Kann es sein, dass ich der einzige Mensch bin, dem La La Land nicht gefallen hat? Oder wagt es nur kein anderer mehr zu sagen, nachdem dieser Film so viele Golden Globes abgeräumt hat? Er MUSS doch toll sein, er MUSS mir doch Lust gemacht haben, zu singen und zu tanzen, wenn alle das sagen, oder? Aber, oh Gott, NEIN, hat er nicht. Ich habe mich gelangweilt. Ich hatte sogar zwischendurch Lust, aufs Handy zu schauen for some interesting news, und das ist vielleicht für Sie normal, aber nicht für mich. Der Film hat mich nicht mitgerissen, auch wenn ich die erste Szene mit den über die Autodächern tanzenden Menschen vielversprechend fand, danach wurde es banal, fade und dünn, sehr sehr dünn: Die Handlung, die Stimmchen, der Tanz. Grmpf.
Und das alles im bonbonrosafarbenen Dekor Hollywoods. Natürlich verstehe ich, was der Film will, mit all seinen “Zitaten” und Anspielungen, ich verstehe auch die Botschaft, jaaa sicher, aber es plätschert so vor sich hin und an mir vorbei. Das hat man alles schon gesehen. Und die Palmen, den Glamour von Hollywood, die Sonnenuntergänge, gähn, ich bin vermutlich zu alt und zu versnobt, denn weder das noch Paris auf Pappkarton und Geschichten von jemandem, der barfuß in die Seine springt, wirklich, das reißt vielleicht zwanzigjährige Amerikanerinnen vom Hocker, oh how’s that romantic, aber nicht mich müde, alte Europäerin. Dann sehe ich mir lieber nochmal Singing in the Rain oder Ein Amerikaner in Paris an.
Eine kritische Stimme habe ich gefunden, es irritiert mich, dass es schon wieder in dieser Zeitung ist, die ich früher nicht gelesen habe, ist es das Alter, das mich konservativer macht?! Die Kritik ist natürlich schrecklich film-intellektuell, als Filmkritiker hat man natürlich wirklich alles schon gesehen, und weiß genau, woher manche Ideen und Szenen eigentlich stammen, sieht Zusammenhänge und hat tiefere Einsichten, dem kann ich manchmal nicht ganz folgen, auf jeden Fall aber heißt es dort, dass der Film im Grunde ein Remake des französischen Films Les Demoiselles des Rochefort sei, den ich mir daraufhin natürlich angesehen habe. (Kriegen Sie auch hier, in der besten Qualität die ich finden konnte, immerhin der ganze Film, aber eben Französisch und leider mit spanischem Untertitel
).
Und ja, es gibt Ähnlichkeiten, es wird in bunten Farben gehüpft, getanzt, gesungen und geliebt, (und Gene Kelly spielt mit, neben Catherine Deneuve und Michel Piccoli), aber ein Remake, hm, ich weiß nicht, aber natürlich würde ich niemals einem Filmkritiker widersprechen. Von diesem Film aber kam ich zu Les Parapluies de Cherbourg, auch da wird gesungen, geliebt und sich verlassen (ALLES wird gesungen, das ist dann doch ein bisschen anstrengend!)
Diese Geschichte (ein Liebespaar, er muss “weit fort”, sie, von ihm schwanger und ohne Lebenszeichen von ihm, heiratet gezwungenermaßen einen anderen) erinnert mich allerdings ganz stark, nein, nicht an Singing in the Rain, wie man bei den Regenschirmen denken könnte, sondern an Marcel Pagnols Marius. Letzten Endes ist wohl alles schon mal da gewesen, und selbst mein absoluter Lieblingsfilm The Artist hat sich einen Teil seiner Geschichte ausgeliehen, diesmal aber von Singing in the Rain. Ich schwöre, ich habe den Titel meines Beitrags selbst ausgedacht! Anyway, das sind alles wunderbare Filme für einen verregneten Sonntagnachmittag auf der Couch!
ps: Der Inhalt (und Text) der Demoiselles de Rochefort ist übrigens recht freizügig, uneheliche Kinder, Sex und anderes wird offen ausgesprochen: “denkst du nicht, wie sehen in den Kostümen ein bisschen nuttig aus?” fragt eine Schwester die andere.
Eine andere Szene in Les Demoiselles de Rochefort finde ich aus heutiger Sicht wirklich unglaublich: Yvonne, Cafébesitzerin, kann nicht weg aus dem Café, um ihren jüngsten Sohn (unehelich, wie auch schon die beiden Zwillingsschwestern) von der Schule abzuholen und bittet zwei unbekannte Männer des Zirkus’, der gerade in die Stadt kam, und die bei ihr etwas essen, ihr Kind abzuholen. Vor der Schule wartet zwar schon brav die Halbschwester, Catherine Deneuve, auf den kleinen Bruder, sie gibt ihn aber, ohne mit der Wimper zu zucken, an die beiden unbekannten Männer ab, weil sie besseres vorhat. “Das ist auch bestimmt keine Entführung?” fragt sie. “Wenn, dann würden wir es Ihnen nicht sagen”, antworten die Männer. “Das stimmt natürlich”, sagt sie und lässt den Bruder daher in der Obhut der beiden Männer, die ihm Bonbons kaufen! Ich fasse es nicht.
Wenn Sie wüssten, wie französische Schulen heute gesichert sind, mit Mauern und Toren und Sicherheitspersonal. Und sehr kleine Kinder müssen sogar persönlich abgeholt werden und dafür unterschreiben Sie auf einer Liste, auf der Sie natürlich stehen müssen. “Ich kenne Sie nicht”, sagt die Aufsicht führende Lehrerin streng zu mir und fragt das Kind vorsichtshalber, wer ich sei. Und das Kind, sonst lustig und frech, sagt eingeschüchtert “das ist Christjann”. Und auf die Frage, wer ich denn für sie sei, Tante, Großmutter, Nachbarin, sagt es verlegen: “Ich weiß nicht.” Ha! Die Aufsicht führende Lehrerin sieht mich kritisch an. Ich versuche zu scherzen, sage, “ich bin die dritte Großmutter”, haha, aber die Lehrerin findet das nicht komisch. Ich erkläre, ich sei Stiefgroßmutter, die zweite Frau des Großvaters, verhaspele mich dabei und es klingt so, als habe Monsieur mehrere Frauen, aber, sage ich, “ich stehe auf der Liste”. “Aha”, sagt die Lehrerin, aber es stimmt, und ich habe auch meinen Personalausweis dabei und unterschreibe, dass ich das Kind entführen werde. Das glaubt zumindest die Lehrerin.
Vor fünfzig Jahren konnte man sein Kind in Frankreich einfach von zwei fremden Männern von der Schule abholen lassen. Und vor knapp fünfzig Jahren bin ich in Deutschland einfach alleine von der Schule nach Hause gegangen. Les temps changent.
pps: gerade noch das hier gefunden: alle Film”zitate” von La La Land





































































































