergdorf, das denken Sie sich. Aber er ging weg und bildet nun junge Priester aus. Die haben ein Glück! Und im Kloster St. Honorat, das wissen Sie schon, habe ich auch Ruhe, Trost und Antworten gefunden.

Vielleicht hilft es, in dieser Zeit, an etwas zu glauben. Mir hilft es. Und wie Sie merken, ist es mir in dieser eigenartigen Zeit ein Bedürfnis darüber zu sprechen.

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